Niedeckens BAP – Lebenslänglich

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Das erste, was man beim unverpackten Album wahrnimmt, sind der Titel und das Cover: „Lebenslänglich“. Niedeckens BAP wartet gleich mit einem Begriff auf, der die erste Assoziation auch optisch bestätigt. Dennoch sind auch andere Ideen denkbar: Musiker, Literaten und Künstler sind ja in einer privilegierten Position und können bis zum Lebensende, also lebenslänglich ihrer künstlerischen Leidenschaft nachgehen.

Niedeckens BAP in voller Besetzung

Der Titel ist das eine und schnell gecheckt, doch jetzt kommt das eigentlich Wichtige und Spannende, die Musik, das Repertoire. 40 Jahre BAP, da kommt einiges an Stoff für ein relevantes Album zusammen; zudem ist es das erste Studioalbum der Band seit fünf Jahren.

„Lebenslänglich“ ist ein Rückblick auf 40 Jahre BAP und enthält 14 großartige facettenreiche Songs voller scharfer Beobachtungen, politischer Statements, humorvoller Geschichten und persönlicher Geständnisse.

Alles Relativ“, der erste Song, erinnert an Bob Dylan und besingt Niedeckens Erfahrungen als blonder Junge in der Kölner Südstadt, der in der Jugend zum zornigen jungen Mann wird und erst mit zunehmendem Alter die Erkenntnis gewinnt, dass die Dinge im Leben relativ sind. Er beginnt mit einer gezupften Akustikgitarre, der schließlich Drums, Elektrogitarre und Orgel folgen, wobei der Song  noch eine Steigerung durch die dylaneske Mundharmonika erfährt: Ein schöner Einstieg in das Album.

„Absurdistan“ liefert Zitate aus der aktuellen politischen Realität: Flüchtlingskrise, Terrorismus, Umweltverschmutzung und rechnet mit den  Sünden der Gegenwart ab. Wegschauen ist nicht mehr möglich. Die bluesige Gitarre, dazu der Chorgesang Kyrie Eleyson, eingebettet in Rockmusik – ein etwas anderer Protestsong.

„Der Herrjott meint et joot met mir“ ist ein kraftvoller Rocksong mit fetziger Gitarre, mit dem Niedecken augenzwinkernd sein Glück feiert, in einer Band singen zu können, die immer noch kräftig rockt.

„Vollkasko-Desperado“ zeugt einmal mehr vom Humor Niedeckens, der die unverbesserlichen Fans, die nicht verstehen können, warum Major Heuser die Band verlassen hat; mit einer bissigen Message versorgt. Denn ebenso wenig wie es einen Vollkasko versicherten Desperado gibt, so gibt es ein Zurück, aber immer noch BAP, hier mal im Mex Tex Stil mit schräger Violine, Bongos, Bass und einem strahlenden Trompetensolo instrumentiert.

Liebe gehört zum Erinnern

„Miehstens unzertrennlich“ – eine liebevolle Erinnerung an eine Jugendliebe, die mehrfach in den Songs von BAP auftauchte: „Helfe kann dir keiner“ , „Anna“ und das Abschiedslied „Jrade uss“. Der Song blickt auf das Auf und Ab einer stürmischen Liebe zurück – ruhig, eingeleitet mit harfenähnlichen Akkorden auf der Akustikgitarre und untermalt mit einem sparsamen Klavierspiel.

Im Song „Et ess lang her“, bei dem ebenfalls die Akustikgitarre dominiert,  erinnert sich Niedecken mit Wehmut und zärtlich an seinen Vater.

„Lebenslänglich“ – das 18. Studioalbum ist ein rundes, äußerst gelungenes und vielfältiges Album mit schönen Melodien, persönlichen Texten und toller Instrumentierung, das aber auch die musikalischen Vorbilder Niedeckens hörbar macht.
Und das Beste, „Lebenslänglich“ gefällt auf Anhieb und immer besser, je öfter man es hört.

VÖ: 15.01.2016, Vertigo Berlin

Lebenslänglich---Cover-CMS-Source
„Lebenslänglich“ Titelliste:
1 Alles Relativ
2 Absurdistan
3 Dä Herrjott Meint Et Joot Met Mir
4 Die Ballade Vom Vollkasko-desperado
5 Miehstens Unzertrennlich
6 Et Ess Lang Her
7 Dausende Vun Liebesleeder
8 Auszeit
9 Vision Vun Europa
10 Zeitverschwendung
11 Schrääsch Hinger Mir
12 Sankt Florian
13 Komisch
14 Unendlichkeit

Ab Mai geht die Band anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens auf Jubiläumstour.

Weitere Infos unter:
www.bap.de/landingpages/lebenslaenglich/

Titelfoto: Tina Niedecken

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