INTERVIEW MIT ASA

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Sie ist eine außergewöhnlich talentierte Sängerin und Songwriterin. Viele nennen sie die neue Stimme Afrikas. Wir trafen Bukola Elemide alias Asa zum Interview im Lichthof des Indigo Hotels in Berlin Alexanderplatz. Ihr Video zur Single Dead again hatte uns auf sie aufmerksam gemacht und wir waren sehr gespannt darauf, Asa kennenzulernen.

Der Kultur-Blog: Ich habe mich ein bisschen mit Ihrer Biografie beschäftigt und gelesen, dass Sie aus Nigeria stammen, doch auch einen Teil Ihres Lebens in Europa, d.h. vor allem in Paris verbracht haben. Beide Kulturen, Afrika und Europa, haben ja ihre eigenen musikalischen Traditionen und Musikstile. Welches musikalische Erbe hat Sie denn eigentlich mehr beeinflusst, Afrika oder der Westen?

Das war eine ganz bunte Mischung, von Anfang an. Mein Vater spielte zuhause die ganze Zeit Musik. An Musik bestand bei uns kein Mangel. Dann sang ich gemeinsam mit meinen Brüdern in einem Chor. Wenn wir es einmal nicht rechtzeitig zum Chor schafften, haben wir herum geklimpert, gesungen, bis es Zeit war, zu Bett zu gehen. Die Musik hat mich also mein Leben lang begleitet, von der frühen Kindheit an bis in das Erwachsenenalter. Ja, und was Einflüsse angeht, Marvin Gaye war sehr wichtig für mich. Ich glaube, es war wohl sein Foto auf der Vinyl-Hülle seines Albums. Da trägt er einen Regenmantel, weil es regnet. Er lächelt, doch seine Augen blicken irgendwie traurig. Und ich dachte: Was geht da in ihm vor? Was geschieht mit ihm? Warum dieser Blick? Ich meine, es war nur ein Bild, aber der Typ war nicht glücklich. Er hatte irgendetwas an sich. Und dann hörte ich seine Songs. „What’s going on?” und “Sexual healing”. Das war ein intensives Gefühl, das meinen Körper ergriff und mich sofort auf eine imaginäre Bühne versetzte. Also für mich fing das alles ganz früh an.

Der Kultur-Blog: Gibt es bestimmte Sänger oder Songwriter, die für Sie Vorbilder waren, neben Marvin Gaye?

Marvin Gaye war nicht nur ein Vorbild, sondern einer der Menschen, die wollten, dass ich Musik mache. Denn ich spürte, da ging es nicht nur um den Gesang. Da war noch etwas anderes. Etwas Lebendiges. Da war etwas Menschliches hinter der Fassade. Und natürlich gab es viele andere. Miriam Makeba, die „Mutter Afrikas“. Alle Mädchen wollten so sein wie sie, wenn sie groß sind. Und James Brown.  Und dann natürlich Ella Fitzgerald. Ich weiß noch, als ich Ella das erste Mal gehört habe. Das hat mich einfach umgehauen. Ich habe mir einen Walkman von jemandem geborgt und Ella immer wieder gehört. Ich glaube, ein bisschen von ihr findet sich in meiner neuen Single. Der Rhythmus, den sie hat, der Wunsch, frei zu sein in dem, was sie singt, dieses Jazz Feeling. Das ist einfach sehr schön.

Der Kultur-Blog: Das Promotion-Video für Ihren neuen Song DEAD AGAIN wurde von unserer Redaktion zum “Video des Tages” gewählt. Die Choreographie ist wirklich großartig. Haben Sie daran mitgewirkt?

Ja, das habe ich. Ich arbeite mit einer Choreographin zusammen, die  ihren eigenen persönlichen Stil hat, der wirklich sehr hübsch ist. Ich hatte aber dennoch das Gefühl, dass ich noch etwas Kultivierteres wollte. Der Song ist ja riesig und sehr kraftvoll. Wir brauchten deshalb noch etwas Sanftes, das das Kraftvolle des Songs kompensiert. Wenn ich tanze, mag ich es sehr, geschmeidig und auf eine sehr weibliche Art zu tanzen. Also haben wir einen Kompromiss gemacht und eine Möglichkeit gefunden, die beiden Tanzstile zu integrieren.

Der Kultur-Blog: Arbeiten Sie eigentlich mit einer festen Band zusammen und wenn ja, wer sind die Mitglieder?

Wir haben dieses Mal eine neue Band. Einige der alten Mitglieder sind noch dabei, z.B. mein Schlagzeuger, mit dem ich seit meinem ersten Album zusammenarbeite. Und auch von der Technik sind noch ein paar Leute dabei. Ich bin aber dabei, mir eine neue Band zusammenzustellen.

