Liebe – Eine kleine Philosophie

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„I`m in love with her and I feel fine“, singen die Beatles, und wir alle haben diesen Zustand sicher schon einmal – oder häufiger erlebt. Doch oft haben wir uns in unserer Liebe auch getäuscht gefühlt. Kann uns da die Philosophie weiterhelfen? In dem vorliegendem Buch unternimmt André Comte-Sponville diesen Versuch.

Wir wissen es alle – Liebe kann man nicht befehlen. Es ist ein Gefühlszustand, den wir nicht einfach erzeugen können. Doch wer verliebt ist und dessen Liebe auch erwidert wird, hat nach Platon eine Phase erreicht, die nicht lange glücklich macht. In seinem berühmten Gastmahl geht es auch um das Thema Liebe, und zwei Reden, die dort vorkommen, sind in diesem Zusammenhang interessant. Aristophanes glaubt, dass wir auf der Suche nach unserer durch die Götter verloren gegangenen zweiten Hälfte sind, um uns wieder vollständig zu fühlen. Haben wir sie gefunden, sind uns Liebe und Glück sicher.

Die Liebe ist eine Illusion, sagt dagegen Sokrates. Er spricht von Eros und fasst diesen Begriff weiter, als wir ihn heute gemeinhin verwenden. Für Sokrates ist Eros Liebesleidenschaft. Diese wird als Mangel, als Bedürfnis erlebt. Sobald wir den Zustand des (Liebes) Mangels verlassen haben, weil wir mit dem Menschen, den wir begehren, zusammen sind, ist die Liebe notwendig dem Untergang geweiht. Was folgt ist Langeweile.

Doch die Philosophie zeigt uns einen Weg aus diesem tristen Tal, denn sie kennt noch zwei weitere Begriffe, die beide Liebe meinen: Philia und Agape. Es sind Liebesweisen, die über die Liebesleidenschaft hinausgehen. Der Philosoph Spinoza sieht in der Philia (Freundschaft) die wahre Liebe, die Freundschaft zwischen Mann und Frau. Sie vereint sinnliche und geistige Liebe gleichermaßen. Unser Sprachgebrauch kennt Freundschaft auch für diese Beziehung. Denn wenn wir mit jemandem zusammen sind, ohne mit ihm verheiratet zu sein, nennen wir diese Person nocht heute Freundin oder Freund.

Agape – der dritte Begriff stellt hohe Anforderung an den Menschen. In der christlichen Lehre wird er auch Nächstenliebe genannt. Simon Weill umschreibt sie auch als Mitgefühl.

Anthropologische Betrachtungen weisen der Mutter eine zentrale Bedeutung zu, wenn es gilt, zu beschreiben oder zu benennen, wie oder warum die Liebe unser Leben so sehr bestimmt. Ohne Mutterliebe hätten Neugeborene lange Zeit nicht oder nur schlecht überlebt. Und die Mutterliebe ist bedingungslos, weil sie nur gibt und nichts erwartet.

Das Thema Liebe begleitet uns ein Leben lang und kommt in vielen Variationen daher. Das Nachdenken darüber gelingt mithilfe der Philosophie besonders gut. Wenn dies auch noch so kompetent und mit Humor geschieht, so kann die philosophische Reflexion des Themas ein wahres Vergnügen sein, die zudem Seele und Geist gut tut.

Liebe
Eine kleine Phosophie
André Comte-Sponville

Hardcover Leinen, 176 Seiten
Erschienen im Dez. 2014
ISBN 978-3-257-06890-0
www.diogenes.ch

André-SponvilleAndré Comte-Sponville wurde 1952 in Paris geboren. Der ehemalige Professor für Philosophie an der Sorbonne widmet sich seit 1998 ausschließlich dem Schreiben. Mit dem internationalen Bestseller ›Ermutigung zum unzeitgemäßen Leben‹ begründete er eine neue Welle, die ›Philosophie für alle‹, die den Philosophiemarkt aufblühen ließ. Weitere große Erfolge waren ›Woran glaubt ein Atheist?‹ und ›Glück ist das Ziel, Philosophie der Weg‹. André Comte-Sponville lebt in Paris.

Autorenfoto: © Laurence Jarousse / Opale

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