Tom Gatza – neues Album „RE“

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Auf dem neuen Album „Re“, das am 15. Mai 2020 via Listenrecords veröffentlicht wurde, entwickelt Tom Gatza den Sound seines Debüts „Melo“ (2018) weiter. Streicher und Bläser steuern orchestrale Elemente bei, und die Zusammenarbeit mit dem Schlagzeuger Max Schneider gibt den Stücken energetischen Auftrieb. Musik, die an verschiedenen Orten zuhause sein könnte, im Jazzclub oder auch im Konzertsaal.

„Ich setze die Drums sehr bewusst ein“, erklärt Gatza. „Das Schlagzeug soll wie im Jazz in einen Dialog mit dem Piano treten und wirkt als wichtiger Motor, wenn es aus der Intimität in energetischere Gefilde geht. Es ist viel mehr als ein reines Begleitinstrument und wird durch elektronische Elemente weitergedacht, die durch ihren organischen Sound nicht kontrastieren, sondern eher das gesamt Klangbild ergänzen und dadurch neue Perspektiven schaffen sollen.“

Künstler drücken sich über ihre Musik aus – sie ist Teil ihrer Identität. Der Titel des Zweitwerks, „Re“, steht für die Wiederholung der Selbstbespiegelung im Schaffensprozess, der klassischen Auseinandersetzung des Künstlers mit sich selbst: „Gerade als Solo-Künstler musst du jede musikalische Entscheidung mit dir selbst ausmachen, da gibt es keine Bandmitglieder und andere Meinungen. Das ist einerseits total befreiend, aber manchmal stellt es dich vor große Fragen. Und hinterher stellt man immer wieder fest, wie sehr man an diesen Fragen wächst. Und dann geht das wieder vorn vorne los. Deshalb ‚Re‘ “, fasst Gatza zusammen.

Gleich der Opener „Pastand“ ist stark in seiner atmosphärischen Ausstrahlung und voller klanglicher Überraschungen. Das fast 7-minütige Epos fasst Gatzas Sound-Skala gekonnt zusammen. Abstrakte, elektronische Soundwelten treffen auf organische, orchestral anmutende.

„Omlob“ ist ein weicher, zarter Song – begleitet von den hauchigen Klängen des Berliner Saxophonisten Ralph Heidel.

„Echelle“ weist den Musiker als perfekten Pianisten aus, der mit seiner Musik eine Geschichte erzählt. Am Thalia Theater untermalte er musikalisch eine Szene, in der kindliche Harmonie zerstört wird von einer düsteren Wahrheit. Dissonante Klänge greifen diesen Zustand gekonnt auf – und münden in hoffnungsvollere Klangverläufen. „Wait“ ist ein spannender Mix aus Neo Klassik, Ambient und Post-Rock – ein musikalischer Rausch, im Wechselspiel mit dem Schlagzeuger Max Schneider erzeugt der Song einen energetischen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.

„Wolf“ tanzt aus der Reihe der instrumentalen Stücke – zunächst rauschender Sound, abgelöst vom Piano und dem Gesang der Berliner Sängerin Yule Post. Das Bild des einsamen, ruhigen und weisen Wolfs baut sich auf, das die postmoderne Gesellschaft mit seinen irrsinnigen Konsumgewohnheiten kontrastiert.

„Kaarna“ wurde ursprünglich komplett auf dem Piano komponiert. Das Stück ist jedoch auf dem Album von Synthesizer und Vibraphon übernommen worden und klingt daher ungewohnt mystisch für einen Neo-Klassik Song. „Sog“ hat tatsächlich eine solche Wirkung, durch seine dominanten elektronischen Beats, die sich rund um das sich wiederholende Klaviermuster legen.

Auch mit seinem neuen Album „RE“ schafft es der Musiker wieder, die Zuhörer*innen in traumhafte cineastische Klangwelten zu katapultieren. Seine komplexen Kompositionen überfordern nicht, sondern haben im Gegenteil sogartige Wirkung. Zudem wird sein großes Talent als Komponist, Pianist und Produzent einmal mehr deutlich hörbar.

TRACKLIST RE

  1. Pastand
  2. Omløp (feat. Ralph Heidel)
  3. Echelle
  4. Wait
  5. Kaarna
  6. Wolf (feat. Yule Post)
  7. Sog

Release: 15.05.2020 (Listenrecords/Broken Silence)

Foto: Caroline Krämer

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