Picknick-Zeit – Ausstellung

Bereits die alten Griechen schätzten das Picknick und spätestens mit der Erfindung des Picknickkorbs im England des 18. Jahrhunderts wurde das Mahl im Freien zum gesellschaftlichen Ereignis. Insbesondere in den westlichen Großstädten erlebt picknicken ein Revival, ob beim stilvoll arrangierten „Dîner en Blanc“ oder bei fröhlichen Ausflügen ins Grüne mit Kind, Kegel und Klappgrill.

Diesem Vergnügen widmet sich jetzt eine umfangreiche Ausstellung im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. Eine faszinierende Fülle – versammelt auf über 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche – von Picknick-Utensilien unterschiedlichster Form, Machart und Herkunft, zahlreicher Objekte, Installationen, Fotografien und Filme zeugen vom Variantenreichtum einer beliebten Kulturpraxis.

Schon immer haben Menschen gemeinsam unter freiem Himmel ihre Mahlzeiten verzehrt. In der Zeit des Barock wurde das Mahl im Freien in französischen Adelskreisen zum beliebten Sommervergnügen und der Begriff „Pique-Nique“ wurde geprägt.

Hohe Popularität erreichte das Picknick im 18. Jahrhundert in England. Bis heute ist die Beliebtheit dort ungebrochen und beim berühmten Pferderennen von Ascot, der Henley Royal Regatta, dem Tennisturnier von Wimbledon und der Oper in Glyndebourne wird das Picknick zum gesellschaftlichen Großereignis.

Bei den Picknicks im Nahen Osten wiederum fühlen sich viele Menschen an ihre nomadischen Wurzeln erinnert, wenn sie im Kreis ihrer Verwandten und Bekannten aus den Städten in die Natur pilgern und im Freien grillen und essen.

In Deutschland setzt sich diese Tradition in der Leidenschaft fort, mit der Einwandererfamilien den öffentlichen Raum und die Grünflächen als Grillplätze und für Freizeitaktivitäten nutzen. Darüber hinaus blickt die Ausstellung auf historische wie zeitgenössische Picknick-Rituale und -Objekte in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich und in den nordischen Ländern, aber auch in Indien, im Iran oder in Mexiko.

Das Picknick gehört zur kulturellen Praxis aller sozialer Schichten, kann verfeinertes Ritual ebenso wie ungezwungene Alltagspraxis sein. Ob beim High Society Event oder der fröhlichen Landpartie: Das Teilen von Speis und Trank verbindet und stiftet Gemeinschaft.

Die Ausstellung zeigt zahlreiche Beispiele: Wundervoll dekorierte japanische Lack-Picknicksets aus der Zeit um 1800 aus dem Victoria and Albert Museum in London etwa weisen auf ihre Verwendung durch eine hochentwickelte höfische Gesellschaft hin. Elegant-stabile Lederkoffer der Firma Louis Vuitton wurden in Frankreich für Auto- und Motorradfahrten ins Grüne entwickelt, luxuriöse Picknick-Körbe von Fortnum & Mason lassen mit Porzellangeschirr, Silberbesteck und mundgeblasenen Champagnerflöten keine Wünsche offen. Leichtes Aluminiumgeschirr erweist sich als praktisch beim Bergwandern in der Schweiz, Designprodukte aus Kunststoff stehen für pragmatischen Komfort. Speziell erdachte Tische und Stühle, Kleidung, Fächer und Schirme ergänzen die Auswahl.

Die Frankfurter Fotografin Barbara Klemm hat in den letzten 40 Jahren weltweit zahlreiche Picknick-Szenen aufgenommen, die in der Ausstellung erstmals dem Publikum gezeigt werden.

Wer hätte gedacht, dass das Thema Picknick nicht nur im Grünen, sondern auch in einem Ausstellungshaus so viel Abwechslung zu bieten hat. Ergänzend gibt es ein anspruchsvolles Begleitprogramm mit Vorträgen, Workshops und Diskussionen sowie ein spezielles Filmprogramm in Kooperation mit dem Deutschen Filmmuseum. Darüber hinaus laden zahlreiche Veranstaltungen im Metzlerpark am Museum Angewandte Kunst dazu ein, den Sommer 2017 zum „Picknick-Sommer“ zu machen. Dort steht auch das eigens für die Ausstellung angefertigte überdimensionale Fondue-Caquelon aus Holz, das Platz zum Picknicken bietet für 8 Personen.

Picknick-Zeit

bis 17. September 2017 im

Museum angewandte Kunst in Frankfurt

Titelbild:

White Dinner, Hamburg-Altona, 2016 © Julia Autz