Kunstausstellungen, die man nicht versäumen sollte

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Ob München, Berlin oder Hamburg – in der Urlaubszeit kann man endlich wieder einmal ins Museum gehen – hier sind aktuelle Ausstellungen, die man nicht versäumen sollte.

Faktor X – das Chromosom der Kunst

Daniela Comani

Daniela Comani, aus der Serie Eine glückliche Ehe, seit 2003 Sandra Filic, Expedition Medora
Haus der Kunst München

Die Ausstellung lädt dazu ein, nach Faktoren zu fragen, die in der Kunst eine Rolle spielen, Einfluss auf ihre Wahrnehmung und Wertschätzung haben: Gehört auch das Geschlecht der KünstlerInnen dazu? Wie macht sich das Chromosom der Kunst bemerkbar?
Diese Frage lässt sich mit einem aktuellen Anlass verbinden: 2017 jährt sich die Eröffnung des Hauses der Kunst 1937 zum 80. Mal, damit auch die 1. Große Deutsche Kunstausstellung. Damals waren gar keine Künstlerinnen beteiligt.
Noch immer sind Frauen auf dem Kunstmarkt weniger beachtet, in Museen unterrepräsentiert. Das Thema Gender und Kunst scheint trotz der Debatten der vergangenen Jahrzehnte weiter aktuell. Welche Bedeutung haben Genres, Materialien, Techniken bei der Zuschreibung von Weiblichkeit/Männlichkeit? Der Erfahrung eines Werkes stehen meist die Geschlechtscodes ihrer Autorschaft entgegen.
Die Ausstellung stellt den Betrachter Tête-à-tête in eine Begegnungssituation mit dem Kunstwerk und dessen sinnlich-körperhafter Präsenz.

  1. 07. – 24. 09. 2017 | Haus der Kunst München, Westflügel

Robert Rauschenberg – Posters

Robert Rauschenberg, Rauschenberg Overseas Culture Interchange, National Gallery of Art, Washington D.C., May-Sep 1991, Siebdruck auf silber beschichtetem Papier, 66,9 x 99,4 cm, © Robert Rauschenberg Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Neben Andy Warhol und Joseph Beuys gehört Robert Rauschenberg (1925-2008) zu den ganz Großen der Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Alle drei beginnen als junge Künstler in der Nachkriegszeit, als man mit einem heute schwer verständlichen Optimismus der Kunst noch alles zutraut. Und entsprechend umfassend ist ihr Kunstverständnis. Für den einen ist alles schön, für den zweiten ist jeder ein Künstler und der dritte, Rauschenberg, sieht in allem Material für seine Kunst. Ihm widmet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg Dank einer großzügigen Schenkung des Hamburger Sammlers Claus von der Osten eine Ausstellung mit Grafiken und Plakaten aus seiner umfangreichen Sammlung. Die Ausstellung mit über 120 Arbeiten bietet einen Überblick, wie es ihn so umfassend noch nicht zu sehen gab.

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Regina Schmeken
Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU

Enver Şimşek (38)
09.09.2000 Nürnberg
© Regina Schmeken, 2015

Regina Schmeken begann im Frühjahr 2013 die Tatorte des NSU zu fotografieren. Die zehn ermordeten Menschen wurden auf dem Boden liegend gefunden, brutal hingerichtet von rechtsradikalen Terroristen. In ihrem Ausstellungsprojekt „Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU“ geht es ihr um das Gedenken an die Ermordeten sowie eine Auseinandersetzung mit jenen Orten, die auf den ersten Blick keinerlei Spuren einer Gewalttat aufweisen. Zwischen 2013 und 2016 besuchte sie mehrmals die Tatorte. Es entstand ein Zyklus großformatiger Schwarzweiß-Fotografien, die verstörend wirken.

Das Beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind. An Schmekens Aufnahmen wirkt gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche unheimlich. Hans Magnus Enzensberger

29. Juli bis 29. Oktober 2017

Martin-Gropius-Bau Berlin

Art and Alphabet


PAULINA OLOWSKA (*1976) Alphabet, 2005 1 von 26 farbigen Karten (eine für jeden Buchstaben des Alphabets) © Courtesy Galerie Buchholz, Berlin / Cologne / New Yorkbilder

Das vielschichtige Wechselverhältnis von Schrift und Bild in der Gegenwartskunst steht im Fokus der groß angelegten Ausstellung Art and Alphabet, die sich über zwei Etagen der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle erstreckt. Präsentiert werden Werke verschiedenster Medien von 22 internationalen Künstler_innen aus 15 Ländern, die unterschiedlichste Sprachen und Schriftsysteme mit ihren Bestandteilen erforschen, als visuelle Zeichen verstehen, erweitern und künstlerisch transformieren.

Ob in Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Filmen, Videos, Fotografien, Rauminstallationen oder performativen Arbeiten: Alphabete (armenische, arabische, la-teinische usw.) werden manipuliert und ihre kultur- und identitätsstiftende Kraft hinterfragt.

Die Ausstellung umfasst künstlerische Positionen der letzten zehn Jahre, mit teilweise eigens für die Präsentation geschaffenen Werkgruppen. Einzelne Werke der 1960er und 1970er Jahre spannen, in die Ausstellung eingestreut, einen historischen Bogen.

Hamburger Kunsthalle

 

 

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