Michelangelo Pistoletto in Berlin

Seit über fünf Jahrzehnten kommentiert der Künstler Michelangelo Pistoletto auf seine je eigene ästhetische Weise den sozialen und ökologischen Wandel unserer Zeit. 40 Jahre nach seiner ersten Ausstellung in Berlin kehrt der Künstler und eine Auswahl seiner Werke auf Einladung des Italienischen Kulturinstituts in die deutsche Hauptstadt zurück.
Mit der Veranstaltungsreihe #DediKa ehrt das Italienische Kulturinstitut Berlin Michelangelo Pistoletto, den Grandseigneur der Arte Povera und gibt in der dazugehörigen Ausstellung „Michelangelo Pistoletto und Cittadellarte. Spiegelungen und Widerspiegelungen“ vom 2. Juni bis zum 29. September 2018 Einblick in das Hauptwerk aus verschiedenen Schaffensperioden des Künstlers: von der Arte Povera in den 60er Jahren und als Wegbereiter der Konzeptkunst bis zur Gründung der Kultur-und Denkfabrik Cittadellarte 1998 und der Ausrufung und weltweiten Verbreitung seines Terzo Paradiso (Drittes Paradies).

Eine neue ortsspezifische Version des Terzo Paradiso setzt die Ausstellung bis in den Gartenhof der Italienischen Botschaft Berlin fort, wo diese den ganzen Sommer öffentlich zu sehen sein wird.

Die jüngeren Arbeiten Michelangelo Pistolettos entstammen einem kollektiven Prozess durch Vernetzung, Kooperation und Interaktion von verschiedensten Akteuren des gesellschaftlichen Lebens. „Um etwas zu erschaffen, muss man zu zweit sein“ titelt schon 1974 eine seiner Arbeiten und verweist damit nicht nur auf die Einbeziehung des Betrachters im Spiegel, sondern auch auf die in Pistolettos Werken angelegte Einladung, sich aktiv in das Entstehende einzumischen, Ideen einzubringen und somit Teil des Kunstwerks zu werden. Dieser partizipative Ansatz führt den Künstler nach der Jahrtausendwende zu seiner jüngsten noch anhaltenden Schaffensphase, dem in der Berliner Ausstellung zentral gewürdigten aktuellen Werkkomplex Terzo Paradiso.

Basierend auf dem gleichnamigen Manifest von 2003 entwickelt sich dieser Werkkomplex stetig weiter. Im Zentrum steht die Vereinigung von Natur und Kunst, als zwei, immer weiter auseinanderdriftende Pole. In der Cittadellarte verleiht Michelangelo Pistoletto dieser Utopie mit dem auf drei Schleifen erweiterten Unendlichkeitszeichen erstmals ein dauerhaftes Symbol.

Die für die Berliner Ausstellung ortsspezifische Ausformulierung dieses Projektes wird der geschichtsreichen Umgebung des historischen Botschaftsgebäudes am Tiergarten Rechnung tragen: Die dreigliedrige Endlosschleife des Terzo Paradiso entsteht hier aus dem Kopfsteinpflaster, das in der heute wiedervereinten Hauptstadt den einstigen Verlauf der Berliner Mauer markiert. Stein für Stein fügt sich daraus ein einzigartiges und für Pistoletto emblematisches, neues und temporäres Gesamtkunstwerk.

Michelangelo Pistoletto und Cittadellarte. Spiegelungen und Widerspiegelungen
Ausstellung vom 2. Juni bis 29. September 2018

Italienisches Kulturinstitut Berlin, Hildebrandstr. 2, 10785 Berlin
#DediKa18 – Michelangelo Pistoletto
Veranstaltungsreihe vom 1. bis 4. Juni 2018
Freitag, 1. Juni 2018
12.00 Uhr Auftakt-Pressekonferenz in der Italienischen Botschaft, Hildebrandstr. 2, 10785 Berlin
18.00 Uhr Vernissage der Installation Terzo Paradiso im Hof der Italienischen Botschaft
19.00 Uhr Eröffnung der Ausstellung im 3. Stock des Italienischen Kulturinstituts, Hildebrandstr. 2, 10785 Berlin

Samstag, 2. Juni 2018

19.00 Uhr Künstlergespräch mit Michelangelo Pistoletto an der Akademie der Künste Berlin, Pariser Platz 4, 10117 Berlin

Sonntag, 3. Juni 2018
11.00 Uhr Dokumentarfilm „Michelangelo Pistoletto“ von Daniele Segre im LichtSpielTHEATER KLICK-O-TONART, Kulmer Str. 20, 10733 Berlin

Montag, 4. Juni 2018
19.00 Uhr Gespräch zwischen Michelangelo Pistoletto und dem Philosophieprofessor (FU Berlin) Georg Bertram im Italienischen Kulturinstitut

 

Titelfoto: Venere degli stracci (1967) © L. Fiaschi “Année 1 – Le Paradis sur Terre”, Louvre, Parigi, 2013