INTERVIEW MIT ROYAL BLOOD

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Hotel Michelberg, Berlin 06. Mai 2014 – In Deutschland sind „Royal Blood“ noch ein Geheimtipp. In England gelten Mike Kerr (Bass) und Ben Thatcher (Schlagzeug) jedoch längst als das heisseste Duo der britischen Rockmusik. Obwohl die Band gerade einmal zwei Singles herausgebracht hat, wurde sie kürzlich sowohl für den heiß begehrten „MTV Brand New for 2014 Award“ als auch den renommierten „Sound of 2014 Award“ der BBC nominiert. Am 6. Mai debütierte „Royal Blood“ in Deutschland im Berliner Club „Bi Nuu“. Grund genug für den „Kulturblog“, vor dem Konzert mit dem Duo über die Gründung der Band, ihre Musik und natürlich die neue Single „Little Monster“ zu sprechen.

Der Kulturblog: Mike und Ben, zunächst einmal, jeder, der einmal einen Song von Euch gehört hat, wird sofort zugeben, dass eine Menge Kreativität und Talent in Euren Adern fließt. Steckt vielleicht auch etwas königliches Blut in Euch oder wie ist es zu dem Bandnamen “Royal Blood“ gekommen? Vielleicht gibt es ja auch eine kleine Geschichte hierzu?

Mike: Also, so genau habe ich das jetzt noch nicht nachgeforscht, wie eng verwandt wir mit dem britischen Königshaus sind. Aber wir glauben, dass der Name „Royal Blood“ ganz gut passt, also dass er die Musik, die wir machen, gut zum Ausdruck bringt. Wir wollten jedoch auch damit deutlich machen, dass wir aus England kommen. Wir klingen ja mit unserer Musik ziemlich amerikanisch und wurden tatsächlich auch von ziemlich vielen US-Rockbands beeinflusst. Deshalb glaube ich, dass wir mit „Royal Blood” einen ganz guten Namen gefunden haben.

Der Kulturblog: Wir seid Ihr beiden überhaupt zusammengekommen? Habt Ihr in anderen Bands gespielt, bevor es “Royal Blood“ gab?

Ben: Ja, genau. Als wir uns das erste Mal trafen, da hatten wir einen Auftritt in einem Club, waren aber in verschiedenen Gruppen. Jeder mochte die Musik, die der andere machte, und so blieben wir in Verbindung. Und dann habe ich mich mit Mike zusammengetan. Wir haben damals zunächst bei Hochzeiten Musik gemacht, sind auch bei verschiedenen Veranstaltungen aufgetreten und so etwas. Und dann ging Mike eine Weile fort, er ist ein bißchen herumgereist. Dann kam er zurück und wir gründeten gemeinsam „Royal Blood“.

Der Kulturblog: Die Dinge haben sich ja für “Royal Blood” sehr schnell und gut entwickelt. Obwohl die Band erst vor etwa einem Jahr gegründet wurde, wurden Euch ja schon sehr viel Interesse und Aufmerksamkeit seitens der Musikindustrie und der Medien zuteil. Kürzlich wurdet Ihr für wichtige Awards von MTV und der altehrwürdigen BBC nominiert. Es gibt mehr Gigs, mehr Tourneen. In Finsbury Park, London, werdet Ihr am 23. Mai als Support Act der „Artic Monkeys“ auf die Bühne gehen und vor zigtausenden Menschen spielen. Also ein ganz großes Ding. Wird Euch da nicht manchmal ein wenig schwindelig oder bereitet es vielleicht sogar Sorgen, dass das alles ein bißchen viel ist und zu schnell geht?

Mike: Nein, es ist alles furchtbar spannend. Anders lässt sich das meines Erachtens gar nicht sagen. Ich meine, wir machen jedenTag etwas, bei dem wir uns in den Arm kneifen müssen, um uns zu vergewissern, dass dies kein Traum ist, sondern wirklich passiert. Nein, ich glaube, nervös oder so sind wir nicht. Ich meine, alles geschah genau in dem Tempo, wie wir uns das gewünscht hatten. Wir fühlen uns auch in keiner Weise gedrängt oder gar unbehaglich. Im Gegenteil, für uns ist das alles ganz easy, Musik vor einem Publikum zu spielen. Und dann, vor 50.000 Leuten auf der Bühne mit unseren Instrumenten zu stehen, das ist doch einfach ganz toll. Ich hänge mir meine Gitarre um, schalte meine Anlage ein. Nein, also, wir sehen das ganz entspannt.

