re:member von Ólafur Arnalds

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Musik zu hören, wirkt sich direkt auf unser Belohnungssystem aus, einen ganz wichtigen Teil unseres Gehirns, der zusätzlich Dopamin erhält, sobald wir Musik hören. Heute erscheint das vierte Album des isländischen Komponisten, Musikers und Produzenten Ólafur Arnalds. Dessen differenzierte Kompositionen sind von leichtfüßiger Schwermut und heiterer Leichtigkeit durchzogen und dürften einen großen Schwall Dopamin in unserem Belohnungssystem freigeben.

Mit seinem Album re:member löst Ólafur Arnalds mühelos den Widerspruch zwischen handgemachter und computergesteuerter Musik auf und schafft eine spannende Synthese. Denn die Entwicklung einer Software erlaubt, dass zwei Konzertflügel, ausgelöst durch das Spiel Arnalds, selbstständig darauf antworten. Eine musikalische Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Zusätzlich instrumentiert mit einem Streichquartett, Synthesizer, elektronischen Effekten und Schlagzeug, baut der Opener re:member einen voluminösen Spannungsbogen auf.

Das sphärisch beginnende brot wurde mit dem Streichorchester London Recording Orchestro eingespielt. Es geht nahtlos in das nächste Stück inconsist über, das die schwermütigen Klänge überwindet und sich in eine temporeiche, multiinstrumentell getragene Melodie verwandelt.

Undir besticht durch das Zusammenspiel von Live-Drums mit Streichquartett und Synthesizern, die zu einem einzigartigen wohlklingenden Klangteppich verwoben werden.
Die drei Streicher auf ekki hugsa entwickeln ein Stakkato, das sich mit den Pianoklängen einen stürmischen Wettlauf bis hin zum Höhepunkt liefert, um langsam wieder zu verklingen.

Den Abschluss bildet nyepi ein meditatives, wunderbares Pianostück, das zum Ende hin von zwei Violinen ergänzt wird.

Nur wenige Künstler, etwa Ludovico Einaudi und Nils Frahm, haben sich so konsequent der Synthese zwischen analoger und elektronisch erzeugter Musik gewidmet. Arnalds ist dabei noch einen Schritt weiter gegangen, indem er gemeinsam mit Halldór Eldjárn die Stratus-Software entwickelte, die tatsächlich in der Lage ist, in einen kreativen Musikprozess einzugreifen, ihn sogar zu gestalten.
Das hervorragende Album klingt wie eine wunderbare neuzeitliche Sinfonie. Wer sie hört, spürt die einzigartige Atmosphäre, die diese Musik ausstrahlt. Unbedingt reinhören!

re:member
Ólafur Arnalds
Mercury/Universal

(VÖ: 24.8.)

Tracklist:
01. re:member
02. unfold (ft. SOHN)
03. saman
04. brot
05. inconsist
06. they sink
07. ypsilon
08. partial
09. momentary
10. undir
11. ekki hugsa
12. Nyepi

Live:
05.10. Hamburg, Elbphi
07.10. Wiesbaden, Kurhaus
08.10. Ludwigsburg, Forum
10.10. Leipzig, Gewandhaus
11.10. Berlin, Tempodrom

www.olafurarnalds.com

Titelfoto:© Benjamin Hardman Ólafur Arnalds

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