10 Serienkiller Filme

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Wie ticken Serienkiller?

The Milwaukee Monster

Serienmörder Jeffrey Dahmer

Neurowissenschaftler gucken Psychopathen mit Hilfe der Kernspintomografie ins Gehirn und vergleichen die Scans mit denen gesunder Probanden. Zum Beispiel bei Massenmördern wie Jeffrey Dahmer. Seinen ersten Mord beging der Sohn eines US-Chemikers mit 18 Jahren. Das Opfer, ein Tramper, hatte seinen Weg zufällig gekreuzt. Die Leiche zerstückelte Dahmer vollständig, löste Haut und Knochen sorgfältig mit Säure auf und ließ die Überreste dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden – Auftakt zu einer grauenvollen Mordserie, die die USA jahrelang in Atem hielt und erst endete, als einem Opfer die Flucht gelang und Dahmer aufflog.

Was veranlasst Serienkiller, die schrecklichen Dinge zu tun?

Psychopathen: Bestimmte Hirnregionen nur eingeschränkt aktiv

Was veranlasst Serienkiller, die schrecklichen Dinge zu tun, die sie tun?

Morden Sie aus Lust? Aus Rache? Aus Gier? Weil sie Stimmen hören, die ihnen ihre abscheulichen Taten befehlen? Der Vergleich der Hirnscans mit denen gesunder Probanden zeigt, dass der Verstand und das rationale Denkvermögen bei Psychopathen in Ordnung sind. Viele sind intelligent, können Recht und Unrecht durchaus unterscheiden. Allerdings sind bestimmte Hirnregionen eingeschränkt oder gar nicht aktiv. Vor allem aber haben sie keine Empathie. Weil sie selbst Gefühle wie Liebe oder Angst nicht kennen, sind sie unfähig, Mitgefühl, Schuld oder Reue zu empfinden und das, was sie anderen antun, zu verstehen. Instinktiv erfassen sie die Schwächen anderer und nutzen diese ohne Skrupel aus.

Serienmörder stehen seit Jahrzehnten im Fokus von Hollywood.

Serienkiller Filme sind vielfältiger, als es zunächst auf den ersten Blick scheint. Eine häufige Variante ist der Buddy-Cop-Thriller, bei dem ein Team aus in der Regel gegensätzlichen Charakteren versucht, den Täter zur Strecke zu bringen. In manchen Filmen wird die Identität des Serienmörders nicht aufgedeckt. Manchmal wird das Element des Thrillers mit dem Stilmittel der Persiflage kombiniert. Andere zeichnen intensive Psychogramme oder werfen moralische Fragen auf.

DER KULTUR BLOG präsentiert im Folgenden zehn ausgewählte Spielfilme, die in gewisser Weise für das gesamte Spektrum der dramaturgischen und stilistischen Mittel der Serienkiller Filme stehen. Bei der Auswahl haben wir uns dabei von einigen Kriterien leiten lassen wie z. B., dass die Motive des Serienkillers jenseits von Habsucht und materieller Gier liegen, dass er kein außerirdisches Wesen ist oder über keine paranormale Kräfte verfügt.

 

1. „Der Knochenjäger“

Storyline: Ex-Detective Lincoln Rhyme ist seit seinem letzten beruflichen Einsatz querschnittsgelähmt und zieht sich immer stärker in sein Privatleben zurück, bis ein brutaler Serienkiller die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Rhyme wird gebeten, den Fall zu übernehmen, weil sein Ruf in Ermittlerkreisen nach wie vor legendär ist. Rhyme lehnt jedoch zunächst ab, da für ihn die Sache ein klarer Fall ist. Dann sieht er jedoch die Fotos, die die junge unkonventionelle Streifenpolizistin Amelia Donaghy am Tatort gemacht hat, und ist überzeugt, dass der Täter bewusst Spuren auf seinen nächsten Mord gelegt hat und seine Taten mit einer bizarren Botschaft verbindet. Amelia wird zunächst eher unwillig Rhymes Assistentin und muss ihm in der Außenwelt Augen, Ohren und Beine ersetzen. Weitere grausame Morde geschehen, die deutlich machen, dass der psychopathische Serienkiller mit seinen abscheulichen Taten offenbar legendären kriminalhistorischen Vorbildern huldigt. In einem dramatischen Wettlauf mit der Zeit muss das Team sich in die Vorstellungswelt des diabolischen Killers hineinfinden, der es offenbar letztlich auf Rhyme abgesehen hat und sein Ziel zu erreichen droht.

