Jack Johnson – „All The Light Above It Too“

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„All The Light Above It Too“ ist Jack Johnsons siebtes Studioalbum und der Opener, „Subplots“, mit gitarrenbasierten Melodien macht auch gleich klar, was der Musiker meint, warum er schließlich diesen Albumtitel wählte: „All the light under the sun/And all the light above it too/It don’t shine for you“. Zwar strahlt die Sonne, wie er sagt in alle Richtungen, doch politische Verhältnisse erschweren es, sie zu genießen. Das Album geriet dem Musiker dieses Mal politischer in seinen Texten.

„Was aktuell abgeht in der Welt, kann einen leicht überfordern, immerhin ist ein Typ aus dem Reality-TV unser neuer Präsident. Wenn mich also dieses Gefühl überkommt, dass alles um mich herum den Bach runter geht, dann hilft es schon, sich daran zu erinnern, dass es diese wunderschöne Welt da draußen gibt: Eine Welt, die eben gerade nicht nur für uns gemacht ist. Wir sind bloß ein Teil in einem größeren Zusammenhang … und wir können uns so unglaublich glücklich schätzen, das zu haben.“

Jack Johnson hat bei diesem Album wieder zu einem minimalistischen Ansatz zurückgefunden. Er hat es mit Robbie Lackritz (Feist, Bahamas) im Mango Tree Studio produziert. Obwohl auf einigen Tracks auch seine angestammte Band zu hören ist, hat Johnson weite Teile der Instrumentalaufnahmen selbst übernommen und so die Songs nach und nach um seine Gitarrenparts herum gestrickt.

Letzlich was es ein Hochsee-Segeltörn durch den Nordatlantik, der  die Entstehung des Albums beeinflusst hat. Er sollte Johnsons ganze Weltsicht auf den Kopf stellen. Unterwegs mit einer Non-Profit-Organisation, die sich dem Kampf gegen Plastikmüll in den Weltmeeren verschrieben hat, konnte er sich auf dem Ozean, ohne Ablenkung, ohne Fernsehen oder Telefone, perfekt auf den Schreibprozess konzentrieren. „Es war das beste Setting, um alles rauszulassen, was mich davor beschäftigt hatte“, so Johnson, dessen Hochsee-Trip auch für den neuen Dokumentarfilm „The Smog Of The Sea“ (2017) festgehalten wurde.

Im Song „You Can’t Control It“ besingt Jack Schönheit und Schmerz, die mit kollektiven Erfahrungen verbunden sind. Handclapping macht diese Verbundenheit hörbar und sorgt für ein tolles Feeling, die Hawaigitarre erklingt easy und einlullend. Auch „Sunsets for Somebody Else“ kommt sanft daher, doch in diesem Song äußert Johnson seine Bedenken über den übermäßigen Medienkonsum.
Im Mittelteil von „All The Light Above It Too“ gibt es einige Songs, die einen für den Moment die Probleme des Alltags vergessen lassen. So ist „Big Sur“ eine vertonte Flucht aus dem Alltagsallerlei.
Nur mit akustischer Gitarre präsentiert er „Love Song #16“, an seine Frau und beste Freundin gerichtet „… and your really my best friend“ – einfach schön.

Die hypnotisierende Slide-Gitarre, die Folk-Elemente und die zauberhaften Melodien machen gemeinsam mit dem tiefgründigen Text „One Moon“ zu einem ganz beeindruckenden Stück.
Auf „Gather“ sind Beats und Bass dominant – eine Metapher über Höhlenmenschen und Vertreter unserer Zeit – ein „Schlagabtausch zwischen Leuten, die übers schlichte Überleben nachdenken, und andererseits Leuten, die darüber nachdenken, ob sie sich nicht noch einen Kaffee holen sollen“, wie er sagt. Am Ende beglückt er uns auf „Fragments“mit einem Gitarrensolo und verwandelt seine Sorgen und seinen Frust in einen optimistischen Ausblick.
„All The Light Above It Too“ ist ein vielseitiges, stimmungsvolles und nuancenreiches Album, mit anspruchsvollen und nachdenklich stimmenden Texten – ja, und nicht zu vergessen, mit dem unverwechselbaren Johnsonsound.
Johnson hofft, „dass sich die Leute mit dem identifizieren können, was sie da zu hören bekommen. Erst wenn ein Album wirklich einen anderen Menschen berührt, habe ich das Gefühl, damit etwas bewirkt zu haben.“
Das wird ihm sicherlich nicht nur bei seinen zahlreichen Fans gelingen – bei mir hat es auf Anhieb geklappt.

Jack Johnson
„All The Light Above It Too“

VÖ: 08.09.2017

Der 42-jährige Musiker hat ein eigenes Label Brushfire Records. Seine Tour-Crew sind Vordenker, was Umweltstandards in der Musikindustrie anbelangt, und sein Netzwerk All At Once verbindet bei jedem Tour-Stopp die Fans mit Non-Profit-Organisation in der jeweiligen Region. Darüber hinaus haben Johnson und seine Frau Kim gemeinsam die Kokua Hawaii Foundation ins Leben gerufen, um Umweltthemen in den Schulen und Gemeinden von Hawaii auf die Tagesordnung zu bringen, sowie die Johnson Ohana Foundation, die sich weltweit für Umwelt-, Kunst- und Musikerziehung stark macht.

Titelfoto: Morgan Maassen

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