Tinder für Normalos: Die Antworten auf all Deine Fragen!

1. Warum schreibt Der Kultur Blog über Tinder?

Das ist eine gute und berechtigte Frage. Das ganze läuft unter einem streng soziologischem Aspekt unserer Netz -und DateKULTUR. Die Erfahrungen des Autors dienten einzig und allein dieser Feldstudie.

2. Ich betrachte mich als normal attraktiv. Warum liken mich so wenige Frauen?

Tinder ist wie Real Life. Wenn Du analog selten mit fremden Frauen ins Gespräch kommst, wird es bei Tinder ähnlich sein. Mit dem Nachteil, dass Du erst gar nicht die Chance hast, rhetorisch oder nonverbal zu punkten, sondern zuerst optisch überzeugen musst.

3. Was sind hier die Annahmen?

Statistisch gesehen haben Frauen eine Rücklaufrate von 60%-80%. Männer hingegen bei 1% – 5%. Das bedeutet für Dich, dass Du 100 Frauen liken musst, um mindestens 1 Match zu erhalten.

Dabei liegen folgende Annahmen zur Grunde:

Tinder kommt täglich auf 1.5 Milliarden Swipes und 21 Millionen Matches. Das sind 1.4 Matches auf 100 Swipes. Das heisst im besten Fall swipest Du 100 Frauen nach rechts und bekommst 1-2 Matches.

Gehen wir jetzt noch davon aus, dass wie auch im echten Leben, Frauen ein wenig selektiver sind, wenn es darum geht, wen sie liken. Du hast Dir mit der Zeit nämlich angewöhnt die meisten Frauen wahllos zu liken:

tinder 1.png

Dadurch entsteht ein krasses Überangebot an Tindermänner für überforderte Tinderfrauen. Wenn ich mit Freundinnen oder Tinderellas darüber gesprochen habe, bestätigten mir die Meisten 4-8 Matches auf 10 Swipes.

Das bedeutet, dass wenn Du Deine kostbaren 1-2 Matches nach 100 Swipes erlangt hast, die Mädels schon theoretisch 60-80 Nachrichten von ihren digitalen Verehrern erhalten haben.

Und dann müssen sie sich mit solchen Gentlemen die kostbare Zeit vertreiben:

http://www.buzzfeed.com/jarrylee/atlas-swiped#.mm5MLregQP

Quelle: Buzzfeed

 

 

Die Konsequenz: Mädels werden mit der Zeit immer wählerischer und liken immer weniger Typen.

Tja und dann kann es eben vorkommen, dass Dein Match kein Bock auf Deine originelle „Hey, wie gehts?“ Nachricht hat.

In Ihrem letzten Blogeintrag geht das Unternehmen übrigens genau auf dieses Phänomen ein. Seit kurzem gibt es einen Limit an Likes, die man innerhalb von 12 Stunden abgeben kann, damit die Qualität der Matches wieder steigt (und es ist natürlich auch der Beginn der offiziellen Monetarisierung der App).

4. Wieso schreiben nicht alle Typen, die mich matchen auch eine Nachricht?

In der Zeit wo Du gematched wurdest, fand sich eine Andere, die schneller zur Sache kam. Oder er wurde von einer total attraktiven Frau gematched, so dass er sich erneut der Illusion hingab, dass er in der selben Attraktivitätsliga spielt.

5. Wie entstehen nun die Matches?

Auf Tinder hat es 3 Attraktivitäts-Kategorien: Die objektiv Attraktiven Schönlinge mit den tollen Instagramfotos (Hotties). Die Normalos sowie die von der Gesellschaft als Unattraktiv eingestufte Mitmenschen:tinder 2

 

Nun ist es so, dass alle auf der Suche nach den Attraktivsten sind. Das bedeutet, dass sich die Normalos nicht mit Ihresgleichen zufrieden geben können, solange all diese Hotties an ihnen vorbei swipen. Normalos auf der Suche nach Hotties. Hotties aber nehmen nur Hotties.

Das Resultat: Viele enttäuschte Normalos.

Im Fall von Männern wenden sich Hotties manchmal dem Fussvolk zu, um nach einer schnellen Nummer zu fragen. Enttäuscht vom Unwillen des Pöbels wenden sie sich jedoch schnell wieder ihrer Klasse zu.

 

6. Was heisst das jetzt?

Das Vice Magazin hat bereits Tinder den Laufpass gegeben, weil es langweilig geworden ist. Das kann man so oder so werten. Tinder ist vor allem eins: Real Life! Egal ob Weiberheld oder Serienmonogamistin. Es bietet Dir genau das Gleiche, was Dir auch das Leben bietet. Nicht mehr. Eher Weniger! Die Enttäuschung kommt lediglich daher, weil es im Vergleich zu anderen Portalen so einfach ist. Einfach paar Fotos hochladen. Einfach mit dem Daumen nach rechts und links. Der ausbleibende Erfolg liegt in unserer Definition von Erfolg: Wir wollen nicht mit Unseresgleichen, sondern die Topstars, auf denen wir unseren Wunschcharakter projizieren. Die Normalos gibt es ja im Alltag schon zu Genüge.

7. Euer Resultat?

Tinder eignet sich vor allem darum zu beobachten, wie sehr wir norm-getrieben handeln. Anscheinend sehnen sich die meisten Menschen nach einem attraktiven erfolgversprechenden und vorallem normierten Menschen. Anders lassen sich die ganzen Fotos der surfenden, bergsteigenden, tauchenden und backpack-reisenden Zeitgenossen nicht erklären.

Sobald das Profil ein wenig von der Norm abweicht und individueller gestaltet wird, sinkt die Rücklaufquote in die absolute Bedeutungslosigkeit.  Dieses „Foto“ zum Beispiel fand nicht so viele Fans:

8. Gibt es noch etwas, das ich wissen muss, um endlich die Hotties zu matchen?

 

 

Send this to friend