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  • Erscheinungsdatum:
    02. November 1999
  • Regie: Phillip Noyce
  • IMDB Rating: 6,6/10
Denzel Washington und Angelina Jolie

Denzel Washingtons schauspielerische Leistung kompensiert Schwächen des Plots

Kommentar: Gewiss, Philipp Noyces düstere Regiearbeit aus dem Jahre 1999 kann seine Nähe zu großen Vorbildern nicht leugnen. Als spannendes Suspense-Kino kombiniert der Thriller geschickt Motive aus Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ und Finchers „Sieben“. Geläufig mag auch die personelle Konstellation des Ermittlerduos – altgedienter Cop versus Polizei-Neuling – sein, das den Killer jagt. Zudem nimmt der Killer eine alte Erzählung zum Drehbuch seiner Morde. Auch dies ist nicht orginell. Trotz dieser Zitate schafft es „Der Knochenjäger“ jedoch mühelos, der Hollwood-Standardmixtur eine eigene Note zu verleihen: der erfahrene Forensiker Rhyme (Denzel Washington) ist querschnittsgelähmt und kann bedingt durch die physischen Beschränkungen, die ihm seine Behinderung auferlegen, seine Novize Amelia Donaghy (Angelina Jolie) nur von seinem Bett aus und mit Hilfe eines Computers anleiten und ihre Schritte als Ermittlerin steuern. Dabei ist es vor allem die emotional intensive schauspielerische Leistung Denzel Washington, die den „Knochenjäger“ weit über jedes Mittelmaß vergleichbarer Serienkiller Filme hinaushebt. Zwar droht die angedeutete Love Story zwischen Washington und Jolie gelegentlich in Rührseligkeiten abzugleiten, aber glücklicherweise verpasst Philip Noyce der Geschichte von Zeit zu Zeit immer wieder einen Schuss Comic Relief, was die Dinge wieder ins rechte Lot rückt. Klar, „Der Knochenjäger“ mag formelhaft sein; aber viele gute Rezepte sind das auch.

2. „In meinem Himmel“

Storyline: Die 14jährige Susie Salmon erlebt ihren ersten Liebeskummer, als sie von ihrem Nachbarn Mr. Harvey ermordet wird, einem brutalen Serienkiller in der Maske eines Biedermanns. Während ihre Familie unter dem Trauma des Verlusts auseinanderzubrechen droht, versucht Susie, sich in einer Zwischenwelt einzurichten, von der aus sie ihre Familie beobachten kann. Hier erfährt sie auch, dass Mr. Harvey schon viele Mädchen ermordet hat. Auf Erden macht sich derweil Mr. Harvey daran, sein nächstes Opfer auszuspähen: Susies jüngere Schwester Lindsey, die freilich zunehmend den Verdacht bekommt, dass der Biedermann von gegenüber alles andere als harmlos ist.

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  • Erscheinungsdatum:
    24. November 2009
  • Regie: Peter Jackson
  • IMDB Rating: 6,7/10
In meinem Himmel : Bild Peter Jackson, Rose McIver

Peter Jackson, Rose McIver © Paramount Pictures France

Kommentar: Der neuseeländische Regisseur Peter Jackson hat, bevor er seine Meriten mit der Verfilmung der Trilogie „Der Herr der Ringe“ verdiente, Horrorfilme wie „Bad Taste“ und „Braindead“ gedreht. In seiner Regiearbeit „In meinem Himmel“ geht es vor allem um Liebe, Verlust und Trauerarbeit, die eine Familie bewältigen muss, deren Kind einem brutalen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Und dennoch ist das Thema Serienkiller präsent. Stanley Tucci glänzt in der Rolle des eiskalten Mr. Harvey, der sein grausames Werk leise und mit stiller Heimtücke und Bosheit verrichtet. Am kältesten kommt er rüber, wenn er vorgibt, völlig normal zu sein. Brillant auch die Leistung Saoirse Una Ronan als Susan Salmon.

