LED ZEPPELIN: „Physical Graffiti“ remastered

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Mit der so eben erschienen Neuausgabe von „Physical Graffiti“ setzt Jimmy Page seine im vergangenen Jahr begonnene Wiederveröffentlichungsreihe der Alben von Led Zeppelin fort. Dass das Album seinerzeit gegen viele Widrigkeiten überhaupt zustande kam, mutet schon fast wie ein Wunder an. 1975 war niemand größer und rockte lauter als Led Zeppelin. Amerika lag ihnen nach den ersten vier Alben, die das britische Quartett abgeliefert hatte, wie berauscht zu Füßen. Jedes dieser Alben hatte die Band mit Tourneen gepuscht, die von fulminanten Support Slots bis hin zu dreistündigen Auftritten in riesigen Stadien reichten. Selbst ihr Album „Houses of the Holy“ aus dem Jahre 1973, das die Kritik eher verhalten aufgenommen hatte, vermochte der legendären Reputation von Led Zeppelin keine Delle zu versetzen.

Jede andere Band hätte sich vielleicht nach diesem jahrelangen Dauerstress eine Auszeit gegönnt. Nicht so Led Zeppelin. Die Band begann nach ihrer Support Tour „Houses of the Holy“ mit ihrem sechsten Album. Doch die Arbeit kam nicht recht voran, die Aufnahmesessions, von Tourneen immer wieder unterbrochen, zogen sich hin. Zudem schienen die Musiker zum Schluss ausgebrannt. Bassist John Paul Jones wollte die Band verlassen, um Chorleiter in Winchester zu werden. Drummer John Bonham („Bonzo“) war durch seine jahrelangen Alkohol- und Drogenexzesse physisch am Ende. Als die Musiker schließlich Anfang 1974 die Olympic Studios in London verließen, waren acht neue Songs fertig sowie sieben Outtakes, die aus den Alben „Led Zeppelin III“ (1970) bis „Houses of the Holy“ stammten.

Heute im Rückblick nach 40 Jahren erscheint „Physical Graffiti“ als eines der größten und wichtigsten Alben von Led Zeppelin, ein wahrer genre-übergreifender Parforceritt, der Rock-, Blues-, Jazz-, Reggae- und Country-Elemente kongenial verknüpft und einige der besten Songs der Band enthält. Der von John Paul Jones pumpender Fender Rhodes getriebene Titel „Trampled Underfoot“ schafft mühelos den Spagat zwischen Heavy Rock und Funk. Der Track „Custard Pie“, der dezent Altmeister Bo Didley zitiert, das schöne folkmäßige Instrumentalstück „Bron-Yr-Aur“ und der pure Exotik verströmende Song „Kashmir“, ein Mix aus östlichem und westlichem musikalischen Elementen, zu dem Page und Plant auf ihren mystischen Wanderungen inspiriert wurden und der mit dem laut krachenden Schlagzeug von Bonham unterlegt ist, zeigen, dass Led Zeppelin eine der experimentierfreudigsten Bands ihrer Zeit waren.

Treibende Kraft des Albums und der Band ist Ausnahmegitarrist Jimmy Page, dessen Hauptsorge als Musiker und Produzent stets der Sound der Band war. Kein Wunder also, dass wie schon bei den Reissues des vergangenen Jahres, auch „Physical Graffiti“ mit einem druckvollen, klaren Klangbild überzeugt. Die Neuausgabe erscheint in mehreren Formaten, als Doppel-CD und Download, auf Vinyl und als Deluxe-Edition, die neben der Doppel-CD mit einer Companion Disc ausgestattet ist. Für Hardcore-Fans gibt es daneben die opulent ausgestattete Super Deluxe Box, die neben Vinyl und Doppel-CD ein liebevoll gestaltetes Buch mit umfangreichem Bildmaterial enthält. Autor: Hans Kaltwasser

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