Led Zeppelin CODA et alia neue Remasters

Mit den digital überarbeiteten Neuausgaben der drei Alben “Presence“, „In Through The Out Door“ und „Coda“ schließt Jimmy Page seine spektakuläre Remasters-Serie des Led Zeppelin Backkatalogs ab. Obwohl alle drei Alben nicht gerade als das Beste galten, was die britischen Hardrocker zustande gebracht haben, überraschen im Rückblick die Neueditionen durchaus mit einigen hoch interessanten und musikalisch spannenden Augenblicken.

Presence

trägt unverkennbar die Handschrift von Jimmy Page, der die Band nach dem Autounfall von Robert Plant auf Rhodos im August 1975 unbedingt zusammenhalten wollte. Plant, der noch an den Folgen seines Unfalls laborierte, soll der Legende nach die meisten Songs aus dem Rollstuhl gesungen haben. Stilistisch knüpft „Presence“ dort an, wo das monumentale Album „Physical Graffiti“ aufhörte – wenig Melodie, Konzentration auf schnörkellosen Hardrock, langgezogene Schreie aus der Kehle von Plant und textlich eine gewisse Präferenz metaphysischer-kosmischer Themen, in denen Plant seine Lebenssituation reflektiert. Wenngleich das Album durchaus einige schöne musikalische Momente bietet – wie z.B. das episch-brachiale „Achilles Last Stand“ oder den introspektiven Bluessong „Nobody’s Fault but Mine“ von Blind Willie McTell, den Led Zeppelin zu einem krachenden Rocksong umarbeiteten, sowie das herrliche, den Geist von Los Angeles verströmende „Candy Store Rock“ – stellen die Titel „Tea for One“ und „For Your Life“ die Loyalität der treuesten Fans der Band auf eine ziemlich harte Probe.

„In Through the Out Door“ war das achte Studioalbum von Led Zeppelin. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen befand sich die Band in einer existentiellen Krise. Jimmy Page kämpfte mit massiven Drogenproblemen, Drummer John Bonham verfiel immer stärker dem Alkohol und Frontmann Robert Plant wollte nach dem Tod seines fünfjährigen Sohnes Karac aussteigen. Dass die Band inmitten der intensiven emotionalen Turbulenzen das Album überhaupt zustande brachte, ist wohl vor allem ihrem Keyboarder und Bassisten John Paul Jones zu verdanken, der als ruhender Pol die Fliehkräfte der Band zusammenhielt und mit Plant die meisten Titel schrieb. „In Through the Out Door“ ist deshalb auch das einzige Album der britischen Hardrocker, bei dem Jones bei allen Titeln außer einem als Autor aufgeführt wurde, während Page nur für zwei Stücke verantwortlich zeichnete: bei dem swingenden Honky-tonk Stück “South Bound Suarez” und der Plants verstorbenem Sohn gewidmete berührende Elegie “All My Love.” Wenngleich kommerziell erfolgreich, kam das Album in der Kritik nicht gut weg. Im Rückblick fällt jedoch auf, dass tatsächlich neben ausgesprochen schwachen Titeln, wie dem belanglosen Pseudo-Rockabilly Stück „Hot Dog“, das Shakin‘ Stevens als einen wahren Innovator erscheinen lässt, auch schöne musikalische Höhepunkte stehen, die bezeugen, dass Led Zeppelin auch am Vorabend ihrer Auflösung eine großartige Band waren. Pages eindringliches Gitarrensolo auf dem fiebrig-hypnotischen Song „In the Evening“ klingt, als seien die Musiksignale durch Dutzende Distortion Pedals und Klangfilter gejagt worden, gehört dazu. Und der Song „I’m Gonna Crawl“, der eine einzige lang gezogene, quälende von dichten Keyboard-Klängen untermalte Wehklage über die Schmerzen der Liebe ist. Auch das lateinamerikanisch angehauchte „Fool in the Rain“, ein Song über einen verdammten Loser, der vergeblich auf sein Date wartet und schließlich frustriert feststellt, dass er an der falschen Straßenecke stand, hat etwas.

