Tom Gaebel – SO GOOD TO Be Me

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Ganz verschwunden sind sie nie. Die Jazz Big Bands, die 1935 bis 1947 ihren Höhepunkt erlebten. Zum Glück gibt es sie auch weiterhin, wenn auch nicht mehr so häufig. Tom Gaebel mit seiner 12-köpfigen Jazz Big Band, die er 2004 gründete,  gehört wohl zu den bekanntesten hier in Deutschland. Ich habe ihn erst jetzt kennengelernt. Als ich die ersten Töne seines neuen Albums zu hören bekam, war ich gleich elektrisiert und habe mich nach einem Tanzpartner umgeschaut. Natürlich vergeblich, denn ich sitze ja hier am Computer. Die Stimme erinnert im ersten Moment sehr an Frank Sinatra – Tom Gaebel Fans wissen das,  aber für die neuen Fans unter uns, es ist toll, wie die Stimme von Tom swingt. Allerdings ist sie etwas weicher und melodischer als die von Sinatra.

Gaebels neues Album „So Good To Be Me“ umfasst 13 Songs, 12 davon hat er selbst geschrieben. Das erste Stück, „The Cat“, besitzt echte Ohrwurm-Qualität, denn er erzeugt auf Anhieb eine fiebrige James Bond Stimmung. Es geht sehr lässig und entspannt weiter, aber auch groß – kein Wunder bei dem hervorragend produzierten und gut eingespielten Sound, der uns in die Sphären des Jazz und Swing trägt und den Alltag schnell vergessen lässt.

Die Qualität seiner Alben haben qualifiziertere Leute als ich beurteilt und Awards vergeben – ich kann nur betonen, „So Good To Be Me“ ist ein tolles Album, wer Swing und Big Bands liebt, der sollte es  sich unbedingt  besorgen…

Artist: Tom Gaebel

  “So Good To Be Me”

VÖ: 19.09.2014
Label: Tomofon / tonpool Medien
Formate: CD, Vinyl, digita

http://tomgaebel.com
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http://twitter.com/tomgaebel

Wir hatten die Gelegenheit; Tom Gaebel oder Dr. Swing online einige Fragen zu stellen – hier sind sie!

DKB: Sie sind mit 5 Jazz Awards als deutscher Jazzsänger sehr erfolgreich. Wenn jetzt Ihr 6. Album erscheint, sind Sie dann immer noch nervös?

Tom: Freudig erregt, würde ich es nennen. Soviel von mir wie in diesem Album gab es noch nie und deshalb macht es mir jetzt auch ganz besonders Spaß das ganze Drumherum mitzugestalten und zu beobachten. Aber ich muß mit der Musik, die ich mache auch eh nicht so auf den ganz großen kommerziellen Erfolg schielen, deswegen kann ich auch ganz entspannt bleiben.

DKB: Es gibt ja heutzutage nicht mehr so viele Jazz Big Bands, welche besonderen Herausforderungen stellt dies für Ihre Arbeit dar?

Tom:Mir fällt da eigentlich nur die Logistik ein, denn mit so einer großen Besetzung unterwegs zu sein, bedeutet in allem mehr Aufwand – dafür habt man dann aber auch deutlich mehr Spaß und geht sich nicht so schnell auf den Keks!

DKB:Wie oft proben Sie mit Ihrer 12-köpfigen Band?

Tom: Wir proben immer Projektbezogen für ein neues Album oder eine neue Tournee, wenn man erstmal eingespielt ist, kann man alles andere „on the road“ regeln

DKB: Sie spielen ja das Instrument Posaune, spielen Sie es auch oft noch selbst bei Auftritten oder zu Hause?

Tom:Ich habe aktuell leider seit Monaten nicht mehr gespielt, aber ich nehme es mir immer wieder vor, um einen gewissen Stand zu halten – denn ab und an hole ich die Tröte auf der Bühne schon gern mal aus dem Koffer!

DKB:Woher nehmen Sie für Ihre Kompositionen die Inspiration?
Tom:Das kann ich selber gar nicht sagen, aber das meiste fällt mir ein, wenn ich irgendwo rumlaufe oder mich sonstwie bewege, dann fange ich an rumzusummen – und manchmal ist eben was nettes dabei, das mir gefällt.

DKB:Wie kann man sich Ihre Arbeit rein handwerklich vorstellen?

Tom: Ich setze mich schon noch ganz klassisch ans Klavier und arbeite eine Idee aus, dann kommt meist ein erstes Demo mit einer Art Kauderwelschgesang und am Schluss bekommt dann alles mein heißgeliebter Arrangeur Dietmar Mensinger und macht alles hübsch!

DKB: Ergeben sich für Sie noch neue Vorbilder, oder ist man auf der Höhe seines Erfolges da immun und braucht auch keine mehr?
Tom:Ich höre immer wieder Sachen, die mich packen und die dann über Umwege auch irgendwie in meine eigene Musik einfließen, aber ein richtiger „Fan“ bin ich seit Sinatra von niemand mehr geworden. Das liegt aber vermutlich auch am Alter…

DKB:Haben Sie neben Ihrer Musik noch Zeit, andere Hobbys zu pflegen?
Tom:Momentan ist eine Art Hobby von mir, mich mit geschäftlichen Dingen auseinanderzusetzen – ich hätte es nie für möglich gehalten, aber es macht mir neben der Musik manchmal richtig Spaß „Plattenfirma“ zu spielen und für mein Label tomofon alles mögliche an lästigem Zahlendingsbums durchzugehen!

DKB: Würden Sie gerne einmal eine ganz andere Musik machen oder beispielsweise Filmmusik komponieren?

Tom:Filmmusik hat mich immer sehr interessiert, aber leider ist ein Leben zu kurz um all das zu machen, woran ich sonst noch so Freude hätte. Ernsthafte Komponisten sind jedenfalls die Leute in der Musik, die ich am faszinierendsten finde und vor deren Arbeit ich den meisten Respekt habe.

DKB:Könnten Sie sich ein Duett mit einer Jazzsänger/in vorstellen, und wer wäre das dann?

Tom:Ich kann mir Duette mit vielen Leuten vorstellen, aber meine ganz persönlichen Wunschkandidatinnen sind leider alle schon verstorben, allen voran Ella Fitzgerald. Obwohl, Melody Gardot fände ich interessant!

DKB:Könnten Sie sich vorstellen, auch deutsche Texte zu singen oder passt das Ihrer Meinung nicht zum Swing und Jazz?

Tom:Es gibt viele witzige alte Schlager, die vom Swing inspiriert worden sind und Roger Cicero hat’s ja auch vorgemacht, dass das funktioniert. Ich selber singe aber halt so gerne auch viele der alten amerikanischen Klassiker und momentan kann ich mir nicht vorstellen die Sprache von Song zu Song zu wechseln. Aber wer weiß, was ich morgen denke? Manchmal ändert man ja im Leben seine Meinung, solange man noch nicht eingerostet ist.

Vielen Dank für die Beantwortung und den besten Erfolg für das neue Album

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