Kunstwerke haben Geheimnisse und erzählen Geschichten

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Bis voraussichtlich 30. November 2020 sind alle Museen in Deutschland geschlossen. Doch virtuell und über Podcasts lässt sich Kunst auch genießen. Künstler erzählen über ihre Werke und welche Geschichten oder Geheimnisse verbergen sich hinter Kunstorten oder Gemälden. Das können Kunstinteressierte erfahren. So gibt es im zweimonatigen Turnus vom Hessischen Landesmuseums Darmstadt jeweils eine neue Folge eines Podcasts, das über aktuelle Projekte oder kommende Sonderausstellungen, Forschungsberichte von Wissenschaftlerinnen des Hauses oder Talks mit prominenten Interviewpartnerinnen informiert.

Ein spannendes Interview mit dem argentinischen Künstler Tomás Saraceno zu seiner aktuellen Ausstellung »Songs for the Air« ist vorerst bis 31. Januar 2021 im Landesmuseum zu sehen ist. In der Darmstädter Ausstellung scheut er sich nicht, die Aufmerksamkeit auf die in der Luft schwebenden Partikel und die brisanten Aerosole zu lenken. Was genau steckt hinter seinen faszinierenden, stets in interdisziplinären Kontexten angesiedelten Arbeiten? Wie denkt und arbeitet dieser künstlerische »Grenzgänger zwischen den Disziplinen« und was treibt ihn gesellschaftspolitisch an? Im Podcast entlockt ihm Museumsdirektor Dr. Martin Faass spannende Statements.

Der Podcast ist kostenfrei in deutscher und englischer Sprache unter diesem Link zu finden:
https://www.hlmd.de/vermittlung/podcasts.html

Leonardo da Vinci und die Flora-Büste

Flora-Büste, © Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für
Byzantinische Kunst / Jörg P. Anders

Auch alle Museen der Staatlichen Museen zu Berlin sind zur Zeit für den Publikumsverkehr geschlossen. Davon betroffen ist auch die Sonderausstellung „Klartext: Zur Geschichte des Bode-Museums“, die heute am 18. November eröffnet hätte und erst nach der Wiedereröffnung starten wird. Einem der spannendsten Themen der Ausstellung widmet sich nun eine ARTE-Dokumentation: Eine angeblich von Leonardo da Vinci stammende und 1909 von Wilhelm von Bode erworbene Büste der Göttin Flora hält bis heute die Kunstgeschichte in Atem und entwickelte sich zu einem der spektakulärsten Kunstskandale des 20. Jahrhunderts.

Wohl kaum eine Museumserwerbung erregte während des wilhelminischen Kaiserreichs so viel öffentliches Aufsehen wie diejenige der Wachsbüste der griechischen Blütengöttin Flora. Diese war im Juli 1909 von Wilhelm von Bode, Generaldirektor der staatlichen Kunstsammlungen und Gründungsdirektor des Kaiser-Friedrich-Museums (heute Bode-Museum), für die Berliner Skulpturensammlung erworben worden – im Glauben, sie sei ein Leonardo-Original. Der Kunstskandal, den Bode damit in Europa auslöste, war beispiellos in der Museumsgeschichte und konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden.

Anlässlich der „Klartext“-Ausstellung zur Geschichte des Bode-Museums hat Kurator Neville Rowley den Flora-Fall erneut recherchiert. Die Spurensuche führt ihn nach London ins Warburg Institute und ins Auktionshaus Bonhams sowie in die Highlands von Schottland und in den Pariser Louvre. Dort stellt der Leonardo-Experte Vincent Delieuvin eine spannende Analogie zwischen der Mona Lisa und der Flora-Büste her. Die Dokumentation von Margarete Kreuzer begleitet den Kurator und erzählt einen Kunstkrimi aus der Leonardo-Forschung: Wird es gelingen, im Labor mit neuester Technologie zu beweisen, dass es sich um eine Büste des Renaissancegenies handelt?

„Leonardo da Vinci und die Flora-Büste“ ist am Sonntag, den 22. November 2020, um 16.15 Uhr als Erstausstrahlung auf ARTE zu sehen und ab dem 21. November in der ARTE-Mediathek verfügbar: www.arte.tv

Am Samstag, den 21. November 2020, um 18.30 Uhr widmet sich „rbb Kultur – Das Magazin“ im rbb Fernsehen sowie in der rbb-Mediathek weiteren spannenden Geschichten aus dem Bode-Museum: www.rbb-online.de/rbbkultur-magazin

In „Klartext: Zur Geschichte des Bode-Museums“ steht erstmals das Bode-Museum selbst im Mittelpunkt einer Ausstellung. Geschichte und Gegenwart des traditionsreichen Hauses sind aufs engste mit Berlin verwoben: Die großen Ereignisse der Zeitgeschichte – die beiden Weltkriege, der Nationalsozialismus, die deutsche Teilung – sind nicht spurlos am Museum vorübergegangen und prägen das Haus und die Objekte in den Sammlungen bis heute. Ziel der Sonderausstellung ist es, das Bode-Museum und seine historische Rolle in der Gesellschaft und der Stadt besser zu verstehen.

Die Themen der Ausstellung können schon jetzt während der temporären Schließung digital erkundet werden, Infoblätter zu ausgewählten Werken und ein chronologischer Überblick zur Geschichte des Museums sind ab sofort neben weiteren vielfältigen Online-Angeboten der Staatlichen Museen zu Berlin online verfügbar: www.smb.museum/online-angebote

Das Geheimnis hinter den Bildern lüften

Die Sammlung der Kunsthalle zu Kiel birgt eine Fülle von Werken, hinter denen faszinierende Geschichten stecken. Einige von ihnen stellt ZDFkultur in einer neuen Ausgabe des interaktiven Online-Formates „Das Geheimnis der Bilder“ vor, zu sehen ab Mittwoch, 18. November 2020, unter https://geheimnis-der-bilder.zdf.de.

Es gibt bedeutende Werke aus Museen in ganz Deutschland zu entdecken: Beim Klick auf einzelne Bildpunkte erfährt man Spannendes und Unterhaltsames über die Entstehung der Werke, über kunstgeschichtliche Zusammenhänge und über das Leben der Künstler und Künstlerinnen. Die Inhalte werden in Kooperation mit Kuratorinnen und Kuratoren aus den jeweiligen Ausstellungshäusern entwickelt. Dafür stand in der Kunsthalle zu Kiel mit rund 40.000 grafischen Werken und mehr als 1200 Gemälden und Skulpturen vom 16. Jahrhundert bis heute eine immense Auswahl zur Verfügung.

Auffallend herausfordernd schaut die schöne „Unbekannte“, die der russische Maler Iwan Nikolajewitsch Kramskoj um 1883 in einem Bildnis festhielt. Charles Baudelaire hatte die Magie eines intensiven Blickkontaktes mit einer Fremden 1860 in einem Gedicht eingefangen: „An eine, die vorüberging“. Doch während Baudelaires Fremde den Blick sofort abwendet, sieht Kramskojs „Unbekannte“ ihren Betrachter unverhohlen an – ein im 19. Jahrhundert eher ungebührliches Verhalten für eine junge Frau. Darüber, wo Kramskoj ihr begegnet sein mag, gibt das Bild selbst Aufschluss. Doch wer könnte diese Dame gewesen sein? Und was hatten Kramskoj und sein rätselhaftes Bild mit Leo Tolstoj und dessen Romanfigur Anna Karenina zu tun? Diesen Fragen geht ZDFkultur im „Geheimnis der Bilder“ nach.

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