Tall Heights – NEPTUNE

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2005 veröffentlichte Phil Lesh, Bassist und Gründungsmitglied der legendären Grateful Dead, seine Erinnerungen „Searching for the Sound“. Ein schöner Buchtitel für die Reflexionen eines Musikers und obendrein eine treffende Beschreibung der Suche, auf die sich alle echten Musiktalente begeben, vor allem jene, deren Stern am Himmel aufgeht. Der „Sound“ – das ist eine Art Heiliger Gral für alle, die gut und mutig genug sind, sich auf den wahren und nicht selten ungewissen musikalischen Weg machen.

Die beiden einstigen Bostoner Straßenmusiker Tim Harrington und Paul Wright, besser bekannt als „Tall Heights“, haben offensichtlich sowohl das Talent als auch den Mut, „ihren Sound“ zu suchen. Auf ihrem heute erschienenen Album NEPTUNE, ihrem Debüt bei einem großen Label, haben sie ihn gefunden.  Ausdrucksstarke lyrische Tenor- und Falsettstimmen, die über feinen, dezenten Elektro-Beats, elektrischen und akustischen Gitarren und Cello schweben, zeichnen die Songs aus, die zeitlos schön wie die Musik von Simon&Garfunkel oder den Fleet Foxes ist.

Es ist schwer, sich auf Anhieb für einen Lieblingssong zu entscheiden.  Schon die ersten beiden Titel – „Iron in the Fire“ und „Spirit Cold“ – sind feinster ProgFolk und sprechen mit schönem Gitarrenspiel, überirdischem Gesang und poetischen Texten für sich.  Der Song „Horse to Water“ verbindet eine sensibel-gezupfte melodiöse Akustikgitarre mit ausgereiften Harmonien und einem melancholischen Cello, das ihm eine depressive Stimmung verleiht. Songs wie „Infrared“, der einen Hauch elektronisches R&B Feeling versprüht, und „Backwards and Forwards“ legen schneidende Gitarrenläufe und weiträumige Synthie-Flächen übereinander. Wright und Harrington sind niemals langweilig. Die hier dezent beigemischten Ambient-Effekte klingen wie tropfende Wasserhähne. Die sanften, berührenden Songs „Two Blue Eyes“ und „Cross my Mind“ sind wunderschöne Lieder fürs Träumen und gehören eigentlich auf jede Einschlaf-Playliste.

Der einzige Wermutstropfen des Albums ist der Song „Wayfarers“, der schon wegen seiner Kürze unfertig wirkt und an das hohe Niveau der übrigen elf Titel nicht heranreicht.  Dieser kleine Ausrutscher ist jedoch kein Grund, dem großartigen Album NEPTUNE die positive Bewertung zu verweigern, die es völlig zu Recht verdient.

Tall Heights „Neptune“

Label: Sony Music

 

Tall Heights: Festival-Tour 2017
17.06.17, Maifeld Derby Festival (Mannheim)
23.06.17, Southside Festival (Neuhausen)
24.06.17, Hurricane Festival (Scheeßel)

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