3. „Scream- Schrei“

Storyline: In Woodsboro geht das Grauen um. Ein Serienkiller versetzt mit seinen abscheulichen Taten die beschauliche US-Kleinstadt in Angst und Schrecken. Auf einmal ist niemand mehr sicher vor dem bizarren Mörder, der seine Opfer beschleicht und ihnen belanglose Fragen stellt, bevor er sie grausam abschlachtet. Jeder könnte der Täter sein. Zum Beispiel Sidney, die stille Highschool-Schönheit mit einer häßlichen Vergangenheit. Oder Billy Loomis, ihr treuer Freund mit seinem frustrierten Sexleben. Oder vielleicht Tatum Riley, Sidneys niedliche beste Freundin, die auf alles eine Antwort weiß. Oder ist es vielleicht der tumbe Horrorfilmfan Randy, der genau weiß, was man tun muss, um einem Serienkiller nicht zum Opfer zu fallen? Selbst Gale, die übereifrige Klatschreporterin, die Recherchen auf eigener Faust anstellt, und der Hilfssherif Dewey, der mit Gale anbändelt, wirken irgendwie seltsam. Die einzige Hoffnung für die Protagonisten scheint darin zu bestehen, dem verrückten Killer einen Schritt voraus zu sein und die Hinweise, die er gibt, richtig zu deuten.

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  • Erscheinungsdatum:
    20. Dezember 1996
  • Regie: Wes Craven
  • IMDB Rating: 7,2/10
Ghostface in Scream 1

Ghostface in Scream 1

Kommentar: In Wes Cravens Film “Scream – Schrei” kennen sich alle Personen mit Horrorfilmen bestens aus, wissen, was man zu tun oder zu lassen hat, wenn ein Killer sein blutiges Handwerk verrichtet, und fallen ihm doch einer nach dem anderen zum Opfer. Dieser Widerspruch bereitet den Boden für einen Serienkiller Film, der sich nicht scheut, das Genre, dem er selbst angehört, gehörig auf die Schippe zu nehmen. Dennoch schafft es “Scream – Schrei” eine bedrohliche Spannung aufzubauen. Craven, seit seiner Regiearbeit “Nightmare on Elm Street” als Spezialist des Grauens bestens bekannt, weiß, dass Slasherfilme tot sind und die meisten Zuschauer keine Angst vor einem Mörder mit Maske haben oder etwa doch?

4. „Das Schweigen der Lämmer“

 

Storyline: Die junge FBI-Agentin Clarice Starling erhält den Auftrag, bei der Suche nach einer vermissten Frau zu helfen, die einem psychopathischen Serienmörder in die Hände gefallen ist, der seine Opfer häutet. Clarice versucht, einen Einblick in das perverse Innenleben des Killers zu bekommen, indem sie den inhaftierten Psychopathen Hannibal Lecter aufsucht, der vor Jahren ein hochangesehener Psychiater war. FBI-Agent Jack Crawford glaubt, dass Lecter, der über enorme manipulative Kräfte verfügt, die Antworten auf die Fragen des Ermittlerteams kennt und helfen kann, den Serienmörder aufzuspüren. Zunächst muss Clarice jedoch Lecters Vertrauen gewinnen, bevor der Psychopath sein Wissen preisgibt. Lecter lässt sich auf den Deal ein, freilich nur, wenn Clarice bereit ist, seine morbide Neugier mit intimen Details aus ihrem eigenen komplizierten Leben zu füttern. Die bizarre Beziehung, die sich zwischen Clarice und Lecter entwickelt, zwingt die FBI-Agentin dazu, sich mit ihren tiefsten Ängsten und Inhibitionen auseinanderzusetzen und ihrer Herr zu werden, bevor sie dem scheußlichen Serienkiller in einem dramatischen Showdown gegenübersteht.

