Krimiautorinnen und ihre neuesten Romane

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Wenn Frauen Krimis schreiben, wird es spannend und sehr atmosphärisch, wie bei diesen beiden Krimiautorinnen Susanne Goga und Claudia Rikl, die in ihren Geschichten Vergangenes aufleben lassen und dabei auf reale Begebenheiten zurückgreifen.

Wie in ihren vorherigen Büchern geht Susanne Goga in ihrem neuen Kriminalroman „Das Cabaret des Bösen“ in das Berlin vergangener Zeiten. Es ist ein kalter Tag im Januar 1928.  Der eisige Wind macht die gefühlte Temperatur noch um einiges kälter,  als Leo Wechsler zu einem Tatort gerufen wird. Die Leiche eines abgehärmten Mannes,  nur mit einem dünnen, löchrigen Mantel und ausgetreten Schuhen bekleidet, wird in einem Schuppen im Hinterhof des Askanischen Gymnasiums gefunden. Niemand kennt den Mann und es sind auch keine Papiere zu finden, die ihn identifizieren könnten.

Leo Wechsler und seine Mitarbeiter kommen nur mühsam voran. Doch Leo spürt instinktiv, dass der Betreiber des Varieté- und Sensationstheaters »Das Cabaret des Bösen« etwas mit dem Mord zu tun haben muss. Das Theater liegt gleich neben dem Schulgebäude im Hinterhof, und der Hausmeister konnte sich erinnern, eine junge Frau gesprochen zu haben, die einen Mann namens Fjodor suchte. Sie war ähnlich erbärmlich gekleidet und sehr dünn. Eine wichtige Zeugin in diesem Fall?

Der Theaterbesitzer ist zwar kooperativ und lässt es zu, dass Leo und seine Mitarbeiter jeden Winkel des Theaters untersuchen und Theaterangestellte befragen. Doch zunächst ergeben die Gespräche und Nachforschungen nichts, was gegen den Cabaretbetreiber sprechen würde.

Leo hat viel um die Ohren und in seiner Familie taucht plötzlich ein Problem auf. Sein Sohn Georg interessiert sich zu Leos Entsetzen plötzlich für die Hitlerjugend.
Wird der erfahrene Ermittler den Fall lösen und seinen Sohn zur Vernunft bringen können?

Auch in  diesem Roman gelingt es Susanne Goga, den Leser/die Leserin in die Zeit des Berlins der 1920er Jahre eintauchen zu lassen. Ein Stück deutsche Zeitgeschichte lebt in diesem Krimi auf, und dieser wieder sehr komplexe und gut durchdachte Fall um den sympathischen und klugen Ermittler Leo Wechsler sollte unbedingt gelesen werden.

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Nachts am Askanischen Platz
Susanne Goga

978-3-423-21713-2
dtv

Das Ende des Schweigens

Endlich hat sie das Ferienhaus erreicht. Die Wegbeschreibung hatte sich als richtig und nützlich erwiesen. Die Tür des Hauses war offen, und sie war froh, dass es im Haus leidlich warm war. Der Regen hatte sie auf dem Weg vom Auto zum Ferienhaus völlig durchnässt. Ihr war kalt. Doch ihr Geruchssinn funktionierte noch gut, deshalb stellte sie auch einen süßlich aufdringlichen Geruch fest, der sie in die Küche führte. Voll des Entsetzens sieht sie einen männlichen Körper auf dem Boden gleich neben der Heizung liegen, blutüberströmt. Es sieht aus wie ein Selbstmord. Sie ruft die Polizei und fällt sogleich in Ohnmacht.

Den Experten wird schnell klar, dass da noch ein grausamer Täter zusätzlich Hand angelegt haben muss. Die Zunge liegt abgeschnitten neben der Leiche des Mannes, der schnell identifiziert wird. Es ist Hans Konrad, ehemaliger Major der NVA.

Susanne Ludwig, Journalistin und frisch geschieden, die den Leichnam gefunden hat, kann den Anblick des Toten nicht vergessen. Zudem hat er bei ihr eine traumatische Erinnerung ausgelöst. Deshalb beginnt sie auf eigene Faust zu recherchieren, wer den alten Mann umgebracht haben könnte. Der ermittelnde Kriminalhauptkommissar Michael Herzberg versucht, sie davon abzuhalten.
Doch der ist in diesem Fall wenig objektiv, denn vor fast 30 Jahren hat er im berüchtigten Stasigefängnis Bautzen II eingesessen. Die Ermittlungen legen ein düsteres Kapitel der DDR-Geschichte frei und führen zu einem noch aktiven Netzwerk ehemaliger Militärs und Stasimitarbeiter. Herzberg ist jedoch davon überzeugt, dass der Fall mit seiner persönlichen Geschichte nichts zu tun hat.

Minutiös und atmosphärisch dicht schreibt die Autorin über eine dunkle Seite in der Geschichte der DDR, die auf wahren Begebenheiten beruht. Eine vergangene Zeit, in der es zu Machtmissbrauch und Gewalt bei Militär und Stasi kam sowie Bevormundung, Gängelei und Unfreiheit den Alltag der Bevölkerung beherrschten. Ein gut recherchierter und spannend erzählter Debütroman.

Das Ende des Schweigens
Claudia Rikl

528 Seiten
ISBN: 978-3-463-40685-5
Verlag:  Kindler

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