Der Kultur-Blog: Ihre Lieder zeigen ja eine breite Vielfalt von Themen, wie z.B. Liebe, das Bedürfnis nach Spiritualität, die Lust zu feiern oder einfach auch den Wunsch, eine Tasse Tee mit ein paar guten Freunden zu trinken. Woher nehmen Sie die Inspiration zu Ihren Songs?

Also, ich glaube zu allererst aus der Beobachtung von Menschen. Ich bin sehr gerne mit Menschen zusammen. Ich fahre gerne mit dem Zug. Oder ich mag es, mich an Bushaltestellen hinzusetzen und zu schauen. Ich gehe gerne durch die Stadt von meiner Wohnung zu, sagen wir einmal, jemanden, den ich treffe. Oder im Flughafen in einer Wartehalle zu sitzen. Oder im Cafe. Ja, ich bin sehr gerne in Cafes und beobachte dann die Leute. Das ist sehr inspirierend. Denn wenn man Menschen beobachtet, macht man bestimmte Wahrnehmungen. Zum Beispiel ein Pärchen in der Metro. Die küssen sich die ganze Zeit und spielen miteinander. Ihre Hände, die sich immer berühren. Manchmal frage ich mich: Ist das neue Liebe oder alte? Wie sieht neue Liebe aus? Wie sieht alte Liebe aus? Oder beispielsweise, ich habe ein älteres Paar gesehen, das immer noch Hand in Hand geht. Da sage ich mir: Wahnsinn! Das ist so schön. Oder ich sehe einen Typen, der sich nicht rasiert hat. Und da denke ich: Der könnte sich auch mal wieder rasieren. Was ist mit ihm los? Solche Dinge. Und wenn man so etwas sieht, entstehen in Deinem Kopf Bilder und Geschichten. Wie bei einem Film. All das zu erleben, ist sehr inspirierend.

Der Kultur-Blog: Wenn Sie ein Lied schreiben, was fällt Ihnen zuerst ein, der Text oder die Musik?

Immer zuerst die Musik. Aus der Musik, denn aus der Melodie entsteht ein Bild, das irgendwie Gestalt annimmt, woraus sich dann der Text ergibt. So ist das. Nie anders herum.

Der Kultur-Blog: Was glauben Sie, wo werden oder wollen Sie als Performer und Songwriter in zehn Jahren sein?

Wo ich in zehn Jahren sein werde? Tja. Ich habe immer gesagt, ich möchte weiter singen. Weiter schreiben, tolle Musik machen, auf großen Bühnen stehen und fantastische Künstler kennenlernen. Wenn das geklärt ist, regelt sich alles andere von allein. Natürlich möchte ich mich auch sozial engagieren. Der Gesellschaft etwas zurückgeben. Junge Menschen inspirieren, vor allem junge Männer, die, wenn man ihnen keine Orientierung gibt, vielleicht vom rechten Weg abkommen. Und ich weiß, was das bedeutet. Also, ich möchte eigentlich das weiter machen, was ich jetzt tue.

Der Kultur-Blog: Welche Musik hören Sie denn gerne, wenn Sie zuhause sind?

Das ist ganz unterschiedlich, hängt immer von der Stimmung ab. Heute wollte ich Rockmusik hören. Ich weiß nicht warum. Vielleicht, weil ich heute einige Aufgaben zu erledigen habe. Oder ich bin im Badezimmer. Ich bin nicht gerne stundenlang im Badezimmer. Denn ich mag Wasser nicht übermäßig, aber ich brauche es, wie jeder normale Mensch,. Aber so wie manche Leute, die sagen sie könnten im Badezimmer klar denken, so ist das bei mir nicht. Also musikmäßig habe ich ganz verschiedene Sachen auf meinem iPod. Da gibt es Popsongs, Jazz, Soul, Reggae, Hiphop und Funk. Was ich dann höre, hängt ab von der jeweiligen Stimmung und davon, wo ich mich befinde.

Der Kultur-Blog: Lagos und Paris sind große und sehr dynamische Städte, beide sind Heimat vieler Kulturen und Religionen. Wie gefällt Ihnen denn Berlin im Vergleich zu diesen beiden Städten?