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  • Erscheinungsdatum:
    14. Februar 1991
  • Regie: Jonathan Demme
  • IMDB Rating: 8,6/10
Das Schweigen der Lämmer

Meisterwerk, das das Genre des Psychothrillers auf ein neues Niveau gehoben hat

Kommentar: Jonathan Demmes “Das Schweigen der Lämmer” ist ein Meisterwerk, das das Genre des Serienkiller Films / Psychothrillers auf ein neues Niveau gehoben hat. Zu Recht begeisterte die meisten Zuschauer die großartige schauspielerische Leistung Anthony Hopkins in der Rolle des im Hochsicherheitstrakt weggeschlossenen Kannibalen Dr.Hannibal Lecter. Lecter, ein hochgefährlicher Psychopath mit messerscharfem Verstand und stahlhartem Blick, der seine Gefängnisuniform wie einen vornehmen Anzug trägt, ist beides: blutsaugender Dracula und höflich-gebildeter Gentleman – ein Monster mit gefährlichem Charme, das seinen seltsam wieselgesichtigen, unbedeutenden Bewachern haushoch überlegen ist. Es ist unmöglich, sich dieser ambivalenten Faszination des Bösen zu entziehen, die den Zuschauer zwischen Bewunderung, Angst und Ekel hin und herschwanken lässt. Sobald Lecter aus dem Film durch einen gewagten und nicht allzu überzeugenden Ausbruch verschwindet, geht allerdings etwas Substanzielles mit ihm verloren, für das die durchweg glaubhafte Darstellung Fosters und Demmes geschickte Dramaturgie der Entdeckung des gesuchten Serienkillers kein wirklicher Ersatz sind.

5. „American Psycho“

Storyline: Der New Yorker Investmentbanker Patrick Bateman ist jung, sieht verdammt gut aus und verfügt über einen hervorragenden Abschluss von einer Eliteuniversität. Tagsüber führt Bateman ein Leben, das ganz von Äußerlichkeiten und dem Wunsch bestimmt wird, den höchsten Kreisen der Finanzwelt anzugehören. Nachts zieht er mit seinen Freunden durch die Clubs von Manhattan, getrieben von einem unstillbaren Verlangen nach Drogen, Gewalt und Blut. Batemans Lebensstil wird immer exzessiver, und er beginnt, Obdachlose und Prostituierte wahllos abzuschlachten. Wie lange kann er sein Spiel unentdeckt treiben?

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  • Erscheinungsdatum:
    14. April 2000
  • Regie: Mary Harron
  • IMDB Rating: 7,6/10
American Psycho

Auch Serienkiller hören Musik

Kommentar: Krankhaft. Komisch. Lustig. Entsetzlich. Verstörend. Charmant. Mary Harrons Film ist alles dies und noch vielmehr. Ein Film über einen Serienkiller, der den Zuschauer auf eine wahre Achterbahn der Gefühle schickt. Einer, bei dem man in einem Augenblick lacht, um im nächsten vor Schrecken zu erstarren. Ein satirisches Traktat über die kalte Gefühls-und Wertewelt der Wallstreet der 80ziger Jahre, das die Grenzen zwischen Realität und Phantasie verwischt. Christian Bale spielt den durchgeknallten Investmentbanker Patrick Bateman nicht bloß, er verschmilzt geradezu mit seiner Rolle. Macht aus ihr das Zerrbild eines intelligenten, charmanten, extrovertierten Mannes, der am Rande seiner geistigen Gesundheit entlang taumelt. Patrick und seine Broker-Kollegen geben Unsummen für teuere Anzüge, Hemden, Schuhe und Kosmetika aus und sehen trotzdem alle gleich aus. Zu den komischsten Szenen des Films gehört jene, in der die herausgeputzten Wall-Street-Gecken sich gleichen wie ein Ei dem anderen, so dass sie ihre liebe Mühe haben, sich gegenseitig zu erkennen. So groß ist der Druck des Konformismus, dass jede Individualität, sei sie auch noch so banal, zur Bedrohung wird. Zum Beispiel die Visitenkarte, die Paul Allen zeigt, gegen die Patricks eigene deutlich abfällt. Meint jedenfalls Patrick. Klar, dass er da duchdreht und seinen Kollegen mit dem Beil zerlegt, um dessen Apartment für fröhliche Triolen mit zwei Prostituierten zu nutzen, die er dann ebenfalls abschlachtet. „Mir gefällt es, Mädchen zu sezieren“, erzählt Patrick beiläufig seinen Kollegen bei einem Drink. Keiner hört ihm zu oder glaubt ihm, weder die Kollegen noch der Cop und schon gar nicht sein Rechtsanwalt, dem er sich offenbart, der ihm jedoch Beweise vorlegt, dass er seinen Kollegen Paul Allen gar nicht ermordet haben kann. So bleibt die Frage letztlich offen, ob es sich bei den blutigen Gewaltorgien um reale Vorgänge oder die kranken Phantasien eines psychopathischen Investmentbankers handelt.

