Mad Max: Fury Road

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Ein Film, donnernd wie ein Monstertruck

Sobald man den Mund wieder zubekommen hat und sich aus dem Sessel herauswuchten konnte, in den man zuvor vom hochexplosiven „Mad Max: Fury Road“ schier hineingepresst worden ist, geht es gefühlt etwas taumelig aus dem Kinosaal. Zwar leicht orientierungslos. Aber angesichts der Kombination aus überbordender Materialschlacht und gnadenloser Verrücktheit, die der Film in sich vereint, auch komplett beeindruckt. Ja, sogar geradezu geflasht. Denn das, was der vierte Teil der Kult-Filmserie von Regisseur George Miller mit dem Zuschauer macht, fühlt sich auch im Nachgang noch in etwa so an, als sei man zwei Stunden lang mit 300 Sachen mitten durch ein gigantisches Feuerwerk gebrettert. Und zwar als Beifahrer in einem 5000 PS starken Monstertruck, während der Wahnsinn höchstselbst am Steuer sitzt. Und der nimmt wiederum nur ganz selten mal den Fuß vom Gas.

 

Eine einzige lange Verfolgungsjagd

Bei dem ganzen atemberaubenden Explodieren, Prügeln, Bersten, Quietschen und Dröhnen auf der Leinwand erweist es sich als angenehm, ja fast schon hilfreich für den Zuschauer, dass die Handlung von „Mad Max: Fury Road“ recht übersichtlich gehalten ist. Denn der Film besteht kurz gesagt aus einer einzigen langen Verfolgungsjagd. Und die ist gefüllt mit folgendem Inhalt:

Max Rockatansky – aka Mad Max (Tom Hardy) – ist im postapokalyptischen australischen Ödland, in dem Benzin und Wasser die wertvollsten Güter sind, nach den Ereignissen aus „Mad Max III – Jenseits der Donnerkuppel“ (1985) auf der Flucht. Nachdem er sich aus seinem Dasein als „Blutspender“ in Gefangenschaft irgendwie befreien kann, knallt er gemeinsam mit einer Gruppe Überlebender in einem zum Panzer umgerüsteten Tanklaster durch die Wüste, der von einarmigen Furiosa (Charlize Theron) gefahren wird. Auf dem Weg zu einem sagenumwobenen und fruchtbaren Platz namens „der Grüne Ort“ wird die Zweckgemeinschaft von zombieähnlichen Gesetzlosen und dem skrupellosen Warlord Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) in schwer bewaffneten, abgefahrenen Fahrzeugen verfolgt. Kein Wunder, schließlich hat die Gruppe der Entflohenen dem bizarr maskierten Oberbösewicht sein ganz spezielles „Eigentum“ gestohlen.

Mad Max: Fury Road

© Warner Bros. Pictures Germany

 

Dass die geschätzt 100 Millionen Dollar teure Vollgasveranstaltung in 3D zu überzeugen weiß, war angesichts ihrer jahrelangen sowie immer wieder von Fragezeichen und Rückschlägen ausgebremsten Produktionsgeschichte nicht unbedingt zu erwarten. Doch der mittlerweile 70 Jahre alte George Miller, der den vierten Teil der Road-Warrior-Geschichte ursprünglich schon 1998 in die Kinos bringen wollte, hat es 30 Jahre nach Teil drei geschafft: Mit einem wohl temperierten Mix aus Sequel und Reboot schafft er auf dem wummernden, dreckigen Höllenkonvoi nicht nur Platz für Kenner, sondern auch für Neulinge der Mad-Max-Trilogie. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass während der 120 Minuten Spielzeit nur verhältnismäßig wenige Worte gewechselt werden. Miller lässt vielmehr die furios stilisierten und teils bizarr inszenierten Bilder und Motive sprechen. Das ist auch durchaus passend. Denn Themen wie Freiheitsdrang, Kampf gegen Unterdrückung, Öko-Kritik und Polit-Rebellion werden zwar leicht suggeriert, sind dabei jedoch allenfalls gut gemeintes Beiwerk.

Denn das, was „Mad Max: Fury Road“ wirklich will, ist unterhalten!

Und das gelingt ohne jegliche Einschränkung, denn der Streifen funktioniert als Actionfilm tadellos. In der Wüste Namibias gedreht, bestehen die atemberaubenden Action-Sequenzen zu weiten Teilen nicht aus am Computer erschaffenen CGI-, sondern aus sogenannten „praktischen Effekten“, die tatsächlich vor der Kamera erzeugt wurden. Und das spürt man in jeder Minute. Denn diese „handgemachte“ Action trägt einen entscheidenden Teil dazu bei, den Zuschauer außergewöhnlich intensiv und nah auf den flirrenden, bunten und rauschhaften Mad-Max-Trip mitzunehmen.

Tom Hardy weiß Mel Gibsons Fußstapfen auszufüllen

Zwar bleibt zwischen all dem Bombast, all den Panzerschilden, Eisenketten, Enterhaken, bizarren Kriegsbemalungen, abstrusen Masken und Kostümen, Abwehrpanzern, Geschützständen und Flammenwerfern kaum Zeit für eine tiefergehende Figurenzeichnung. Doch Tom Hardy weiß Mel Gibsons Fußstapfen im tosenden Wüstensand als Titelfigur durchaus auszufüllen. Dem Briten, der angeblich einen Vertrag für insgesamt drei „Mad Max“-Teile unterschrieben haben soll, nimmt man den kompromisslosen Rächer ab, der noch immer von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht wird. Zur Erinnerung: Im ersten Teil war Max noch ein ganz normaler Cop, der dann als verrohter Einzelgänger seine eigenen Gesetze machte, nachdem Frau, Kind und der beste Freund von einer Motorradgang ermordet wurden. Mit Charlize Theron als kurzgeschorener „Amazonenkriegerin“ hat der wortkarge Protagonist, dessen Interaktion nicht selten lediglich aus einem Knurren oder Onelinern besteht, im vierten Teil immerhin wieder eine Frau an der Seite. Eine gelungene Kombination, denn beide Darsteller passen perfekt ins Konzept des Endzeit-Streifens.

 

 

Fazit: „Mad Max: Fury Road“ gelingt es zwar trotz seiner Power  nicht, die anderen Action-Kracher dieses Jahres wie „The Avengers II – Age of Ultron“ oder „Fast and Furios 7“ unter seinen gewaltigen Rädern zu zermalmen. Doch schafft er es problemlos, sich mit ihnen auf Augenhöhe zu bewegen und den Motor des „Mad Max“-Franchise wieder ordentlich zum Brüllen zu bringen. Umso schöner klingt da die Nachricht, dass George Miller auch beim fünften Teil der von ihm erschaffenen Reihe auf dem Regie-Stuhl Platz nehmen will.

 

Bild und Filmmaterial: © 2015 WV
FILMS IV LLC AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC

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