Midnight Sun – Filmkritik

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Endlich. Die 17jährige Katie Price (Bella Thorne) wird im Film Midnight Sun von ihrem heimlichen Schwarm Charlie (Patrick Schwarzenegger) gebeten, mit ihm auszugehen. Eigentlich schön für Katie, die Charlie schon seit Jahren  aus der Ferne bewundert und jetzt ihr Glück kaum fassen kann. Doch leider gibt es da ein Problem. Katie darf tagsüber niemals das Haus verlassen, weil sie an einem seltenen Gendefekt leidet, der verhindert, dass ihre Haut jede Schädigungen selbst reparieren kann, die durch die im Sonnenlicht vorhandene UV-Strahlung entstehen.

Xeroderma pigmentosum oder kurz XP ist der medizinische Fachbegriff für diese sehr tückische Krankheit, die eine furchtbare Konsequenz für die Betroffenen hat: Sobald sie sich dem Sonnenlicht aussetzen, bilden sich Entzündungen, die sich zu bösartigen Hautkrebsarten entwickeln können.

„Mondscheinkinder“ werden in der Umgangssprache die Betroffenen genannt, und dieser Ausdruck beschreibt treffend Katies Alltag, die zu einem Leben im Schatten verurteilt ist. Tagsüber schläft sie, abends büffelt sie für die Schule, tauscht sich mit ihrer einzigen Freundin (Quinn Shephard) über Musik und Jungs aus, spielt Gitarre, komponiert ihre eigenen Songs. Manchmal bricht Katie nachts heimlich aus, um am Bahnhof der kleinen Stadt, in der sie lebt, ihre Songs den Vorbeigehenden vorzutragen.

Vor allem aber beobachtet sie schmachtend Charlie, wenn er mit seinem Skateboard an ihrem Haus vorbeisaust. Bei alledem achtet Katies Vater (Rob Riggle) sorgsam darauf, dass Katie jegliches Sonnenlicht meidet. Doch eines Nachts, als Katie wieder einmal am Bahnhof ist, passiert es: Sie begegnet Charlie, und der verliebt sich natürlich Hals über Kopf in sie.

Die beiden treffen sich fortan regelmäßig, sobald es dunkel wird. Katie verschweigt aber eine Weile ihre Krankheit, weil sie es genießt, begehrt und nicht als XP-Patientin wahrgenommen oder gar bedauert zu werden. Eines Abends brechen Charlie und Katie zu einem folgenschweren Ausflug auf, verbringen die Nacht am Strand, vergessen Raum und Zeit, wachen umarmt in der Dämmerung auf, und das Unheil nimmt seinen Lauf. MIDNIGHT SUN ist für niemanden bestimmt, der über sechzehn ist. Die Beschränkung auf diese Alterspopulation ist freilich keine Entschuldigung dafür, dass er schlecht gemacht ist. Liebe im Schatten einer tödlichen Krankheit ist eine Thematik, deren sich das Kino gelegentlich angenommen hat. Manche Filme sind bewegende Dramen, die sich dem Problem mit großer Sensibilität und kenntnisreich nähern, andere kommen über eine verkitschte Romanze nicht hinaus. Der Film „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, der von der ersten und gleichzeitig letzten Liebe zweier jugendlicher Krebspatienten handelt, fällt in die erste Kategorie.

Die auf der gleichnamigen japanischen Vorlage basierende Teenager-Romanze MIDNIGHT SUN in die zweite. Dieser Film ist einfach schlecht gemacht, egal, aus welchem Blickwinkel man ihn betrachtet: Ein paar abgedroschene Witze über Taylor Swift, eine vorhersehbare Handlung, ein peinliches Meet Cute, das schon fast wehtut, eine pseudodramatische Enthüllung der Wahrheit über Kates tragische Erkrankung, die Charlie natürlich ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert, doofe Dialoge und eine ziemlich hölzerne schauspielerische Leistung der Protagonisten, die unfähig sind, tiefe Emotionen beim Zuschauer zu wecken.

Schade, eine vertane Chance, die schwierige Lebenssituation der von dieser seltenen Krankheit Betroffenen einem breiteren Publikum näher zu bringen.

Der US-Regisseur Scott Speer hat diesen Film gemacht, zu dessen Meriten ein paar Ashley-Tisdale-Musikvideos, der Tanzfilm „Step Up Revolution“ sowie eine Folge der MTV-Serie „Scream“ zählen. Klar, jede Generation braucht ihre eigene Teenager-Romanze, aber bei allem Respekt vor den Mitwirkenden von MIDNIGHT SUN, gibt es wohl doch einige bessere Alternativen für die jungen Leute von heute als diese harmlose Schmonzette.

Fotos: Universum

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