Wanderlust – Ausstellung in der Alten Nationalgalerie Berlin

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Die Wanderlust ist im 19. Jahrhundert ein zentrales Motiv in der Malerei gewesen. Zurück zur Natur ist jedoch um 1800 auch ein Lebensgefühl gewesen. Angesichts der rasanten gesellschaftlichen Umbrüche seit der Französischen Revolution entwickelt sich in einer Gegenbewegung eine neue Form der entschleunigten Selbst- und Welterkenntnis, die bis heute nachwirkt.

Der Künstler erobert sich den Blick auf die Natur zu Fuß. Wandern bedeutet in der Kunst sinnbildlich eine Lebensreise oder symbolischen Pilgerschaft. Die selbstbestimmte Fußreise eröffnet eine neue, intensive Art der Naturbegegnung und eine sinnliche wie auch körperliche Form der Weltaneignung. Die Alte Nationalgalerie widmet diesem Thema eine Sonderausstellung.

Otto DixSelbstbildnis mit Wanderhut, 1912Öl auf Papier auf Pappe, Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser, Chemnitz© Kunstsammlungen Chemnitz / PUNCTUM / Bertram Kober / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

Caspar David Friedrichs «Wanderer über dem Nebelmeer», eine Leihgabe der Hamburger Kunsthalle, als Ausgangspunkt, vereint diese Ausstellung um die 100 Werke seit 1800, die das Wandern abbilden.

Die in der Ausstellung gezeigten Werke von Meistern wie Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Karl Friedrich Schinkel, Johan Christian Dahl, Richard Wilson, Christen Købke, Gustave Courbet, Iwan Kramskoi, Ferdinand Hodler, Auguste Renoir, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix und Ernst Barlach verdeutlichen, wie wirkmächtig und fruchtbar das Motiv des Wanderns nicht nur in Deutschland, sondern von Frankreich, Großbritannien über Dänemark und Norwegen bis nach Russland war.

Die Ausstellung ist thematisch in verschiedene Kapitel gegliedert: Entdeckung der Natur, Lebensreise, Künstlerwanderung, Spaziergänge, Sehnsuchtsland Italien, Wanderlandschaften nördlich der Alpen.

Als Paul Gauguin in Begleitung Van Goghs 1888 nach Montpellier wanderte, beeindruckte ihn Courbets Werk «Bonjour Monsieur Courbet» so sehr, dass er seine eigene Version «Bonjour Monsieur Gauguin» malte. Beide Bilder sind in der Alten Nationalgalerie nun zum ersten Mal gemeinsam ausgestellt.

Wanderlust

Jens Ferdinand Willumsen Bergsteigerin, 1912Öl auf Leinwand, Statens Museum for Kunst, Kopenhagen© Statens Museum for Kunst, Copenhagen / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Auch die schrittweise Emanzipation der Frau durch die Linse der Kunst wird dokumentiert. Zunächst nur harmloses Spazieren in aufwändigen Kleidern, doch zum Abschluss die selbstbewusste Bergsteigerin von Jens Ferdinand Willumsen.

Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir

Noch bis 16. September 2018 in
Alte Nationalgalerie – Berlin

 

Titelbild: Auguste Renoir Ansteigender Weg durch hohes Gras, 1876/77 Musée d’Orsay, Paris© Musée d‘Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt