Kill it Kid in der Kantine am Berghain

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Bath ist eine wunderschöne in der westenglischen Grafschaft Somerset gelegene Universitätsstadt.  Bekannt ist die Stadt für ihre antiken römischen Bäder und die prachtvolle Schönheit georgianischer Architektur. Als Mekka wuchtig-erdigen Bluesrock galt Bath indessen bislang nicht. Dies könnte sich schon bald ändern. Denn das britische Quartett „Kill it Kid“ – Chris Turpin (Gesang, Gitarre), Stephanie Ward (Gesang, Piano), Marc Jones (Schlagzeug) und Dom Kozubik (Bass) allesamt „true Bathonians“ – spielen eine beeindruckende Melange aus Delta, Rock und Grunge, die dem britischen Rockblues seinen guten Namen zurückgibt, den er einst mit John Mayall, Fleetwood Mac, Savoy Brown und Led Zeppelin hatte. Die Berliner konnten sich davon in einem eindrucksvollen Konzert überzeugen, das die Band gestern Abend in der Kantine im Berghain gab.

Kill it Kid – hatten ein paar der besten älteren Songs im Gepäck, spielten jedoch auch einige neue Stücke, die erwarten lassen, dass die Band den mit dem Album „Feet Fall Heavy“ aus dem Jahre 2011 beschrittenen Weg konsequent fortsetzt: schmutzige, bissige Gitarrenriffs, verzerrte Licks, schöne Klavierläufe gepaart mit wuchtigem Schlagzeugspiel und soliden, druckvollen Basslinien sowie vor allem dem ans Herz gehenden, seelenvollen Gesang Chris Turpins. Dabei räumt Turpin wohl für immer mit der Mär auf, dass der Blues das Geschäft schwarzer alter, leidvoll geprüfter Männer ist. Wie kommt das? Wahrscheinlich hat Turpin, ein Youngster von gerade einmal Anfang 20 mit dem Gesicht eines Engels, einen faustischen Pakt geschlossen, als er in den Stimmbruch kam, der ihn befähigen sollte, die Stimme eines reifen schwarzen Bluessängers zu bekommen, der mindestens 30 Jahre älter ist.

Beim düsteren, von Metaphern angereicherten Stück „Dirty and Wasted Waters“, einem mit roher Sentimentalität vorgetragenen Abschiedsgesang auf den Tod als Erlösung von einem durch Krieg und Plagen geschundenen Leben, öffnet Turpin mit aller Kraft seine Lungen, um seine Gefühle und Erwartungen an den Übergang auf die andere Seite herauszuschreien. Auch Stephanie Wards Gesang kann ihre Vorliebe für Gospel und Blues à Bessie Smith nicht verleugnen, wenngleich ihre Stimme weicher und versöhnlicher ist als die von Turpin. Dies zeigt sich insbesondere, wenn sie im Duett mit Turpin singt, aber auch im Song „You’re In My Blood”, in dem Wards seelenvolle–melodische Leadstimme die schmutzigen Riffs der Bluesgitarre Turpins perfekt komplementiert.

Der Auftritt von Kill it Kid zeigte eine Band, die zwar jungen an Jahren ist, gleich wohl aber bereits über eine enorme künstlerische Reife verfügt. Dem Publikum in der Kantine am Berghain gefiel, was es auf der Bühne sah und hörte und nach jedem Song lautstark bejubelte: Ein beachtliches Revival britischen Rockblues, das keinen anderen Wunsch offen lässt, als Kill it Kid wieder und wieder zu hören.

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