The Circle – Filmtipp

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Die 24-jährige Mae Holland hat es geschafft und in einer der hippsten Firma der Welt, beim Circle, einen Job bekommen. Dort erwartet sie ein Campus, der in originell bezeichnete Bereiche gegliedert ist, eine gläserne Architektur und lichtdurchflutete Büros hat – alles steht im optischen Gleichklang mit der Botschaft Transparenz.

Transparenz zeigt sich bei Circle nicht nur im architektonischen Bereich. Fotos: Universum Filmverleih

Und dies ist wortwörtlich gemeint, da das Unternehmen Circle Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt und alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausgestattet hat – absolute Transparenz anstelle unsozialer Anonymität im Netz. Die Gründer und Leiter des Unternehmens glauben, der Gesellschaft damit zu mehr Menschenrechten, weniger Kriminalität und besserer sozialer Kommunikation zu verhelfen. Jeder kann alles mit allen Circle-Mitgliedern teilen.

Mae, die als Neuling im Customer-Bereich arbeitet und schon nach kürzester Zeit ihre Arbeitsleistung optimal gesteigert hat, ahnt noch nicht, was wirklich damit gemeint ist. Ihre gelegentlichen Kajakfahrten etwa, die sie immer alleine macht und mit niemandem über Zing teilt, kommen schon einem kleinen Verbrechen gleich. Als ihr das bewusst gemacht wird, ist Mae auch sogleich bereit, ihre Transparenz noch weiter zu treiben. Die neuste Errungenschaft von Circle ist eine daumengroße Kamera, die von nun an Mae bei all ihren Aktivitäten begleitet, so dass ihre Viewer alles in Echtzeit miterleben können. Ihre Bekanntheit steigt rapide und macht sie zu einer der beliebtesten Circlerinnen.

Anonymität gibt es nicht mehr – und niemand ist mehr alleine

Als das Haus ihrer Eltern ebenso mit Kameras ausgestattet wird, um die Behandlung ihres MS-kranken Vaters zu überwachen und digital aufzuzeichnen, kommt es zu peinlichen Situationen. Doch keine Aufzeichnung darf gelöscht werden, sie landen alle in der Cloud – denn teilen ist heilen.

Maes Eltern, der Vater leidet an MS. Die Behandlung wird nun von Circle übernommen.

Maes Freundin Annie hat auch damit zu kämpfen, dass komplette Transparenz nicht glücklich macht. Nur Mae scheint keine Berührungsängste mehr zu haben. Ist es wirklich wünschenswert, alles und jeden zu vernetzen, jedes erdenkliche Wissen zugänglich zu machen und zu speichern? Die Diktatur ist perfekt!

Erst als Mae Ty (John Boyega) kennenlernt, der zu den Gründern von Circle gehört, sich aber inzwischen distanziert hat, scheint sie zu begreifen. Ihr Jugendfreund Mercer, der nichts von der totalen Transparenz hält und sich in die Wälder zurückzieht, wird unter der Regie von Mae in Echtzeit dort aufgespürt. Es kommt zu einer Tragödie…

Emma Watson spielt die Rolle der Mae perfekt, denn die wird klugerweise als strebsame junge, naive Frau inszeniert. Was, wenn sie den vollkommenen Durchblick von Beginn an gehabt hätte? Sie wäre vielleicht schreiend davon gelaufen. So aber machen wir mit der Akteurin einen Bewusstseinsprozess durch, den viele im wirklichen Leben vermissen lassen. Denn selbst wenn wir noch in der Mitte einer solchen Entwicklung stehen, sind viele von uns schon transparenter als es wünschenswert wäre.

Ein kluger und brisamter Film, den man nicht verpassen sollte, der zudem das Buch sehr gut umgesetzt hat.

The Circle – ab 7.9.2017 in den Kinos

Fotos: Universum Filmverleih

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