Der Kulturblog: Wie ist das denn bei dir, Ben? Empfindest du ähnlich?

Ben: Genau das gleiche. Ich glaube auch, es ist im Übrigen doch so, dass die Medien uns erst seit kurzem wahrnehmen. Aber davor gab es jede Menge Arbeit für uns, bis bekannt wurde, dass wir Songs schreiben und gemeinsam Musik machen. Also, für uns war das schon eine ziemlich lange Zeit. Wir hatten uns super vorbereitet und konnten es kaum erwarten, Konzerte zu geben und so. Denn wir waren ja sechs Monate im Studio eingesperrt. Und als wir dann anfingen, Singles herauszubringen, da ging es dann wohl ziemlich schnell los. Aber das Ganze hatte eben eine ziemlich lange Vorgeschichte. Weißt du, man muss schon ziemlich hart arbeiten, bis irgendetwas überhaupt einmal passiert. Also, für uns ging die Sache nicht ganz so schnell ab, wie das andere Leute vielleicht meinen.

Der Kulturblog: Sprechen wir doch mal über Euren Sound. Wenn ich Eure Musik höre und mich nur auf meine beiden Ohren verlasse, muss ich mich immer wieder zwingen, daran zu denken, dass hier ja nur zwei Leute spielen. Und da frage ich mich natürlich, wie das möglich ist, dass ein bloßes Duo einen so riesigen Sound erzeugen kann. Nehmt Ihr bei den Aufnahmen im Studio elektrische Gitarren neben dem Bass dazu? Verwendet ihr irgendwelche Zusatzgeräte? Vielleicht sind ja auch mehr Musiker im Studio dabei?

Mike: Nein. Im Gegensatz zu dem, was viele Leute glauben, ist alles auf unseren Aufnahmen genau so, wie live auf der Bühne. Also da gibt es keine weiteren Gitarren oder extra Geräte. Ich verwende zwei Verstärker der Klasse E. Dann habe ich einen eigenen Fußschalter. Aber das behalte ich für mich. Keiner weiß das, weil wir das geheim halten. Ja, das ist also mein Sound. Ich glaube aber, dass der Hauptgrund, warum wir wahrscheinlich größer als eine Zweimannband klingen, wohl darin besteht, dass Ben und ich gemeinsam Musik machen, seit wir 15 Jahre waren. Die Chemie zwischen uns beiden stimmt ganz einfach. Wir wissen, wie wir zusammen arbeiten, wir kennen einander sehr gut, wissen, wie man Stücke schreibt und spielt and natürlich wie man größer als zwei Leute klingt.

Der Kulturblog: Ben, das bringt mich zu den Wurzeln Eurer Musik. Ich widerstehe
jetzt einmal hier der Versuchung, irgendwelche müßigen Vergleiche mit anderen Bands anzustellen, wie z.B. “The White Stripes”, “Black Keys”, “Rage against the Machine” und so weiter. Das ist ja auch alles ganz ok. Aber ich frage mich, gibt es da vielleicht noch andere Einflüsse in Eurer Musik, die vielleicht gar nicht so offensichtlich sind?

Ben: Ja durchaus, viele. Ich meine, wir leben ja inmitten einer großen Vielfalt unterschiedlichster Musikstile. Inspiration kannst du von überall herbekommen. Also z.B. von einer Jazzplatte oder davon, dass du dir etwas von “Queens of the Stone Age” oder gar von den guten alten “Black Sabbath” anhörst. Das ist alles so ein bißchen gemischt. Für uns ist jeder Song anders. Deshalb ist das mit dem Schreiben auch jedesmal anders. Und die Songs stammen aus verschiedenen Quellen. Aber wenn wir mit den “White Stripes”, “Black Keys” usw. verglichen werden, gefällt uns das eigentlich auch ganz gut, denn das sind ja schließlich alles großartige Bands. „Black Keys“ und so, das sind Duos genau wie wir, und ich glaube, dass es einen bestimmten Sound gibt, der ein Duo eben ausmacht. Besonders wenn man diese Art von Rock’n Roll spielt wie wir. Da hast Du dann Teile von Songs, die klingen eben nach „The White Stripes“. Deshalb gehen diese Vergleiche für uns in Ordnung.

Der Kulturblog: Wie siehst du das, Mike? Möchtest du auch etwas dazu sagen?

