The Rolling Stones: Their Satanic Majesties Request

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50 Jahre nach seinem Erscheinen erhält der Stones-Klassiker THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST, der seinerzeit Fans und Kritiker polarisierte, mit einer prächtigen Jubiläumsausgabe seine wohlverdiente Wiederveröffentlichung.

Nicht ganz zu Unrecht wurde das im Dezember 1967 erschienene Album mit dem Meisterwerk der Beatles „Sgt. Pepper’s Lonely Heart Clubs Band“ verglichen, das ein gutes halbes Jahr früher herausgekommen war. Beiden Alben gemeinsam ist die große Freude am Experimentieren mit neuen Klängen und Inhalten, eine Abkehr beider Bands von ihren bewährten Klangmustern. Doch während „Sgt. Pepper“ die Popwelt hellauf begeisterte, erhielten die Stones seinerzeit viel Prügel für SATANIC MAJESTIES, das vielen nur als müder Abklatsch des Beatles-Albums und ziemlich unerquicklicher musikalischer Mischmasch galt. Die Stones selbst empfanden das Album eher als peinlichen Ausrutscher.

Klar, mit klassischem amerikanischen R&B, mit dem die Stones Anfang der 1960er Jahre ihren Durchbruch geschafft hatten, hat die Musik von SATANIC MAJESTIES nicht mehr viel zu tun. Ungewöhnliche perkussive Klänge und eine Vielzahl von exotischen Instrumenten wie Theremin, Sitar, elektrische Dulcimer und Mellotron, die von Brian Jones gespielt wurden, ergeben einen vielschichtigen, fremdartigen Sound, für das sich Kritiker und Fans erst im Laufe der Jahre erwärmten. Diese allmähliche Neubewertung ist zum Teil sicherlich auch den Coveraufnahmen einiger Songs geschuldet, die von so unterschiedlichen Bands wie KISS, The Damned und Arcade Fire eingespielt wurden.

Auch wenn SATANIC MAJESTIES nicht zu den stärksten Werken im Katalog der Stones gehört, einige seiner Songs sind richtig gut. „Sing This All Together“ ist ein eingängiger, rhythmusbetonter Sing-along, bei dem Brian Jones mit einem fetten Saxophon glänzt. Das bekiffte, rockige „Citadel“ gefällt schon wegen des markanten Riffs von Keith Richards. Der ätherische, von Billy Wyman geschriebene und gesungene Song „In Another Land“, bei dem man den Stones-Bassisten am Schluß schnarchen hört, spielt mit verfremdeten vokalen Effekten. Das zwischen Folk und Rock mäandernde „2000 Man“ überzeugt mit schönem akustischen Gitarrenintro, clever verschlepptem Schlagzeugspiel und schweren, opulenten Hammondorgelklängen. Der Song erzählt von einem Mann, der eine Affäre mit einem PC-Betriebssystem hat – ein Thema, das übrigens ein halbes Jahrhundert später der US-Film- und Musikvideo-Regisseur Spike Jonzes in seinem Film „Her“ (2013) aufgreifen sollte. Und „She’s a Rainbow“ ist ein feiner Popsong mit verspielten, barocken Klavierläufen und feinen Streicherarrangements.

Der stärkste Titel des Albums ist jedoch wohl „2000 Light Years from Home“. Mit seinen giftigen Klavierakkorden am Anfang, dem prägnanten Gitarrenriff von Keith Richards, den wabernden Melotronklängen von Brian Jones und Mick Jaggers wehmütigen Gesang, der wie aus weiter eisiger Ferne herüberweht, baut der Song eine dichte, düstere und beklemmende Atmosphäre auf. Ein wenig schade ist, dass das großartige „We Love You“ nicht Eingang ins Album gefunden hat, ein ironisches musikalisches Apercu zu den Drogenprozessen, die immer wieder die ohnehin unter schwierigen Umständen verlaufenden Aufnahmesessions des Albums unterbrachen.

SATANIC MAJESTIES ist im Rückblick nicht nur hörenswert, das Album spielte auch eine wichtige Rolle beim Übergang der Stones von einer ursprünglich im klassischen R&B verwurzelten Band zu einer solchen, die schon bald so unterschiedliche Songs wie „Moonlight“, „Miss You“ und „Wild Horses“ abliefern sollte.

Die Jubiläumsausgabe von SATANIC MAJESTIES besteht aus zwei 180-g-LPs und zwei Hybrid-Super-Audio-CDs, die jeweils die Mono- und Stereofassung des Albums enthalten. Alle Songs wurden von Bob Ludwig sorgfältig neu abgemischt, in dessen bewährte Hände die Stones das Remastering ihres kompletten Katalogs gelegt haben. Zum Paket gehört auch ein informatives 20-seitiges Booklet mit einem Essay und Fotos der Originalfotosession. Zudem wartet die Jubiläumsausgabe mit einer Reproduktion des originalen Lentikular-Covers auf.

The Rolling Stones
Special Ed.: Their Satanic Majesties Request

VÖ: 22.09.2017
Label: Universal Music

Foto: Universal

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