6. „Psycho“

Storyline: Die Büroangestellte Marion Crane will sich mit ihrem kleinbürgerlichen Leben in Phoenix nicht mehr abfinden. Der triste Büroalltag ödet sie an. Ihren Liebhaber Sam kann sie nur in der kurzen Mittagspause treffen. Eine Heirat kommt für Sam nicht in Frage, da er hohe Alimente an seine geschiedene Frau zahlen muss. Da wird Marion von ihrem Boss beauftragt, 40.000 US $ zur Bank zu bringen. Marion sieht ihre Chance, ihr Leben mit einem Schlag zu verändern, nimmt das Geld an sich und verlässt die Stadt. In Kalifornien will sie ein neues Leben anfangen. Übermüdet durch die lange Fahrt und von einem Sturm überrascht, fährt Marion von der Autobahn ab und beschließt, die Nacht in „Bates Motel“ zu verbringen. Der Manager des Hotels ist ein junger schüchterner Mann namens Norman, der offenbar von seiner herrschsüchtigen Mutter dominiert wird und das Ausstopfen von Vögeln als Hobby pflegt.

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  • Erscheinungsdatum:
    16. Juni 1960
  • Regie: Alfred Hitchcock
  • IMDB Rating: 8,6/10

Kommentar: Alfred Hitchcock hat seinem Film “Psycho” ganz bewusst den Look eines billigen Exploitationfilm gegeben. Anders als sonst arbeitete er nicht mit seiner gewohnten teuren Mannschaft zusammen, mit der er soeben “Der unsichtbare Dritte” fertig gestellt hatte, sondern mit einer Crew, mit der er für seine Fernsehshow drehte. Gefilmt wurde in Schwarzweiß. Über weite Strecken enthält der Film keine Dialoge, sondern lebt von den beklemmenden Bildern. Selbst für die damaligen Verhältnisse war das Budget mit knapp $800.000 spärlich. Bates Motel und das düstere Wohnhaus dahinter wurden auf dem Studiogelände von Universal gebaut. “Psycho” hat mit Film-Noir-Quickies wie “Umleitung” (Detour) mehr gemeinsam als mit den eleganten Thrillern wie “Das Fenster zum Hof” oder “Vertigo”. Trotzdem hat kein anderer Hitchcock-Film eine so große Wirkung gehabt wie “Psycho”, der auch heute noch zu Recht als Mutter des modernen psychologischen Horrorfilms gilt. Brillant wie Hitchcock den Zuschauer manipuliert und ihn dazu bringt, sich mit den beiden Hauptcharakteren, dem glücklosen Mordopfer Marion und dann mit dem Mörder zu identifizieren, verrückten und ängstlichen Tierpräparator Norman Bates, der exzellent von Anthony Perkins gespielt wird.

