Sigrid Ødegårds Reise nach Amerika – Derek B. Miller

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Sigrid möchte den Bericht in der vor ihr liegenden blauen Mappe am liebsten niemals lesen. Obwohl sie fast sicher ist, dass sie von jeglichem Fehlverhalten freigesprochen wurde. Die Chefinspektorin hatte im Dienst aus Notwehr einen Mann erschossen. Sie ist rehabilitiert und doch kreisen ihre Gedanken immer wieder um dieses Ereignis. In Norwegen schießt die Polizei nicht grundlos Leute tot. Eine korrekte Statistik gibt Aufschluss darüber. Anders in Amerika, dort werden viele Menschen von der Polizei getötet. Ob das wirklich so stimmt, kann Sigrid, schneller als ihr lieb ist, vor Ort überprüfen. Ihr Vater hat ihr, ohne zu fragen, einen Flug gebucht, der sie zu ihrem Bruder bringen soll.

Der lebt schon lange in den USA im Bundesstaat New York. Seit geraumer Zeit hat Marcus sich nicht mehr bei seinem Vater gemeldet. Sein letzter Brief hat sehr merkwürdig geklungen. Das macht dem Vater Sorgen. Zudem ist die Reise ein Anlass, dass die Geschwister sich endlich wiedersehen. Wenn Sigrid ihn findet. Als sie dort ankommt, den Jetlag noch im Körper und vor dem Haus ihres Bruders steht, findet sie dieses leer vor. Sie stellt den schweren Koffer vor der Haustür ab, um von hinten in das Haus zu kommen. Unmöglich! Als sie zu Vordertür geht, ist ihr Koffer weg. Stattdessen trifft Sigrid auf eine Frau, die angibt, das Haus von Marcus bewohnen zu dürfen, solange er fort ist. Wo er sich aufhält, weiß sie nicht. Bei der Polizei will Sigrid Marcus als vermisst melden.

Wenn ein amerikanischer Sheriff auf eine norwegische Polizistin trifft

Sigrid weiß ja, dass Polizisten in den USA anders aussehen als in Norwegen. Doch Sheriffs in Cowboyhut und Stiefel? Doch genau so tritt ihr Sheriff Irv Wylie entgegen. Er ist der Mann, der Marcus auf den Fersen ist. Sigrids Bruder soll seine Freundin, eine schwarze Professorin, getötet haben und ist seither verschwunden. Irv und Sigrid beschnuppern sich und nach ersten Anlauf- und Kommunikationsschwierigkeiten sieht es so aus, als ob sie beide bei der Suche nach Marcus zusammenarbeiten könnten. Doch dann macht sich die Inspektorin aus Oslo explosionsartig den Weg frei, um ihren Bruder zu finden. Denn die US-amerikanische Polizei schießt ihr eindeutig zu schnell …

Der Autor Derek B. Miller verfügt über die Gabe, heutzutage wichtige Themen wie kulturelle Unterschiede, Rassismus, Medienschelte und Individualismus in einem spannenden und auch humorvollen Roman unterzubringen und den Leser/Leserin damit hervorragend zu unterhalten.

Sigrid Ødegårds Reise nach Amerika
Derek B. Miller

416 Seiten
ISBN: 978-3-499-27428-2
übersetzt von: Jan Schönherr
Verlag: rororo

Derek B. Miller, geboren in Boston und nach Stationen in Israel, England, Ungarn und der Schweiz seit längerem in Norwegen lebend, hat nach einer Promotion an der Universität Genf eine beeindruckende Karriere als Spezialist für Sicherheitspolitik absolviert. Er arbeitet für zahlreiche Gremien der UNO und Universitäten weltweit und ist Direktor eines Forschungsinstituts. «Ein seltsamer Ort zum Sterben» ist sein erster Roman, der zunächst auf Norwegisch veröffentlicht und seitdem in zahlreiche Länder (u.a. USA, Großbritannien, Australien, Frankreich, Israel, Niederlande, Spanien) verkauft wurde.