Sigmund Freud ist heute 80 Jahre tot

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Erkenntnisse verbessern die Welt. Nach Immanuel Kant hat dies auch Sigmund Freud gedacht. Am heutigen Montag jährt sich der Todestag von Sigmund Freud zum 80. Mal. 35 Mundhöhlenoperationen hatten den Begründer der Psychoanalyse zuvor über die Grenze des Erträglichen getrieben, bevor ihm sein Hausarzt Max Schur auf den ausdrücklichen Wunsch des Patienten und im Beisein seiner Tochter Anna eine Überdosis Morphium verabreichte.   

Ob die von ihm begründete Psychoanalyse, die zu einem völlig neuen Ansatz zum Verständnis der menschlichen Persönlichkeit führte, auch zu den Erkenntnissen gehört, um die Welt zu verbessern, ist nicht überprüfbar.

Auf jeden Fall hat seine Theorie den Menschen neu gesehen. Sie hat einen Paradigmenwechsel erzeugt. Mit seiner Methode der freien Assoziation machte er den Weg für eine Therapie von psychischen Erkrankungen frei, die ohne Hypnose oder Elektroschocks auskam.

Der Großteil seiner „Fälle“ waren Frauen, die aus der bürgerlichen Schicht kamen. Wenn Freud auch die weibliche Sexualität nicht gänzlich verstand, so hat seine Behandlung der Hysterie wahrscheinlich den Ausgangspunkt zur Befreiung der weiblichen Sexualität gesetzt.

Im Zentrum der Freud‘schen Psychoanalyse steht die Dreiteilung der Psyche in das ES, das ICH und das ÜBER-ICH. Dabei muss sich das „Ich“ ständig vor der Vorherrschaft der sexuellen und aggressiven Impulse schützen. Es ist, wie Freud sagte, nicht einmal Herr im eigenen Haus, sondern bleibt auf die Informationen von dem angewiesen, was in unserem Seelenleben vor sich geht.

Seine bahnbrechende Leistung bestand also in der Erkenntnis, dass wir durch ein ständiges Wechselspiel zwischen Bewusstsein und Unbewusstem geprägt werden und darin, die Idee des Unbewussten, die sich schon in den philosophischen Lehren Nietzsches und Schopenhauers findet, auf die Medizin anzuwenden.

  • Unstrittig sind bis heute folgende Aussagen: Der größte Teil unseres Seelenlebens bleibt immer unbewusst. Freud hat sich auch deshalb einer Selbstanalyse unterzogen, indem er seine Träume aufschrieb und analysierte. Die Selbstanalyse ist bei der Ausbildung zum Psychoanalytiker Pflicht.
  • Zwischen psychischem Normalzustand und Krankheit liegt ein Kontinuum. Psychische Störungen sind demnach als ausgeprägte Formen psychischer Normalität zu verstehen. Auch ohne Symptome haben sich viele Menschen analysieren lassen, um Zugang zu ihrem Unbewussten zu erhalten.
  • Der Sexual- und Aggressionstrieb ist grundlegend für den Menschen und das bereits in frühen Kindesjahren.

Was der Psychoanalyse heute möglicherweise fehlt, ist ein erneuter Bezug zur Neurologie. Wenn Freud jetzt leben würde, hätte er Zugang zu höchst sensiblen Messinstrumenten, die ihm einen Echtzeitblick ins Gehirn lieferten.

Freud schrieb zu seinen Lebzeiten eine Reihe von Büchern. Die bekanntesten von diesen sind „Die Traumdeutung“, wo er Träume in Form unbewusster Wünsche und Erfahrungen betrachtete – und „Das Ich und das Über-Ich“.

Er wurde in eine jüdische Familie hineingeboren, praktizierte diesen Glauben jedoch nicht, sondern war deklarierter Atheist. 1933 verbrannten die Nazis seine Bücher. Einige Jahre später floh er aus Wien nach London, wo er an Krebs erkrankte und am 23. September 1939 im Alter von 83 Jahren verstarb. 

Zitate und Aphorismen von Sigmund Freud:

Menschen sind doch das Wichtigste, was man gewinnen kann.“

Sigmund Freud; C.G.Jung: Briefwechsel, hrsg. Von Wililliam McGuire und Wolfgang Sauerländer. Frankfurt/Main 1984, S. 154

„An Lob verträgt man bekanntlich ungemessene Mengen.“

Ernst und Lucie Freud (Hrsg.): Sigmund Freud: Briefe 1873-1939. Frankfurt/Main 1968, S. 446

„Die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft hat.“

Die Zukunft einer Illusion, Leipzig IPV 1927, S. 87

„Eines Tages, zurückblickend auf die Jahre, wo du gekämpft hast, werden sie dir wie die schönsten vorkommen.“

Wird Freud zugeschrieben, nicht belegt.

„Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.“

Warum Krieg. In: Gesammelte Werke. Frankfurt/Main 1999. Bd. IX, S. 286

„Die meisten Menschen wollen nicht wirklich Freiheit, denn zur Freiheit gehört auch Verantwortung – und davor fürchten sich die meisten Menschen.“

Wird Freud zugeschrieben, nicht belegt.

„Ich ziehe die Gesellschaft der Tiere der menschlichen Gesellschaft bei weitem vor. Gewiss, ein wildes Tier ist grausam. Aber die Gemeinheit ist das Vorrecht des zivilisierten Menschen.“

Georg Silvester Viereck: Professor Freud über den Wert des Lebens. Ein Gespräch mit dem großen Gelehrten.Neue Freie Presse, 28. August 1927, S. 4

„Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Menschen gemeinhin mit falschen Maßstäben messen, Macht, Erfolg und Reichtum für sich anstreben und bei anderen bewundern, die wahren Werte des Lebens aber unterschätzen.“

Das Unbehagen in der Kultur (1930), Frankfurt 2009, S. 97

Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben, niemals hilfloser unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben.“

Das Unbehagen in der Kultur (1930), Frankfurt/Main 2009, S. 49

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