7. „Die Wendeltreppe“

Storyline: In einem kleinen Ort in Neuengland treibt ein brutaler Serienmörder sein Unwesen, dessen Opfer stets junge behinderte Frauen sind. Helen, ein hübsches junges Mädchen, das seit einem Kindheitstrauma stumm ist, arbeitet als Hausangestellte für die alte begüterte Mrs. Warren. Im Haus der ans Bett gefesselten Dame leben auch deren zwei Söhne, der angesehene Prof. Albert Warren und dessen jüngerer Bruder, der leichtlebige, unbeschwerte Filou Steven. Als es in der Kleinstadt zu weiteren Morden an jungen behinderten Frauen kommt, fürchtet Mrs. Warren um die Sicherheit Helens und bittet den Hausarzt Dr. Parry die stumme Hausangestellte mitzunehmen. Da geschieht ein Mord im Haus der Warrens und es wird offensichtlich, dass Helen sich in großer Gefahr befindet. Die junge behinderte Frau scheint ihrem Mörder hilflos ausgeliefert zu sein.

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  • Erscheinungsdatum:
    6. Februar 1946
  • Regie: Robert Siodmak
  • IMDB Rating: 7,6/10

Kommentar: Klar, „Die Wendeltreppe“ ist in die Jahre gekommen und lässt zudem keines der gängigen im klassischen Horrorfilm verwurzelten Klischees aus: mächtige Gewitterstürme, knarrende Türen, flackernde Kerzen, Rote Heringe und dümmliche Polizisten. Zudem gibt es einige Ungereimtheiten im Plot. Dennoch gelang Robert Siodmak hier eine wunderbare, schöne und in sich stimmige Regiearbeit im Stile Alfred Hitchcocks, auf die der Altmeister stolz gewesen wäre. Der Film besticht auch durch die überragende Lichttechnik, mit der Musuraca bedrohliche Schatten an die Wände malt und die zusammen mit der meisterhaft geführten Kamera Siodmaks die beklemmende Atmosphäre des Films erzeugen. „Die Wendeltreppe“ ist einfach gut gemacht und überzeugend gespielt. Selbst die Nebenrollen, wie Elsa Lanchester in der Rolle der versoffenen Haushälterin Mrs. Coates, sind hervorragend besetzt. Vor allem aber brilliert Dorothy Mc Guire in der Rolle der stummen Helen, der es mit einer ausdrucksstarken Mimik gelingt, ihre Gedanken und Gefühle mitzuteilen, ohne sich des Mediums der Sprache zu bedienen.

8. „Sieben“

Storyline: William Sommerset, ein erfahrener Detective Lt. steht nach einem Berufsleben, das seine Spuren hinterlassen hat, kurz vor seiner Pensionierung. Da wird ihm ein letzter Fall übertragen wird, den er gemeinsam mit seinem Nachfolger David Mills, einem jungen arroganten, draufgängerischen Berufsanfänger lösen soll. Ein diabolischer Serienkiller inszeniert abscheuliche Morde, wobei er seine Opfer so auswählt und abschlachtet, dass sie jeweils eine der sieben Todsünden repräsentieren: Völlerei, Habsucht, Wollust, Faulheit, Stolz, Zorn und Neid. Somerset will den Fall zunächst nicht übernehmen, zumal die Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger schwierig zu werden scheint. Doch etwas in dem pflichtbewussten Kriminalisten sträubt sich dagegen, dem Mörder das Feld zu überlassen. So macht er sich gemeinsam mit seinem Kollegen daran, den Fall bis zu seinem überraschenden und entsetzlichen Ende zu verfolgen….

