Liebe am Abgrund – Werke von Edvard Munch und Max Klinger

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Die Liebe und zwei große Künstlernamen, wen fasziniert das nicht? Nun bringt das Wallraf- Richartz Museum in Köln im zweiten Teil seiner Liebestrilogie dies künstlerisch zusammen: Edvard Munch und Max Klinger. Beide sind bedeutende Symbolisten, beide geniale Graphiker und beide beschäftigten sich intensiv mit dem Verhältnis von Mann und Frau.

Edvard Munch, Der Kuss, 1895, Radierung, Kaltnadel und Flächenton, Roulette (?) auf Japanpapier, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Graphische Sammlung

Kaum bekannt ist allerdings, dass sich der berühmte Norweger dabei von der Kunst des deutschen Bildhauers, Malers und Grafikers beeinflussen ließ. Wie groß dieser Einfluss war, zeigt nun die Sonderausstellung „Liebe am Abgrund“ (19.6. – 20.9.2020). Erstmals bringt das Wallraf dafür fünfzehn Klinger-Werke aus dem Zyklus Ein Leben mit neun ausgewählten Munch-Blättern zusammen. Die Ausstellung findet zum Gedenken an Max Klinger statt, dessen Todestag sich am 5. Juli 2020 zum hundertsten Mal jährt.

Max Klinger, Verlassen, 1880/84 (Platte), 1920 (Abzug), Radierung, Kupferstich (?) und Aquatinta mit Schmirgel, © LETTER Stiftung, Köln

Munch und Klinger ließen sich von der Anziehungskraft, die zwischen den Menschen besteht und die daraus resultierende Spannung inspirieren. Ein Thema, das um 1900 (Fin de Siècle) nicht nur in der bildenden Kunst sondern auch in der Literatur, Musik und Philosophie sehr beliebt ist. Das Drama der Geschlechter stellen beide in erstaunlich ähnlichen Motiven dar. Wohl schon 1881 lernt Munch in einer Ausstellung in Oslo die Druckgraphiken Klingers kennen.

Max Klinger, Verführung, 1880/84 (Platte), 1920 (Abzug), Radierung und Aquatinta mit Roulette und Stichel (?), © LETTER Stiftung, Köln

Zudem haben beide einen gemeinsamen Freund, den norwegischen Genremaler und Schriftsteller Christian Krohg. Bis 1909 übernimmt Munch immer wieder ganz konkrete Motive aus verschiedenen Klinger-Arbeiten und bearbeitet sie zu eigenen Kunstwerken. Die Kölner Graphikschau zeigt diese verblüffend ähnlichen Darstellungen vom Träumen, Küssen, Lieben, Verlassen und Untergehen.

Beide Künstler sind zeitlebens herausragende Graphiker, nehmen als solche aber sehr unterschiedliche Wege. Klinger verschreibt sich schon mit Anfang zwanzig der Radierung und sorgt dafür, dass die Graphik in Deutschland eine neue Akzeptanz erlangt. Erst Jahre später widmet er sich der Malerei und Bildhauerei. Munch hingegen folgt dem umgekehrten Weg. Er kommt von der Malerei zur Graphik und wird vor allem zum großen Neuerer des Holzschnitts.

Liebe am Abgrund – Trilogie II

Edvard Munch, Max Klinger und das Drama der Geschlechter
Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
zu sehen vom 19.6. – 20.9.2020

Titelfoto: Edvard Munch, Zwei Menschen – Die Einsamen, 1899, Holzschnitt (Weißlinien) von zwei Platten (blau und schwarz) auf Japanpapier, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Graphische Sammlung

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