SURVIVORS – Faces of Life after the Holocaust – Ausstellung im Zollverein

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Manche Erinnerungen dürfen nicht verblassen. Dokumentationen, Mahnmale und Gedenkstätten sollen sie wach halten. Doch nach einer geraumen Zeit nehmen wir sie gar nicht mehr wahr, lesen oder besuchen sie nicht. Sie gehören zum routinierten Alltag oder werden verdrängt. Nur manchmal geraten sie deutlich ins Gedächtnis zurück. Das geschieht besonders eindrucksvoll durch die gerade eröffnete Ausstellung „SURVIVORS – Faces of Life after the Holocaust“.

Zu sehen sind sie auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Anlass ist der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.

Und wer diese Porträts betrachtet, kann den Überlebenden direkt auf Augenhöhe begegnen. Sieht in Gesichter, die unglaubliche Schrecken, Grausamkeiten und Todesängste erlebt haben. Es sind 75 eindringliche Porträts von Überlebenden des Holocaust, fotografiert von Martin Schoeller.

Survivors
MARTIN SCHOELLER Moshe Ha-Elion 2019 © Martin Schoeller

Der international renommierte Fotograf hat sich für dieses Erinnerungs-Projekt mit der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und dessen deutschem Freundeskreis sowie der Stiftung für Kunst und Kultur Bonn zusammengeschlossen. Die Portraits sind weltweit erstmalig ab dem 22. Januar 2020 auf Zollverein zu sehen. Weitere Stationen sind geplant.

MARTIN SCHOELLER Marta Wise
2019
© Martin Schoeller

Menschlichkeit und Würde bewahren unter unmenschlichen Bedingungen: Diese Erfahrung steht hinter den überlebensgroßen Nahaufnahmen der 75 Überlebenden. Entstanden sind die Bilder in Jerusalem, in Yad Vashem, wo Schoeller die Portraitierten besucht und sich für die Aufnahmen sehr viel Zeit genommen hat. “Ich bin in Deutschland aufgewachsen”, so Martin Schoeller, der seit langem in New York lebt.

SURVIVORS – Portraitierte gehören zu den letzten noch lebenden Augenzeugen

„In der Schule haben wir ständig über den Holocaust gesprochen. Ich bin mit dem Gefühl groß geworden, dass eine unglaubliche Schuld auf uns liegt, das hat mich die eigene Identität immer wieder hinterfragen lassen. Wie konnten Menschen aus meinem eigenen Land solche unfassbaren Verbrechen begehen? Es ist erschreckend zu sehen, wie sich der Antisemitismus momentan in Europa und anderswo erneut Bahn bricht.
Mehr denn je verspüre ich daher eine große Verantwortung, gegen Antisemitismus anzugehen, wo immer ich ihn erlebe, und dazu beizutragen, dass es nie wieder so etwas wie den Holocaust geben wird. Wir sind verantwortlich für unsere Geschichte. Und ich glaube, dass wir nur dann als Menschen vorankommen können, wenn wir bereit sind, aus der Geschichte zu lernen.“

Der Blick in diese vom Leben gezeichneten Gesichter ist heute und für künftige Generationen von besonderer Bedeutung: Die Portraitierten gehören zu den letzten noch lebenden Augenzeugen. Schoellers unverstellte Fotografien sind bleibende Zeugnisse persönlicher und kollektiver Geschichte und vermitteln das Grauen des Holocaust jenseits von Worten.

“Es ist so wichtig, Erinnerungsprojekte wie dieses zu unternehmen. Wer noch in der Lage ist, seine Geschichte zu erzählen, sollte das auch weiterhin tun. Es ist unsere Pflicht, im Namen der Männer, Frauen und Kinder, die ermordet wurden, unsere Geschichten immer wieder zu erzählen.“ Naftali Fürst, Überlebender

Kuratorinnen sind Anke Degenhard und Vivian Uria.

Zur Ausstellung erscheint ein Fotobuch im Steidl Verlag mit den 75 Portraits und zugehörigen Biografien sowie einem Vorwort von Bundespräsident a.D. Joachim Gauck.

Zu sehen vom 22. Januar bis 26. April 2020 | UNESCO-Welterbe Zollverein

Täglich geöffnet 11.00-17.00 Uhr
UNESCO-Welterbe Zollverein
Areal C (Kokerei), Mischanlage
Arendahls Wiese
45309 Essen
Eintritt: Nach eigenem Ermessen

Über Martin Schoeller

Martin Schoeller, geboren 1968 in München, ist einer der international prominentesten Portraitfotografen und bekannt für seine eindringlichen, hyperrealistischen Close-Ups. Bei seinen Portraits – von Personen des öffentlichen Lebens ebenso wie von anonymen Einzelpersonen – arbeitet er seriell, setzt eine spezielle Beleuchtung ein und sucht die extreme Frontalansicht. Nach dem Fotografie-Studium am Lette-Verein in Berlin und Hamburg, arbeitete Martin Schoeller von 1993 bis 1996 als Assistent von Annie Leibovitz. Schoeller kooperiert häufig mit renommierten Magazinen, wie z.B. Rolling Stone, National Geographic, Time, GQ, Esquire, Entertainment Weekly oder dem New York Times Magazine. Seine Arbeiten sind weltweit zu sehen und in wichtigen Sammlungen vertreten.

Titelbild, im Auftrag der Stiftung Zollverein, Jochen Tack

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