Islands – Ski Mask

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Was zum Teufel haben sich die Islands aus Montreal mit diesem grässlichen Cover zu ihrer letzten Platte Ski Mask angetan? Da produzieren sie möglicherweise ihr bestes Album seit ihrem grossartig verschrobenen Debut „Return to the sea“ und verpassen ihm ein solches Antlitz, als wollten sie sagen „Fuck you, wir pfeiffen auf unsere Karriere“.

Aber eigentlich haben sie das auf die ein oder andere Weise ja immer getan. Denn obwohl sie perfekte Pop-Songs ausdenken können, so produzieren sie doch sehr selten einen. Sie nehmen Umwege über Überlängen, machen die Songs komplizierter und die Spielereien abwegiger.

Den Willen zur Popmusik haben Sie hier jedoch so konsequent umgesetzt wie noch nie. Man muss genau hinhören um die lustigen Spielereien zu entdecken welche an ihre erste Platte oder an das Vorgängerprojekt „The unicorns“ (erinnert sich noch jemand an diesen fantastischen Witz?) gemahnen.

Was ich an Ski Mask vielleicht vermisse, sind die wilden Stellen. Das ausgeflippte wie in „Volcanoes“. Aber so ist das wohl mit dem erwachsen werden.

Und Islands sind defintiv erwachsen geworden. Die Songs sind mit gebrochenem Herzen geschrieben  (Are you impressed with how depressed I’ve become?) aber trotz der lyrisch eher schweren Kost ist das Album musikalisch mitnichten traurig geworden. Es tönt voll und ist schön geerdet ohne in Folkmusik ertränkt worden zu sein. Sänger und Songwriter Nicholas Thorburn (die einzige Konstante in Islands) hat noch immer eine charmante, melodiöse Stimme und die Songs sind stärker als z.B. in den (auch empfehlenswerten) Alben „Vapours“ und „Arm’s Way“ (in welchem er die Songs mehr zerfahren gestaltete und irgendwie fast schon ein wenig Prog-Rock war). Hier ist das Songwriting direkt aber eben nicht langweilig, vielleicht eine verspieltere Fortsetzung zu „A sleep and a forgetting“.

Islands begeistern mich nicht mehr. Und dies schon seit Album zwei. Aber ich bleibe ihnen treu, weil sie es verdient haben und weil sie eben auch mit Ski Mask trotzdem saugut sind. 2006 standen sie ganz einsam in der Landschaft und sogar die Landschaft war nur ihre eigene. Es tönte Lo-Fi, es tönte ein wenig wie alkoholschwangere Tage am karibischen Strand, war bis in den letzten Ton verspielt und auch etwas überdreht. Da seither niemand mehr so ein Album veröffentlich hat, ist es klar dass man dies ein wenig vermisst. Aber im Nachhinein vergleiche ich die Islands mit einer weiteren kanadischen Band, den New Pornographers. Man mag im ersten Moment enttäuscht sein wenn man nach ihrem Debut „Mass romantic“ danach eine Platte wie „Together“ oder „Electric version“ hört aber man kann sie auch als eigenständige Werke betrachten und merken, dass sie auf ihre Art genau so gut sind. Selten kann eine Band ein zweites „ungestümes“ Debut produzieren.

Der upbeatige Song „Nil“ ist schmissig und jugendlich und es warten in „Wave forms“ oder „Becoming the gunship“ ein paar wundervolle Refrains. Kraftvoll und irgendwie fast euphorisch. Und ja, obwohl Islands erwachsen sind, tönen sie noch ganz schön frisch.

Anspieltipps: Wave forms, Becoming the gunship, Death drive, Of corpse

 

Und unbedingt aus Nostalgiegründen „Volcanoes“:

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