Matthias Horx – Die Zukunft von Liebe, Sex und Familie

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Gerade hat der Bundesrat nach einer Abstimmung im Bundestag die Ehe für alle gebilligt. Was noch bis dahin nur zwischen Mann und Frau legal war, ist jetzt auch zwischen Menschen gleichen Geschlechts möglich – sie können heiraten. In seinem neuen Buch „Die Familie der Zukunft – Wie wir lieben werden“ widmet sich Matthias Horx auch diesem Thema. Fühlen gleichgeschlechtliche Partner sich am Ziel ihrer Wünsche angelangt, so fragen sich andere wiederum: „Hat die Ehe überhaupt noch eine Zukunft?“ Und ist damit die Zukunft der Familie nicht auch in Frage gestellt? Wie wird Familie in einigen Jahrzehnten aussehen? Wie unsere Liebeskultur? Es gibt immer wieder News über neue Formen der Liebe. Der letzte Trend nennt sich Polyamorie: Menschen lieben mehrere Partner/Partnerinnen und jeder weiß von jedem. Es gilt die absolute Offenheit, Eifersucht gibt es nicht. Im Gegenteil, der wahre Polyamorist entwickelt ein ganz eigenes Gefühl, Compersion, eine Mitfreude am Glück des anderen.

Doch vor der Partnerschaft steht die Partnerwahl. Nicht nur, dass hier Vielfalt und Toleranz existiert, auch die Treffpunkte sind andere – sowohl digital als auch analog. Sind Geschlechterrollen durchlässiger geworden, so ziehen sich immer mehr Menschen in den Cyberspace zurück. Internetpartnerbörsen sind beliebt, aber unsicher, wenn es um die Ehrlichkeit geht. Manipulierbar sind hier nicht nur die biografischen Daten, sondern auch das äußere Erscheinungsbild. Was ebenfalls wesentlich ist, der Partner, die Partnerin ist nicht direkt mit allen Sinnen erfahrbar. Der Vorteil, anders als im realen Raum können Partner einfacher vorab nach Kriterien ausgewählt werden. Ob es dann wirklich klappt im realen Leben, wird sich zeigen. Doch auch andere Trends in der Partnerwahl führt Horx auf, die vielleicht schon die digitale Ernüchterung widerspiegeln. Friending ist so eine, Freunde, die sich schon schon lange kennen und mögen, versuchen, auch auf sexueller Ebene zueinander zu finden. Die Singlekultur hat inzwischen neue Formen herausgebildet: Mingle etwa, zeitweise hat man eine Beziehung, bleibt aber weiter Single, oder Ghosting, eine begrenzte Unerreichbarkeit in den sozialen Netzwerken.

Hohe Mobiltät und ausgefeilte künstliche Intelligenzen machen bald den Weg frei für virtuelle Partner und Gefühlserlebnisse. Davon ist im letzten Kapitel des Horx-Buches die Rede, in denen drei Szenarien der futuristschen Liebe entworfen werden. Wechselnde Partnerschaften, „Liquid love“, die je nach Alter und Neigungen ausgewählt werden. Die Ehe erfährt wahrscheinlich Veränderungen, ähnlich wie es heute schon möglich ist, werden verschiedene Verträge abgeschlossen. In der Zukunft könnte es einen „Kids Agreement Contract“ geben, der die Partner unter anderem verpflichtet, ihre erotische Beziehung fertil zu machen.

Trotz vieler wissenschaftlicher Studien und Erkenntnisse über die Biochemie der Liebe, das Geheimnis der Langzeit-Ehen, die Plastizität der Geschlechterrollen und Genderforschung, die Liebe selbst scheint sich auch diesen Mitteln in letzter Konsequenz zu entziehen. Sie ist nicht gänzlich zu verstehen, nur zu erleben. Zukünftig wird sie – wie Horx schreibt, (…) „aus dem Flussbett der Abhängigkeiten und Konventionen, in dem sie Jahrtausende steckte (…)“ heraustreten. In seinem sehr umfassenden und höchst interessanten Buch beschreibt Matthias Horx die Wandlungsprozesse in Familie, Liebe und Partnerschaft und entwickelt Szenarien der Zukunft. Die Anziehungskraft zwischen Menschen wird auch in Zukunft dazu führen, dass sie sich begehren und lieben werden, doch ob es in Zukunft besser gelingt, individuelle Selbstverwirklichung und Sehnsucht nach Treue zu lösen, kann und will  dieses verständlich geschriebene und überaus lesenswerte Buch nicht beantworten.

Matthias Horx ist es brillant gelungen, einen überzeugenden futuristischen Blick auf Familie, Liebe und Partnerschaft zu werfen

Matthias Horx
Die Zukunft von Liebe, Sex und Familie

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 336 Seiten

ISBN: 978-3-421-04732-8

Verlag: DVA Sachbuch

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