Filmtipp: Twilight Samurai

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Twilight Samurai (Tasogare Seibei, JP 2002) – Eine Samurai-Liebesgeschichte

 Wutentbrannt kommt sein Onkel aus der Stadt zu Besuch im ärmlichen Haus des verwitweten Samurai Seibei (Hiroyuki Sanada), seinen zwei Töchtern und seiner dementen Mutter. Anscheinend ist der Name der Familie durch Seibei in den Schmutz gezogen worden und die Kritik an seinem verwahrlosten Lebensstil fällt harsch aus. Er soll stinkend, schmutzig und mit kaputten Kleidern dem zu Besuch gekommenen Fürsten eine Frage beantwortet haben.

Als einzigen Ausweg aus der untragbaren Situation sieht der Onkel eine zweite Heirat. Er kenne eine Frau, natürlich keine Schönheit, die ihn heiraten würde. Doch zu seinem Entsetzen erwidert Seibei, dass er glücklich sei mit seinen beiden Töchtern und nicht einfach jemanden heiraten möchte nur damit eine Frau im Hause ist. Er liebe es, seine Töchter aufwachsen zu sehen, er liebe sie über alles.

Seibei ist Samurai der untersten Klasse, was in seinem Fall nicht gleichbedeutend ist mit einem, der im Kampf nicht besonders gut ist. Aber seit dem langen Todeskampf seiner Frau, reizt ihn der Kampf nicht mehr. Er gibt alles auf zum Wohle seiner Familie. Er arbeitet Tag und Nacht damit sie gerade mal so durch kommen. Langsam verwahrlost er, weil er weder Zeit noch Motivation findet sich um sich selbst zu kümmern. Es ist eine Zeit der kalten Sommer. Viele Bauern verhungern und das Land wird bald in einen Wandel geraten, dem sich die Samurai nicht entziehen können.

Seibei wird als einen etwas sonderlichen Mann gezeichnet, als liebevollen Mann ohne Machismen. Wenn die Samurai-Gruppe nach dem täglichen Studium eins trinken geht, so wird Seibei nie dabei sein. Auch ist er der fortschrittlichen Meinung, dass seine Töchter lesen können müssen und nicht bloss Sticken. Denken können, ist genauso wichtig für Frauen wie für Männer. Nur wer denken kann, wird schlimme Situationen meistern können.

Gesellschaftlich ist sein Leben auf dem Tiefpunkt, bis sein bester Freund ihm etwas erzählt, was seine nächsten Jahre prägen wird. Tomoe sei zurückgekehrt. Er habe sie aus der von ihm arrangierten Ehe befreien müssen, weil ihr Mann sie oft geschlagen habe. Sie lebe nun wieder ihn ihrem Haushalt.

Schon bald steht sie in seinem Haus als er von der Arbeit nach Hause kommt. Sofort ist die Vergangenheit wieder da. Seine erste Liebe ist zurückgekehrt, seine einzige Liebe. Fortan hilft Tomoe mit im Haushalt, die Kinder lieben sie, und die Zuneigung, die beide füreinander verspüren wächst wieder. Es ist eine realistische, zärtliche Darstellung ihrer Liebe und ihres Alltags.

Seibei ist wieder auf dem Weg ins Glück, doch weil die Geschichte umgeht, er habe Tomoe’s Ex-Mann in einem Duell Stock gegen Schwert ohnmächtig geschlagen, gelangt man mit einem Auftrag an ihn, der ihn ins Verderben stürzen könnte.

Ich bin weder ein Kenner und schon gar kein Fan von Samurai-Filmen. Es vergingen ein paar Jahre bis ich mich endlich dazu entschlossen habe Twilight Samurai anzuschauen. Die ruhigen Bilder über den Alltag dieses ungewöhnlichen Mannes, der um seine Würde als Mensch kämpft jedoch gleichzeitig seine Ehre als Samurai und die Pflichten gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen muss, sind wunderbar einfach gehalten. Es ist kein Hochglanzfilm, sondern lehnt sich optisch an das Leben von Seibei an. Weil sein Leben so glaubwürdig dargestellt ist, trifft die Aufgabe, die er zu erfüllen hat, den Zuschauer mit voller Wucht.

Es gibt ein paar Szenen, wo die Worte zu deutlich das widerspiegeln was man sieht, aber es sind wenige solcher Dinge die ich kritisieren würde. Jedenfalls ist etwas passiert, was ich nicht gedacht hätte. Ein Samurai-Film hat mich berührt. Sehr berührt. Und eigentlich war es klar, dass 36 internationale Auszeichnungen für einen japanischen Film viel mehr bedeutet als Tom Cruise Samurai Niveau. Die einzige Parallele ist Hiroyuki Sanada.

Vorurteile beiseite. Es lohnt sich.

 

 

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