Interview mit der Thrillerautorin Susanne Kliem

image

 

Susanne Kliem wurde 1965 am Niederrhein geboren. Sie arbeitete als Pressereferentin für Fernsehserien von ARD und ZDF und für das größte deutsche Theaterfestival »Theater der Welt«. Seit 2009 schreibt sie Krimis, für die sie bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. Der Kultur Blog traf die Autorin Susanne Kliem zum Interview auf der Leipziger Buchmesse:

[separator]

Der Kulturblog: Guten Tag Frau Kliem. Schön, dass Sie Zeit für ein Interview mit uns gefunden haben. Bevor wir einige Fragen zu Ihrem spannenden Buch stellen, möchten wir wissen, was ist für Sie ein perfekter Tag?

Ein perfekter Tag muss auf jeden Fall am Meer sein. Morgens ausschlafen gehört dazu, dann ein Spaziergang am Strand, nachmittags ein ausgedehnter Saunabesuch, abends ein leckeres Essen – und das Ganze am liebsten gemeinsam mit meinem Mann.

Wenn Sie sich mit drei Worten beschreiben sollen, welche Worte fallen Ihnen da ein?
Hartnäckig, und … oh, das ist schwer … Sensibel. Und ja, humorvoll.

Warum schreiben Sie gerade Krimis und woher nehmen Sie die Inspiration dazu?

Ich lese selbst sehr gerne Krimis. Mich faszinieren Charaktere, die aus ihrem normalen Leben heraus in Abgründe stürzen. Was läuft in ihrer Psyche ab, was geschieht in ihren Herzen? Der Leser lernt die Figuren durch ihre Gedanken und ihre Gefühlswelt kennen, aber vor allem auch durch ihre Handlungen. Und ein Verbrechen ist ein Ereignis, das sehr plausibel viele Handlungen nach sich zieht, denn es ist existenziell.
Als ich mit dem Schreiben anfing, habe ich es außerdem als hilfreich empfunden, im Krimigenre bestimmte Regeln vorzufinden.

In Ihrem neuesten Thriller geht es ja um das Thema Mobbing in seiner schlimmsten Form. Mobbing ist kein neues Phänomen, in der Schule, im Büro oder im Internet – man begegnet ihm immer häufiger. Ist das auch der Grund, warum Sie dieses Thema aufgegriffen haben?

Nicht direkt. Der Begriff Mobbing bezeichnet eigentlich Schikanen, die über einen längeren Zeitraum stattfinden – in meinem Buch hingegen sieht sich Janne Amelung nur für eine relativ kurze Zeit, aber dafür besonders schlimmen Intrigen ausgesetzt. Mobbing ist dennoch ein gutes Stichwort, um den Roman vorzustellen, denn jeder kann sich vorstellen, wie sich das Opfer fühlt: hilflos und ohnmächtig, denn es kann sich nicht wehren. Es gibt ja keinen sichtbaren Gegner. Es geschieht nichts offen. Mobbing ist in meiner Geschichte aber vor allem ein Symptom. Noch viel mehr interessieren mich die Ursachen, warum gemobbt wird. Was steckt dahinter? Das Bedürfnis nach Macht? In meinem Thriller möchte ich hinter die Fassaden blicken, hinter die der Opfer, aber auch hinter die der Täter.

Susanne Kliem auf der Leipziger Buchmesse

Die Protagonistin Janne Amelung ist ja besonders erfolgreich in ihrem Beruf und dazu sehr beliebt – doch sie erfährt Mobbing. Glauben Sie, dass Frauen häufiger gemobbt werden? Welche Gründe können Sie sich dafür vorstellen?

Ich weiß nicht, ob Frauen häufiger gemobbt werden, doch sie sind oft offener und verständnisvoller, zeigen eher Emotionen und sind vielleicht deshalb verletzlicher und möglicherweise eher betroffen.
Meine Heldin Janne kann außerdem nicht gut „nein“ sagen. Dahinter steckt viel mehr als nur die Erziehung zum „folgsamen Mädchen“. Janne hat eine Mutter, die ihr keine Liebe geben konnte, und sie sucht noch als erwachsene Frau nach diesem Gefühl, bedingungslos angenommen zu sein. Vanessa Ott interessiert sich für sie und bringt ihr Zuneigung entgegen, doch mit einem Schlag wird sie abweisend und kalt, ohne dass Janne versteht, warum. Janne stürzt in ihr altes Verhaltensmuster, sie sucht die Schuld bei sich. Und damit ist als Opfer ziemlich perfekt.

Glauben Sie, dass Bücher lesen bei solchen Problemen hilft?

Es gibt sicher Ratgeber, die hilfreich sein können. In meinem Buch gibt es mit Sicherheit keine Tipps, wie man damit umgehen kann, sondern mir geht es ja darum, eine spannende Geschichte zu erzählen.

Während Sie schreiben, hören Sie dabei Musik und wenn ja, welche?

So gerne ich auch Musik dazu hören würde – bei mir klappt das leider nicht. Ich habe wieder und wieder versucht, aber sie lenkt mich zu sehr ab. Stimmengewirr oder Verkehrslärm hingegen stören mich überhaupt nicht. Ich arbeite in der Staatsbibliothek. Dort wird seit Jahren mit Presslufthämmern gebohrt und gehämmert, das kann ich komischerweise meist ausblenden, aber Musik geht überhaupt nicht. Vielleicht, weil sie – genau wie das Schreiben – meine Emotionen anspricht.

Susanne Kliem Die Beschützerin

Aktuelles Buch: Die Beschützerin

Arbeiten Sie schon an einem neuen Buch? Ist es auch wieder ein Thriller?
Ja, es wird wieder ein psychologischer Thriller. Zwei Familien ziehen aus der Großstadt in ein Dorf und gründen eine „Edel-Land-WG“. Sie suchen Idylle und einen Neuanfang, doch es gibt Konflikte, und das Ganze wird ein Desaster. Es geht in dem Roman auch wieder um meine Lieblingsthemen Manipulation und Machtmissbrauch – und auch ganz viel um Eifersucht.

Welche Person aus Gesellschaft, Politik, Film oder Literatur hätten Sie gerne getroffen?
Oh, das ist schwer. Aber – ja, ich glaube, ich hätte gerne Simone de Beauvoir getroffen. Ich stelle sie mir mutig und intelligent vor, lebenssprühend, eine ganz und gar unangepasste Frau.

In Ihren Krimis beschreiben Sie menschliche Abgründe – was ist Ihre persönliche Lebensphilosopie?

Ich habe für mich herausgefunden, dass sich nichts im Leben erzwingen lässt – auch durch größte Anstrengungen nicht. Man muss warten können, sich Zeit nehmen, dann passieren die richtigen Entscheidungen und Entwicklungen irgendwann von selbst. Auch bei mir war das so. Als die Zeit reif dafür war, habe ich einen tollen Verlag für mein Buch gefunden, und es hat sich alles gut ergeben.

Liebe Frau Kliem, wir danken Ihnen sehr für das Gespräch.

[separator]

Mehr Informationen im Web:

[space height=“10″] [space height=“10″]

Buchbesprechung „Die Beschützerin“:

Die-Beschützerin

 

Send this to friend