Mike: Mich hat vor allem Jeff Buckley sehr stark beeinflusst. Also, was der gemacht hat, ist ja schon ein bißchen anders, als das, was wir machen. Aber dessen Musik fand ich eben ganz toll. So wie der seine Stimme eingesetzt hat. Tatsächlich habe ich Jeff Buckley noch vor “Led Zeppelin” gehört. Und als ich dann “Led Zeppelin” hörte, da war ich wohl 15 Jahre oder so, da dachte ich, dass sich die Stimmen ziemlich ähnelten. Ich habe dann später erfahren, dass “Led Zeppelin” Jeff Buckleys Lieblingsband war. Er hat sich oft Plant’s Gesang angehört. Also, Jeff Buckley ist für mich ein ganz Großer.

Der Kulturblog: Ben, einmal abgesehen von den Wurzeln Eurer Musik, die Ihr als Band macht, gibt es oder gab es wie bei Mike persönliche musikalische Vorbilder für dich als Schlagzeuger?

Ben: Ja, auch ich habe Jeff Buckley und andere wie z.B. die „Beatles“ gehört. Gute Schlagzeuger sind für mich vor allem John Bonham von „Led Zeppelin“ und Dave Grohl von „Queens of the Stone Age“. Also, der Letztere ist wirklich heftig. Aber auch Chad Smith, den Schlagzeuger der „Hot Chilli Peppers“, finde ich gut. Zu der Platte “Blood Sugar Six Magic” von den „Peppers“ habe ich übrigens als Junge immer gespielt und so Schlagzeug gelernt. Also, da gibt es ganz, ganz viele verschiedene Dinge, die mich inspiriert haben.

Der Kulturblog: Wie läuft denn das Schreiben der Songs bei Euch ab? Arbeitet Ihr im Team an jedem einzelnen Teil eines Stücks, wobei alles gemeinsam diskutiert und entschieden wird? Oder teilt Ihr die Arbeit unter Euch auf, wobei einer dann die Texte schreibt und der andere für die Musik zuständig ist?

Mike: Na ja, wenn wir schreiben, versuchen wir das so weit wie möglich gemeinsam zu machen. Da wir ja nur zu zweit sind, ist es für uns wirklich wichtig, dafür zu sorgen, dass wir gemeinsam schreiben. Wenn das Schlagzeug dran ist, weiß Ben, was er tut. Klar, es kann mal so sein, dass ich auch eine Idee habe, aber Ben kümmert sich darum, was zu tun ist. Und so ähnlich ist das auch, was meinen Teil, das Schreiben der Texte angeht. Aber alles geschieht immer gleichzeitig und im selben Raum.

Der Kulturblog: Vor kurzem habt Ihr Eure zweite Single “Little Monster” herausgebracht, die offenbar auch sehr gut ankommt. Könnt Ihr uns etwas Näheres zu dem Song sagen?

Mike: Also, das Stück haben wir vor etwa sieben oder acht Monaten geschrieben. Wir waren da in einem Raum, haben zusammen gejammt und uns manchmal dabei mit unseren Handys gefilmt. Dann haben wir uns angesehen und angehört, was wir da so alles gemacht haben. Da gibt es einen kleinen Teil in einer langen Session, die wir gespielt haben, wo der Refrain kommt. Den haben wir uns am nächsten Tag noch einmal genauer angehört, und wir fanden, dass das echt gut klang. Also, dieser Song ist uns sozusagen zugefallen, und wir hatten wirklich Glück, dass wir den selbst geschrieben haben. „Little Monster“ ist ein rauhes, wirklich kraftvolles Stück mit einem Text, der echt unter die Haut geht. Und wir meinen, der Song ist ein wichtiger Schritt, um unsere Musik und die Band Leuten vorzustellen, die uns noch nicht kennen.

Der Kulturblog: Wie läuft denn die Arbeit an Eurem Debütalbum? Wann kommt es raus und was können die Leute erwarten?

Ben: Ja, wir haben praktisch das ganze letzte Jahr an dem Album gearbeitet. So ein bißchen ist das Ganze wohl auch aus Versehen entstanden. Wir schrieben da so an ein paar Stücken herum, und am Ende kam dieses Album dabei heraus. Wir haben es zum größten Teil fertig. Na ja, fertig ist es natürlich erst dann, wenn es raus ist. Wir arbeiten immer noch ziemlich viel dran, um das Produkt zusammenzubringen, z. B. was die Illustrationen für das Cover anbetrifft. Wir haben einen Freund, der das macht. Das alles auf die Beine zu stellen, ist ganz schön kreativ. Das Album kommt wohl im Spätsommer raus.

Mike: … wir hoffen im August.

Der Kulturblog: Mike Kerr und Ben Thatcher, vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für dieses Interview genommen habt, und viel Glück für Eure weitere Karriere.

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