In der Republik des Glücks

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Es ist Weihnachten, drei Generationen sind vor dem Christbaum versammelt – eine schrecklich unnette Familie. Die beiden Töchter im Teenager-Alter liefern sich ein unentwegtes Zicken-Duell, die eine ist schwanger, die andere zerfressen von Eifersucht. Mom und Dad hassen sich inbrünstig, und die Großeltern scheinen überhaupt der Ursprung des Problems zu sein, Opa ein Lügner und Betrüger, der sich von seiner berufstätigen Frau zeitlebens hat aushalten lassen. Doch es kommt noch schlimmer in Gestalt von Onkel Bob, der in dieses kleine Fest des Unfriedens platzt. Draußen im Auto wartet seine Frau Madeleine, für die Bob als Bote und Sprachrohr fungiert. Und was sie ihm zu sagen aufgetragen hat, besitzt den Charme einer Neutronenbombe.


Der erste Teil von Martin Crimps neuestem Stück ist ein hochpotenziertes Familienfiasko, das sämtliche Lügen und Leichen im privaten Keller ohne Umschweife zum Tanzen bringt. Im zweiten Teil wechselt das Genre in einen Diskurs über „die fünf wesentlichen Freiheiten des Individuums“. Dazu gehört als erste Freiheit, „das Skript meines eigenen Lebens zu schreiben“ ebenso wie „die Freiheit, ein furchtbares Trauma zu erleiden“. Ein solches Trauma erleidet Onkel Bob, der hörige Ehemann und Rezitationssklave von Madeleine, im dritten Teil. Er fürchtet, verlassen zu werden und bangt um seinen Platz in der Republik des individuellen Glücks, das sich in seiner Zwanghaftigkeit als Terrorregime entpuppt.

von Martin Crimp
Deutschsprachige Erstaufführung
28. November 2013
Regie Rafael Sanchez
Bühne Janina Audick
Kostüme Ursula Leuenberger
Musik Cornelius Borgolte
Video Sacha Benedetti
Dramaturgie Anika Steinhoff

Besetzung
Christian Grashof, Margit Bendokat, Michael Goldberg, Judith Hofmann, Natalia Belitski, Lisa Hrdina, Franziska Machens, Peter Moltzen

weitere Vorstellungen:
am 3., 10., 23. und 26. Dezember

 

Foto: Arno Declair
Auf dem Bild: Margit Bendokat (Granny), Christian Grashof (Grandad)

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