Schöne Grüße – Künstlerpostkarten

image

Mit Smartphone oder per E-Mail geht es heute fix, ein paar Grüße zu versenden. Wenn bedeutende Künstler Postkarten verschickten, dann waren das zumeist kleinformatige Kunstwerke. Nur die Wünsche und Formulierungen ähneln den heutigen.

Wer sich für solche Künstlerpostkarten interessiert, der findet mit den rund 35 Exemplaren, beschrieben und verschickt von bedeutenden Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts, in der Ausstellung »Schöne Grüße« in der Galerie Ludorff in Düsseldorf schönes und kunstvolles Anschaungsmaterial.

Die Ausstellung macht überdies deutlich, wie sehr die Künstlerpostkarte als Medium in der Kunst des gesamten 20. Jahrhunderts eine eigene Rolle spielte. In ihr bildet sich die Entwicklung der Kunstgeschichte der Moderne ab – von den jugendstilhaften Designs der Jahrhundertwende über den Ausdruck der individuellen Künstlerpersönlichkeit der Klassischen Moderne bis hin zu den konzeptuellen Ansätzen der Nachkriegszeit.

Sam Francis
Untitled (No. 20)
1963
Acryl auf Blanko-Postkarte
© Fotograf, Valentin Mühl, Düsseldorf

Die Pioniere dieser Gattung, die jungen Expressionisten, malten auf dem kleinen Format ihr gesamtes Themenspektrum: Akte, Porträts, Landschaften, Großstadtvergnügungen wie Varieté, Zirkus oder Theater. Dabei wurde so manches Postkartenmotiv zur Ideenskizze eines bedeutenden Gemäldes und manch freizügiger Akt sorgte sicherlich für Schamesröte im Gesicht des austragenden Postboten.

Vor allem aber verwendeten die Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts die neugewonnene Kunstform als rasantes Kommunikationsmittel – die Post wurde mehrfach am Tag ausgetragen und eine Karte war halb so teuer im Porto wie ein Brief. Ganz anders nutzten die Künstler ab den 1960er Jahre dieses Massenmedium, um Kunst und Alltag miteinander zu verbinden, eine Publikumsnähe zu erreichen oder um ihr künstlerisches Konzept vorzustellen – wie Joseph Beuys, der seine Materialsprache überträgt und eine Filz-Postkarte mit sofortigem Wiedererkennungswert produziert.

Dem japanischen Künstler On Kawara, der sich intensiv mit dem Verhältnis von Zeit und der An- und Abwesenheit von Information und Körper beschäftigte, dient die Postkarte als Medium für seine „I GOT UP“ Serie. Er sieht seine Existenz täglich bestätigt, indem er mit Datum die Uhrzeit des Aufstehens auf der Postkarte dokumentiert. Doch schon beim Schreiben, wird die Information bereits Geschichte. Die Zeit, der Ort und das Ich als Konstante bleiben – die Postkarte wird Erinnerung.

Schöne Grüße – Künstlerpostkarten

Zu sehen in der Galerie Ludendorf
noch bis 14. April 2018

Titelbild: Erich Heckel
Liegender weiblicher Akt mit Hund
ca. 1911
Tusche und Farbkreide auf Blanko-Postkarte
© Fotograf, Achim Kukulies, Düsseldorf

Send this to friend