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  • Erscheinungsdatum:
    22. September 1995
  • Regie: David Fincher
  • IMDB Rating: 8,7/10

Kommentar: Drehbuchautor Kevin Walker war bei der Arbeit am Drehbuch für den Film “Sieben” mit der Lektüre von Dantes “Die Göttliche Komödie” offenbar ebenso gut vertraut wie Regisseur David Fincher mit der düsteren, verstörenden Symbolik der Gemälde von Hieronymus Bosch. So gelang beiden in fruchtbarer Zusammenarbeit mit diesem Thriller eine beklemmende soziale Allegorie der Verderbtheit der Moderne, die wie ein mittelalterliches Gemälde anmutet. Die Geschichte von Dantes Aufenthalt in der Hölle wird hier gleichsam im modernen Gewand eines bluttriefenden, mit literarischen Verweisen gespickten Serienkiller Films neu erzählt, der die Konventionen des Genre auf den Kopf stellt und die Nackenhaare des Zuschauers sträuben lässt. Detective Lt. Sommerset, brillant gespielt von Morgan Freeman, führt seinen Nachfolger Mills über die blutigen Schauplätze von sieben bizarren Morden wie Virgil den italienischen Dichter Dante durch die Kreise der Hölle.

9. Blutgericht in Texas

Storyline: Sally Hardesty erfährt, dass der Friedhof in Texas, auf dem ihr Großvater begraben ist, von Hooligans verwüstet wurde. Sie beschließt, gemeinsam mit ihrem im Rollstuhl sitzenden Bruder und einigen Freunden an Ort und Stelle herauszufinden, ob das Grab des Großvaters geschändet wurde. Außerdem wollen die jungen Leute das alte Haus der Großeltern besuchen. Dabei geraten sie in die Fänge einer Kannibalenfamilie, die sich auf dem benachbarten Anwesen niedergelassen hat. Der abscheulichste unter den neuen Nachbarn ist ein kettensägeschwingendes Monster, das sein Gesicht unter einer Maske aus Menschenhaut verbirgt („Leatherface“). Nachdem Sallys Freunde einer nach dem anderen den Killern zum Opfer fallen, muss sie nun Kampf gegen Leatherface und seine degenerierte Brut aufnehmen.

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  • Erscheinungsdatum:
    1. Oktober 1974
  • Regie: Tobe Hooper
  • IMDB Rating: 7,5/10
Blutgericht in Texas

Auf Zelluloid gebannter Albtraum

Kommentar: “Blutgericht in Texas” ist ein einziger auf Zelluloid gebannter Albtraum. 15 Minuten nach Beginn Premiere des Films im Herbst 1974 in einem Kino in San Francisco verließen die Zuschauer angeekelt den Saal. Manche erreichten die Toiletten noch rechtzeitig, bevor sie sich erbrachen. Andere nicht. Die Menge war aufgebracht. Der Kinobesitzer weigerte sich, den Eintrittspreis zurückzuerstatten. Fäuste flogen, ehe sich die Gemüter wieder beruhigten. Offensichtlich hatte den Zuschauern besonders eine Szene missfallen, in der eine junge Frau laut schreiend an einem Fleischerhaken aufgehängt wurde. Aber Grauen und Schock greifen hier tiefer.

Die meisten Horrorfilme arbeiten mit einer zyklischen Struktur, bei der sich Horror- und Entspannungsszenen die Waage halten. Bewußtsein und Gefühlsleben müssen den Schrecken verarbeiten können, bevor die nächste Schockwelle anläuft. “Blutgericht in Texas“ folgt diesem Muster nicht, ist ein Alptraum ohne Ende, der dem Zuschauer ebenso wenig ein Entkommen gönnt wie seinen verzweifelten Protagonisten. Selbst die kleinsten, scheinbar nebensächlichsten Szenen verstören und erzeugen Ekel wie die großen grauenhaften Horrorbilder. Alle Charaktere sind furchtbar, quälen sich und die anderen unablässig. Der Schmerz, der erlittene wie der zugefügte, scheint das einzige Mittel der Kommunikation sein. Unter diesen Umständen gerät selbst das Stilmittel des Comic Relief zum Entsetzen. Als Franklin, der querschnittsgelähmte Hippie, versucht, am Rande der Straße in eine Blechdose zu pinkeln, fegt ihn ein vorbeifahrender Sattelschlepper aus seinem Rollstuhl und wirft ihn zu Boden. Der Vorfall steht in keiner funktionellen Beziehung zur Handlung. Ein hässlicher Augenblick, einer unter vielen, der deutlich macht, dass es keine Entspannung in diesem Serienkiller Film gibt.

