Phoenix – ein Film von CHRISTIAN PETZOLD

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Juni 1945. Schwer verletzt, mit zerstortem Gesicht wird die Auschwitz-Uberlebende Nelly (NINA HOSS) von Lene (NINA KUNZENDORF), Mitarbeiterin der Jewish Agency und Freundin aus Vorkriegstagen, in die alte Heimat Berlin gebracht. Kaum genesen von der Gesichtsoperation, macht sich Nelly, den Warnungen Lenes zum Trotz, auf die Suche nach Johnny (RONALD ZEHRFELD), ihrem Mann. Doch Johnny ist fest davon uberzeugt, dass seine Frau tot ist. Als Nelly ihn endlich aufspurt, erkennt er nicht mehr als eine beunruhigende Ahnlichkeit.
Johnny schlagt ihr vor, in die Rolle seiner totgeglaubten Frau zu schlupfen, um sich das Erbe der im Holocaust ermordeten Familie Nellys zu sichern. Nelly lasst sich darauf ein. Sie wird ihre eigene Doppelgangerin. Sie mochte wissen, ob Johnny sie geliebt hat. Ob er sie verraten hat. Nelly will ihr Leben zuruck.

Wie nähert man sich einer solchen Rolle?

[NINA HOSS] »Je mehr ich mich mit der Figur befasst habe, desto mehr wurde mir bewusst, dass es gar nicht so viele Berichte gibt, die direkt von der Zeit „danach“handeln. Die Nelly kommt direkt aus einem Konzentrationslager, sie hat überlebt, sie wird gerettet: Wie ist das dann, wenn du noch direkt im Trauma steckst? In welchem Zustand befindest du dich da? Kannst du über die Erfahrungen überhaupt schon reden? Das war für mich ein entscheidender Punkt, in was für einem Zustand meine Figur zu dem Zeitpunkt ist, wo wir sie kennenlernen. Im Lager wurde man „entmenschlicht,alles, was einen Mensch sein ließ, wurde zu zerstören versucht. Wie kannst du dich dem wieder annähern, dem, was dich als Mensch ausgemacht hat?
Darüber kam ich dahin, dass ich verstanden habe, wieso Nelly an dieser fixen Idee von Johnny festhalten muss: Wenn er sie erkennt, dann lebt sie wieder. Für mich hat sich die Frage gar nicht gestellt: Wieso erkennt der sie nicht? – weil sie sich selbst nicht erkennt. Wenn der Kern gebrochen ist, dann erkennt man sich nicht mehr. Das musste ich begreifen. Das war meine Hauptarbeit. Dass es um einen Menschen geht, der versucht sich zusammenzusetzen.
Sie kommt von ganz weit weg, und sie greift nach allem, was sie nur kriegen kann, um zu verstehen,
wer sie war und wer sie jetzt sein könnte.
Sie sagt das auch zu Lene: „Johnny hat mich wieder zu Nelly gemacht. Ich bin manchmal ganz eifersüchtig auf mich, wie glücklich ich war.“ Sie spricht über sich selber in der dritten Person, wie von einem anderen Menschen, und trotzdem hat es ewas mit ihr zu tun, das ist sie ja auch gewesen, wo ist das denn hin?

ChristianPetzolds hat einen sehr beeindruckenden Film gemacht, der sich mit den schwierigen Themen Identitätsverlust, Verrat und  Doppelbödigkeit auseinandersetzt. Sehr klug und brillant umgesetzt mit darstellerischen Höchstleistungen der Schauspieler.

Ab 25. September im Kino

 

Foto: Ronald Zehrfeld als Johhny_ und Nina Hoss als Nelly © Christian Schulz

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