I THINK I SPIDER – Vom Sinn und Unsinn des Englischen im Deutschen

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Der Titel I THINK I SPIDER löst insbesondere bei Menschen, die die englische Sprache beherrschen, Verständnislosigkeit aus. Erst auf den zweiten Blick erkennen sie den lustigen Unsinn dahinter. Und nicht wenige beneiden Engländer und US-Amerikaner darum, dass sie nahezu rund um den Globus verstanden werden. Anders dagegen verhält es sich mit der deutschen Sprache. Außer in den Ländern, wo Deutsch die Landessprache ist, sprechen sie nur wenige. Warum ist das so? Ist Deutsch zu schwer, nicht schön anzuhören? Dass sie nicht einfach zu lernen ist, werden die meisten Deutsch-Sprachschüler gerne bescheinigen. Die deutsche Sprachlehre ist kompliziert und für viele sind die meisten Wörter schwer auszusprechen. Und Deutsch hat eine Reihe von Sprachungetümen zu bieten wie „Abstandseinhaltungserfassungsvorrichtungen“. Zwar ein Begriff aus der Verwaltungssprache, aber nicht der Einzige.

Sprache ist lebendig und verändert sich stets – nicht nur das Deutsche. Gründe sind heute technischer Fortschritt und Globalisierung. Früher erfolgte der Sprachwandel zumeist über Eroberungen und Besetzungen durch andere Völker oder Migration. Aber warum hat sich in Deutschland die englische Sprache so viel Raum erobert? Weil auch die Deutschen ihre Muttersprache nicht mögen? Wo wir auch hinsehen, blühen Anglizismen. Ein Hausmeister wird jetzt Facility Manager genannt und eine Bäckerei auch schon mal gerne „Backshop“!!

Also sind Anglizismen nur blöd oder auch sinnvoll? Andreas Hock nimmt dies in seinem neuen Buch I THINK I SPIDER genauer unter die Lupe. Das macht er humorvoll und liefert zahlreiche missglückte Anwendungsbeispiele, die nicht selten in Medien, Werbung und Politik zu lesen und zu hören sind.

Was sehr spannend ist und der Autor gut vermittelt, ist das historische Hintergrundwissen, die linguistischen Hinweise zum Sprachwandel oder kognitiven Verirrungen rund um Sprache wie es bei „false friends“ der Fall ist. Hier ähneln Wörter aus beiden Sprachen sich in Schrift und Aussprache, haben jedoch eine völlig andere Bedeutung. Unser Wort Wimper hat so gar nichts gemein mit dem englischen „whimper“. Kein Wunder, dass es hier zu unterhaltsamen Kommunikationshindernissen kommen kann. Sprachfallen, in die man nach der Lektüre des Buchs nicht mehr so leicht hineinfällt.

Andreas Hock hat mit I think I Spider sehr genau analysiert, wie sich Sprache entwickelt, nimmt allzu eifrige Angophile ein wenig auf den Arm und zeigt auf vielerlei Weise, wie schön und immer noch aktuell die deutsche Sprache ist, auch oder gerade, weil sie sich unter dem englischen Spracheinfluss verändert hat.

I think I Spider

Andreas Hock
Vom Sinn und Unsinn des Englischen im Deutschen

978-3411748891

176 Seiten, Softcover.
Dudenverlag

Andreas Hock, Jahrgang 1974, ist freier Journalist, Biograf und Autor. Er schreibt seit 20 Jahren für verschiedene Zeitungen und Magazine. Von 2007 bis 2011 war er bei der Abendzeitung Nürnberg einer der jüngsten Chefredakteure Deutschlands. Inzwischen hat er zwölf Bücher geschrieben, darunter mit »Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?« einen Bestseller, der sich insgesamt 34 Wochen lang in der Spiegel-Bestsellerliste für Taschenbücher hielt.

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