10. “Hannibal“

Storyline: Zehn Jahre nachdem Dr. Hannibal Lecter die Flucht aus seiner Zelle gelang, lebt und arbeitet er als Kurator in einem Museum in Florenz. FBI-Agentin Clarice Starling, der er geholfen hatte, einen gefährlichen Serienkiller zu ergreifen, wurde die Leitung einer Operation übertragen, doch als einer ihrer Leute die Sache vermasselt, wird sie ins Präsidium einbestellt, um sich zu verantworten. Paul Krendler, ein hochrangiger Polizeibeamter, hat sie auf dem Kieker und will ihr schaden. Aber Clarice bekommt eine Gnadenfrist, weil Mason Verger, ein Opfer Lecters, der auf Rache an seinem ehemaligen Peiniger sinnt, Clarice als Köder benutzen möchte, um Lecter aus seinem Versteck herauszulocken. Als Lecter ihr eine Nachricht zukommen lässt, erfährt sie, dass er sich in Italien aufhält, und bittet die Polizei vor Ort, ihn im Auge zu behalten. Ein korrupter Polizist, der die von Verger ausgesetzte Belohnung bekommen möchte, verrät Verger, wo sich Lecter aufhält. Aber Lecter zieht den Kopf aus der Schlinge und die Jagd auf ihn beginnt erneut.

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  • Erscheinungsdatum:
    9. Februar 2001
  • Regie: Ridley Scott
  • IMDB Rating: 6,7/10
Legende unter den Serienkiller: Hannibal

Can you smell what the doc is cooking?

Kommentar: Hannibal Lecter hat es seit seiner Flucht nicht leicht. Eigentlich wollte sich der Serienmörder, der jetzt unter dem Namen Dr. Fell Vorlesungen an der Universität Florenz hält, in einem Cafe am Palazzo Vecchio bei einem guten Chianti entspannen und sich liebevoll an die Zeiten erinnern, als er seine Opfer noch l zerlegte und genussvoll verspeiste. Doch ein häßlicher Millionär, ein ehemaliges Opfer, das seine Attacken überlebt hat und aussieht wie ein von Lepra befallener ET, hat Millionen ausgelobt, um Lecter aus seinem Versteck hervorzulocken. Das wird von Ridley Scott mit viel Spannung erzählt und durchaus beeindruckend ins Bild gesetzt. An die Faszination und beklemmende Morbidität des von Demme produzierten Vorgängers reicht „Hannibal“ freilich nicht heran. Stilistisch spielt „Hannibal“ in einer anderen Liga. „Das Schweigen der Lämmer“ scheint in der Realität verwurzelt und erzeugt streckenweise die Stimmung eines mit kriminalistischen Details angereicherten Dokumentarfilms, dessen Ekelinhalte mit moralischen Fragen nach dem Bösen verknüpft sind. „Hannibal““ wirkt demgegenüber eher wie eine opulent ins Bild gesetzte Gothic Novel“, die sich gelegentlicher Zwischentönen des schwarzen Humors bedient, aber kein eigenes moralisches Zentrum hat.

In „Das Schweigen der Lämmer“ arbeitet der Serienkiller im Dunkeln, so dass man in der Regel nur die Folgen seiner gräßlichen Taten sieht. In „Hannibal“ bleibt nichts verborgen und wir schauen Dr. Lecter über die Schulter zu, wie er sein blutiges Handwerk verrichtet. Niemand konnte ernsthaft erwarten, dass „Hannibal“ Jonahan Demmes „Das Schweigen der Lämmer“ toppen würde. Ridley Scott schlug deshalb von vornherein einen anderen Weg ein und legte einen routiniert gemachten, spannenden Thriller vor. Kein überragendes Meisterwerk, aber gewiss eine sehenswerte Fortsetzung und ein beachtlicher Erfolg.

Titelfoto: hans van den berg – scream

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