LIFE Filmkritik: Knallhart, kompromisslos und überraschend ästhetisch!

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Calvin. Zunächst liebevoll, später angsterfüllt.

Wie dicht riesige Freude über eine revolutionäre Entdeckung und blanker Horror beieinander liegen können, das muss die sechsköpfige Astronauten- und Wissenschaftler-Crew der ISS in „LIFE“ – im wahrsten Wortsinn – am eigenen Leibe erfahren.

Denn in Daniel Espinosas Science-Fiction Horror-Thriller stößt das internationale Team der Raumstation – bestehend aus David Jordan (Jake Gyllenhaal), Miranda North (Rebecca Ferguson), Sho Murakami (Hiroyuki Sanada), Hugh Derry (Ariyon Bakare), Roy Adams (Ryan Reynolds) und Ekaterina Golovkina (Olga Dihovichnaya) – bei der Untersuchung von Mars-Proben tatsächlich auf außerirdisches Leben. Und der Organismus – zunächst liebevoll, später angsterfüllt „Calvin“ genannt -, entwickelt sich rasend schnell und ist deutlich intelligenter als zunächst angenommen. Und absolut tödlich noch dazu.

LIFE will den Zuschauer mit hohem Pulsschlag in den Kinosessel pressen!

Insgesamt ist der geschilderte Plot aus der Feder der Autoren Paul Wernick und Rhett Reese (u.a. „Deadpool“) sicher weder neu noch sonderlich komplex. Dazu ist während der 103 kurzweiligen Filmminuten immer wieder deutlich zu bemerken, dass sich Regisseur Espinosa bei seinem neusten Werk von genreprägenden Klassikern wie „Alien“ oder Gravity“ inspirieren ließ – doch das muss ja nicht schlecht sein. Und das ist es in diesem Fall auch nicht. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Denn schließlich will „LIFE“ weder philosophische noch wissenschaftliche Grundfragen aufwerfen oder gar diskutieren. Nein, „LIFE“ will vielmehr Spannung aufbauen und den Zuschauer möglichst oft mit hohem Pulsschlag in den Kinosessel pressen. Und das gelingt Daniel Espinosa (u.a. „Child 44“) mit seinem Ausflug ins All vortrefflich.

Die Schlusspointe als Schlag in die Magengrube

Der chilenisch-schwedische Filmemacher treibt Schauer und Spannung in der verwinkelten und teils unangenehm engen Weltraumstation (es gibt nur zwei Momente auf der Erde) nämlich immer wieder geschickt in die Höhe. Die dichte, packende Atmosphäre und die teils knallharten, kompromisslosen, aber dabei überraschend sehenswert-ästhetisch gefilmten Szenen tragen ebenso wie die guten Spezialeffekte entscheidend dazu bei, dass der geneigte Kinobesucher kaum einmal Zeit bekommt, um durchzuatmen. Passend dazu versetzt ihm dann die gelungene Schlusspointe auch noch einen richtigen Schlag in die Magengrube.

Und neben den durchweg guten Darstellerleistungen sind es auch genau diese Stärken, die beim Zuschauer dafür sorgen, dass er sich bis zum Ende praktisch selbst mit an Bord der Raumstation fühlt und ihm dabei das Schicksal der Protagonisten auf der ISS bis zum Ende nicht egal ist – und das obwohl die Figuren zu Beginn allesamt nur eine recht überschaubare Einführung erfahren.

Fazit: Wer (Horror-)Thriller mag und sich auch gerne noch á la „Alien“, „Sunshine“, „Gravity“ oder „Event Horizon“ in den weiten des Weltalls gut aufgehoben fühlt, dem ist „LIFE“ uneingeschränkt zu empfehlen.

Niklas Frielingsdorf (4/5)

 

 

Fotos: Sony Pictures

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