Neue tolle Arbeitswelt oder doch nur Ausnutzung?

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Den Laptop auf den Knien, die Füße ohne Schuhe. Der Blick geht über den Bildschirmrand hinaus auf das azurblaue Wasser. Am Körper nichts als Badeshorts und ein leichtes T-Shirt.
Wenn das Gespräch auf neue Lebens- und Arbeitsmodelle kommt, wird das Bild vom digitalen Arbeiter, der in der Sonne am Strand arbeitet, gerne genommen. Die so genannten Digitalen Nomaden werden immer präsenter und verändern die Arbeitswelt.

Die Bilder und Geschichten von Aussteigern, die jetzt in Südostasien oder Lateinamerika leben, treffen bei vielen Leuten ins Herz. Sie fragen sich dann, warum sie selber in einem grauen Büro sitzen und nicht auch unter grünen Palmen liegen. Es sieht doch so einfach aus. Wenn man die Berichte im Internet liest, mit den ganzen „So kannst auch du es schaffen“- Anleitungen, scheint dieses vermeintliche Traumleben für jeden nur einen Mausklick entfernt zu sein.

Aber ist es das wirklich? Oder fühlt man sich eher wie Don Quijote im berühmten Buch von Miguel de Cervantes, der einen unauslöschlichen Eindruck in der europäischen Kultur hinterlassen hat: Ist das alles nur eine große Illusion oder doch echt?

Gig Economy – Teil der neuen Arbeitswelt

Für diese neue Form von Arbeit haben sich verschiedenste Geschäftsmodelle entwickelt. Viele der digitalen Arbeiter haben aber gemein, dass sie als Freelancer also als Freier Mitarbeiter angefangen haben. Damit waren sie Teil der Gig Economy, ein weiteres Schlagwort, das im Zusammenhang mit der neuen Arbeitswelt immer wieder auftaucht.

Die Gig Economy ist eine Arbeitsumgebung in der kurzfristige Beschäftigung zwischen Arbeitern und Unternehmen der Standard ist, schreibt das Portal WhatIs.com.
Die BBC meint dazu: Die Gig Economy ist ein Arbeitsmarkt, der durch das Vorhandensein von kurzfristiger Beschäftigung oder Auftragsarbeit – im Gegensatz zu einer dauerhaften Beschäftigung – geprägt ist.

Fotoquelle:: Goodfreephotos

Der Begriff Gig kommt eigentlich aus der Musikbranche. Dort ist ein Gig ein Auftritt. Der Musiker wird für einen Auftritt gebucht und bekommt Geld, wenn er diesen absolviert. Im Berufsleben hat sich der Begriff Gig mittlerweile immer mehr für kurzfristige Arbeitsverhältnisse durchgesetzt. Kurzfristig kann dabei von der Dauer eines Auftrags bis zum Abschluss einer Restrukturierung eines ganzen Unternehmens gehen.
Der einzelne Auftrag, bspw. eine Texterstellung, wird von dem klassischen Freelancer übernommen. Er bekommt den Auftrag, macht seine Arbeit, wird bezahlt und sucht den nächsten Auftrag.
Aber auch komplexere Aufträge, wie der Aufbau einer Vertriebsabteilung, werden immer häufiger von Freiberuflern übernommen. Diese arbeiten dann aber meistens beim Auftraggeber vor Ort und werden deutlich besser bezahlt, als einfache Texter oder Grafik-Designer.

Allen Beschäftigungen ist aber immer gemein, dass sie nicht auf Dauer ausgelegt sind.
Die Gig Economy ist folglich der Wirtschaftszweig, in welchem diese Aufträge angeboten und angenommen werden.

Die Gig Economy hat Vor- und Nachteile und meistens sind sich die dort agierenden Personen auch beider Seiten bewusst.

So steht für den Arbeiter die maximale Flexibilität bei der Gestaltung des eigenen Arbeitstages immer die Unsicherheit von nicht-wiederkehrenden Einnahmen gegenüber.
Auf Seite der Auftraggeber muss man immer zwischen Kostenersparnis, der Freiberufler bleibt nur für die Dauer des Auftrages, und Verlässlichkeit abwägen.
Interessanterweise sind die Mitglieder der Gig Economy über alle demografischen Klassen verteilt. Auf Auftragnehmerseite sind vom Studenten über den gelernten Freiberufler bis hin zum promovierten Akademiker alle Schichten vertreten. Auch vom Alter her findet man hier den 20-Jährigen, ebenso wie den 60-Jährigen.
Wenn man den zahlreichen Berichten und Reportagen im Internet glaubt, sind es aber vor allem die jungen Leute, die diesen Lebensstil bevorzugen. Die Freiheit, seine Zeit selber einteilen zu können, ist der jungen Generation extrem wichtig. Dafür bietet die Gig Economy zahlreiche Chancen und Möglichkeiten.

TItelfotoquelle: Pexel

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