Matthew Horace: Schwarz Blau Blut – Ein Cop über Rassismus und Polizeigewalt in den USA

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Viel ist zur Zeit über Rassismus in den USA, aber auch in den europäischen Ländern die Rede. Zu Recht, denn die letzten schrecklichen Vorkommnisse von Polizeigewalt und Menschenrechtsverletzungen gegen Menschen, die keine weiße Hautfarbe besitzen, sind ein hinreichender Grund, weil allgegenwärtig sind. Wie es in den einzelnen Police Departments der USA aussieht, das weiß Matthew Horace, Autor des Buches „Schwarz Blau Blut“, der 28 Jahre lang als Polizist auf den Straßen dort im Einsatz war, ganz genau.

Er ist selbst Afroamerikaner und das machte die Aufarbeitung seiner Erfahrungen und die Recherche authentisch, aber nicht leichter. Er und sein Mitautor Ron Harris haben etwa mit hundert Interviewpartnern, darunter Polizistinnen, Politikerinnen und Überlebende von Polizeigewalt gesprochen. Diese Gespräche fließen in das Buch ein.

Es stellt klar, Polizisten sind Menschen mit Vorurteilen und Stereotypen, die Teil ihrer Sozialisation sind und unser Verhalten beeinflussen. Doch Polizisten sind von Berufswegen dazu angehalten, ihre Vorurteile zurückzustecken. Sie sollen nach höchsten moralischen Prinzipien handeln. Doch dann ist von Folter, Gewaltanwendung und Schusswaffengebrauch durch die Polizei zu lesen. Die Opfer sind zu 90 % schwarze Menschen, sie sind in den Augen der meisten Cops per se verdächtig.

Ein Mann wird auf der Flucht mit acht Schüssen in den Rücken niedergestreckt, brennende Geschäfte in Ferguson, „I can’t breathe, I can’t breathe“, die schrecklichen Nachrichten, die uns durch die Medien vermittelt werden, sind nur ein Bruchteil dessen, was tagtäglich in Chicago und anderswo in den Metropolen der USA passiert. Die Black Lives Matter Bewegung hat seit ihrer langen Entstehung wieder Nahrung bekommen, um erneut aufzuflammen.

Doch das Buch erschöpft sich nicht in einer Ansammlung dieser tödlichen Übergriffe durch die Polizei, sondern Cops erzählen aus ihrer Sicht, wie die Sachverhalte sind. Viele erkennen, dass systemische Ursachen, menschliches Versagen und Korruption die Ursachen sind. Die Polizisten werden für Aufgaben herangezogen, für die sie nicht ausgebildet sind. Hier sind andere Institutionen zuständig, die sie der Polizei zusätzlich aufbürden.

Anschaulich und präzise schildert der Autor diese Missstände. Die angefangenen Reformen in den USA müssen noch stärker und nachhaltiger umgesetzt, die Ausbildung und Weiterbildung der Polizisten dringend verbessert werden.

Gegen Rassismus aber kann jeder/jede etwas tun „Nobody can do everything, but everybody can do something“ – damit beendet der Autor sein Buch „SCHWARZ BLAU BLUT“, das tiefe Einblicke in die systemischen Ursachen und das menschliche Versagen Einzelner gibt. Gerade heute ist „Schwarz Blau Blut“ ein ganz wichtiges Buch.

Matthew Horace
Schwarz Blau Blut

Suhrkamp Verlag
ISBN: 978-3-518-47015-2

Ein Musikvideo von Keedron Bryant, der erst 12 Jahre alt ist, macht die Situation der Schwarzen in den USA noch einmal mehr deutlich. Das junge Talent hat uns viel mitzuteilen. Und das ist beunruhigend und passt zum Buch.

„So viele Gedanken in meinem Kopf/ Werde ich leben? Oder werde ich tot enden? Egal, wo ich bin, es gibt keinen sicheren Ort für mich“.

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