Coda

Zwei Jahre nach dem Tod von Led Zeppelin Schlagzeuger John Bonham verabschiedeten sich die restlichen Mitglieder der Band 1982 mit dem Album „Coda“, einer losen Zusammenstellung von Outtakes, die bei verschiedenen Sessions im Laufe der zwölfjährigen Karriere der Band entstanden waren. Viele empfanden dies als einen dürftigen Abgang für eine der unbestritten größten und erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten. Drei Songs waren ursprünglich für das Album „In Through the Out Door“ aufgenommen worden, hatten jedoch dann keine Verwendung gefunden: „Ozon Baby“, „Darleen“ und „Wearing and Tearing“, von denen die beiden ersten wie eine unschlüssige Antwort auf den immer populärer werdenden rauen und ungeschliffenen Punkrock klangen. Der Vergleich dieser Songs mit dem Eröffnungstitel „We’re Gonna Groove“, einer schweren funky Bluesnummer, ist nicht eben schmeichelhaft. Zum ersten Mal in ihrer 12jährigen Karriere zeigten Led Zeppelin Ermüdungserscheinungen.

Heute indessen, 30 Jahre später, bildet die dreiteilige Neuauflage von „Coda“ den krönenden Abschluss der fulminanten Remasters-Reihe. Während die erste CD das originale Album aus dem Jahre 1980 repliziert, stellen die beiden Companion Discs eine wahre Fundgrube 15 erlesener Raritäten dar. Klar, es gibt Streuner, wie die bekannte Blue Eyed Soul Nummer „Baby Come On Home“, eine Auskoppelung aus dem ersten Album und B-Seite des „Immigrant Song“, oder den Country Blues „Hey, Hey What Can I Do?“ – die allesamt bereits irgendwo auf CD erschienen sind. Page hat jedoch ganz tief im Archiv der Band gewühlt und Schätze geborgen, die einen völlig anderen Blick auf Led Zeppelin eröffnen: Den Song „Sugar Mama“ beispielsweise, den das Quartett ursprünglich für das Debüt “Led Zeppelin” eingespielt hatte und der bereits die geballte kreative Wut des Nachfolgealbums „Led Zeppelin II“ erahnen lässt. Oder „If It Keeps on Raining“, ein wunderschöner alternativer Take des Songs „When the Levee Breaks“ vom Album „Led Zeppelin IV“, der zwar weniger gigantisch als die bekannte Fassung ist, dafür Plants Stimme jedoch bluesiger erscheinen lässt.

Weitere Glanzlichter sind auch die beiden bei der Indien-Reise von Page und Plant 1972 gemeinsam mit dem Bombay Orchestra eingespielten Stücke „Four Sticks“ und „Friends“, auf denen diverse traditionelle indische Instrumente wie Shehnai, Sernagi und Tabla zusammen mit Pages akustischer Gitarre und Violine für eine seltsam hypnotische-mystische Stimmung sorgen.

Fazit: Von kleineren Schwächen abgesehen, kommt die Neuedition von „Presence“, „In Through the Out Door“ und „Coda“ zu einem großartigen beeindruckenden Abschluss, zumal diese drei Alben wie ihre Vorgänger digital sorgfältig aufbereitet wurden und auch den bekannten Titeln neues frisches Leben einhaucht. Vor allem „Coda“ besticht dabei durch bislang unveröffentlichtes Material und macht deutlich, warum Led Zeppelin selbst 35 Jahre nach ihrer Auflösung auch jüngere Generationen begeistert. Alle drei Alben sind als Standard-CD sowie Single LP auf 180 g Vinyl erhältlich und werden als Download mit einer Auflösung von 96k/24-bit angeboten. Neben den Standardausgaben gibt es eine Deluxe- sowie eine Super Deluxe-Ausgabe, die u.a. ein Booklet mit vielen Fotos enthält. Mehr Led Zeppelin wird es wohl nicht geben.
Titelbild / Promo

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