Mir gefällt die Architektur hier. Ich mag die Häuser und Wohnungen. Die Architektur hat irgendwie etwas Nostalgisches. Dennoch ist Berlin eine pulsierende, sehr lebendige Stadt. Mit einem reichen Erbe an elektronischer Musik. Paris ist groß, multikulturell, riesig. Ich glaube, das ist Berlin auch. Lagos ist ebenfalls sehr groß, tolle Musik gibt’s dort, so im Karibikstil. Aber gleichzeitig irgendwie einzigartig afrikanisch geprägt. Also diese Städte sind sich alle sehr ähnlich, haben aber unterschiedliche Lebensrhythmen. Lagos ist sehr schnell, sehr, sehr schnell; enorm hektisch. Die Menschen, die schon früh morgens sprechen. Die Hahnenschreie. Ja, man hört wirklich Hahnenschreie. Mitten in der Stadt. So etwas habe ich hier nicht gehört, auch in Paris nicht. Hahnenschreie und lautes Autohupen. Dann der Schlamm, die vielen Menschen, die dadurch müssen auf dem Weg zur Arbeit. Und unheimlich viel Verkehr. Autoschlangen, die von hier bis endlos reichen und nie abreißen. Und dann das Drama auf den Straßen selbst. Schon ein kurzer Weg zur Arbeit ist unglaublich. Die Menschen fluchen laut, machen dies und das. Das ist kein Vergnügen. Man braucht keinen Kaffee, um wach zu werden. Der Lärm der Straße reicht. Paris ist ganz anders. Der Vibe ist anders. Paris ist sehr extravagant. Man trinkt Kaffee. Um 12:00 Uhr isst man dann drei Stunden zu Mittag. Man nimmt alles ganz, ganz leicht. Paris ist kreativ. Das gilt aber auch für Berlin. Ich bin jetzt zwei Wochen hier. Mir gefällt das Tempo der Stadt. Berlin ist cool und modern. Es erinnert mich ein bisschen an London, mit den vielen Leuten, die hier herziehen. Also mir gefällt’s richtig gut.

Der Kultur-Blog: Sie gehen ja oft auf Tournee rund um die Welt und halten sich an ganz verschiedenen Orten auf. Wo fühlt man sich da eigentlich richtig zuhause, wenn man so oft wie Sie unterwegs ist? Oder ist das ein bisschen so wie „Da wo ich meinen Hut hinhänge, bin ich zuhause“?

(lacht) Na, jetzt haben Sie Paul Young zitiert. Nein, es ist schon ziemlich anstrengend. Die ganze Zeit auf Achse. Klar, zuhause bin ich sowohl in Lagos als auch in Paris. Aber es gibt für mich nichts Schöneres als auf Tour zu sein. Das bringt mich zum Nachdenken. Schon dieses dauernd in Bewegung sein bringt mich dazu, über die Dinge nachzudenken. Es ist so inspirierend. Im Flugzeug ist der Vibe völlig anders als wenn man mit beiden Beinen auf dem Boden ist. Ich liebe es zu reisen. Und wenn ich dann an die verschiedenen Städte denke, die alle so ihre eigene Atmosphäre haben, Tokio, Berlin oder Lausanne in der Schweiz. Das ist einfach erstaunlich und cool. Aber zuhause bin ich in Paris und Lagos.

Der Kultur-Blog: Ihr neues Album kommt ja im August heraus. Ich habe es gehört und finde es wirlich sehr gut gelungen. Gibt es denn auch schon Pläne für eine Tournee in Deutschland, um es den Fans vorzustellen?

Oh ja. Wir haben einen Auftritt bei einem Reeperbahn Festival in Hamburg. Und dann werden wir weitere Termine bekanntgeben. Das wird im September sein.

Der Kultur-Blog: Und noch zum Abschluss. Wir hatten ja gerade die Fashion Week in Berlin. Sind Sie eigentlich an Mode interessiert? Gibt es einen Designer, der Ihnen vielleicht besonders gut gefällt, und welche Mode mögen Sie am liebsten?

Oh ja, ich liebe die Mode sehr. Ich liebe Channel. Auch Yves Saint Laurent gefällt mir sehr gut. Ich habe viele seiner Schuhe. Dann mag ich auch MIM und COS. Das ist bei mir bunt gemischt. Auch die Sportmode finde ich ganz gut. Wenn ich mal ziemlich elegant gekleidet bin, dann trage ich aber Sneakers dazu, von Nike. Und ich trage gerne meine Brille. Also diese Mischung finde ich gut. Ich mag elegante Mode, aber ich breche sie gerne, indem ich Sneakers dazu trage. Ich möchte nicht allzu konservativ aussehen. Mir gefällt auch Dior. Auch Makeup mag ich. Und dann Brillen von Tom Ford. Diese Brille, die ich gerade trage ist von Tom Ford. Also, es ist eine Mischung aus alle dem.

Der Kultur-Blog: Asa, vielen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch mit uns genommen haben, und viel Glück und Erfolg für das neue Album und die Tournee.

Bisherige Alben der Künstlerin Asa:
2008: Aṣa
2009: Live in Paris
2010: Beautiful Imperfection
2014: Bed of stone

Singles

2008: Fire on the Mountain
2008: Jailer
2008: Subway
2010: Be my man
2014: Dead again

Themes

2009: „The Place to be“ für Guaranty Trust Bank

Das neue Album
ASA „Bed of Stone“
VÖ: 29.08.14

Web:
www.facebook.com/asaofficial
www.asa-official.com

iTunes: https://itunes.apple.com/de/album/bed-of-stone/id890434381
Amazon: http://www.amazon.de/dp/B00KZ5RP9E

Video zu Dead again

 

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