LARA – ein Tag im Leben einer Frau – Filmtipp

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Die erste Szene des Films ist verstörend. Sie zeigt eine Frau, die aus ihrem Bett steigt und ans Fenster geht, es öffnet und auf die Fensterbank klettert. Doch dann klingelt es an ihrer Wohnungstür, und was immer sie gerade vorhatte, sie lässt sich davon abbringen und öffnet die Tür.

Dass es der sechzigste Geburtstag der Frau ist, wird er später klar. Für Lara kein Tag, an dem sie Verwandte und Freunde einladen wird. Sie hat andere Pläne. Lara räumt ihr Konto leer. Ihr Sohn Viktor, den sie heute, wie an anderen Tagen zuvor vergeblich telefonisch zu erreichen versucht, gibt an diesem Abend das wichtigste Klavierkonzert seiner Karriere. Sie kauft die noch verbliebenen Karten und verschenkt sie an frühere Kollegen, Bekannte und an zufällige Passanten. Dabei wirkt sie emotional sehr gefasst. Doch je weiter der Tag voranschreitet, desto mehr geraten die Geschehnisse außer Kontrolle…

Tom Schilling als Viktor Foto: Copyright STUDIOCANAL / Frederic Bartier

Die Zuschauer*innen erkennen Szene für Szene immer deutlicher, was Lara bewegt. Das ganze Geschehen, das hinter der filmischen Geschichte liegt, wird nicht erzählt. Instinktiv kann jedoch erfasst werden, dass der Sohn etwas erfüllen soll, was seiner Mutter verwehrt geblieben ist. Dabei ist das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn ambivalent. Einzig die Liebe zur Musik ist bei beiden gleichermaßen vorhanden.

Der Film zeigt einen Tag im Leben Laras, den sie an verschiedenen Orten in Berlin-Charlottenburg verbringt. Plätze, die wichtig für ihr bisheriges Leben waren, die mit Ehrgeiz und Hoffnung, schließlich mit Versagen und Resignation verbunden waren.

Dialoge sind im Film LARA sparsam gesetzt, doch die atmosphärischen Bilder sprechen für sich. Das ausdrucksvolle Spiel der Hauptdarstellerin, das Laras Verletzlichkeit und Einsamkeit ausdrückt, machen sie nahezu unnötig. Ein sehr berührender und aufrüttelnder Film.

Der Regisseur Jan-Ole Gerster ist durch sein erfolgreiches Debüt „Oh Boy“ bekannt geworden. Der Film wurde mit sechs LOLAs ausgezeichnet. LARA beeindruckt neben der Regiearbeit durch das Ensemble und Filmteam: Die Hauptrollen besetzen Corinna Harfouch und Tom Schilling. In weiteren Rollen sieht man u.a. Rainer Bock, Volkmar Kleinert, André Jung und Mala Emde.

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Lara bei ihrer Mutter Foto: Copyright STUDIOCANAL / Frederic Bartier

Der mehrfach ausgezeichnete Kameramann Frank Griebe setzte die Geschichte visuell um. Produziert wurde der Film von Marcos Kantis für Schiwago Film, in Ko-Produktion mit Studiocanal Film.

Das Drehbuch, ausgezeichnet mit dem MEDIA New Talent Award der Europäischen Union, entwickelte der slowenische Autor, Fotokünstler und Filmemacher Blaž Kutin.

Die Musik zum Film komponierte der preisgekrönte Musiker Arash Safaian (u.a. ECHO KLASSIK) und wurde von der deutsch-japanischen Star-Pianistin Alice Sara Ott eingespielt.

Beim 54. Karlovy Vary International Filmfestival feierte LARA Weltpremiere und wurde mit dem Spezialpreis der Jury und dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet; als „Beste Hauptdarstellerin“ wurde Corinna Harfouch geehrt. Beim 37. Filmfestival München, auf dem der Film seine Deutschland-Premiere feierte, gab es für Jan-Ole Gerster den Förderpreis Regie und den FIPRESCI-Preis 2019.

Fotos: Copyright STUDIOCANAL / Frederic Bartier

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