Hockney/Hamilton – Expanded Graphics

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Das Mu­se­um Lud­wig in Köln bringt Filme des bri­tischen Kun­st­film-Pi­oniers James Scott (*1941) in einen Dia­log mit den Werken, von de­nen sie han­deln: David Hock­neys Il­lus­tra­tions for Four­teen Po­ems by C.P. Ca­va­fy (1966) und Ar­beit­en von Richard Hamil­ton. Hock­neys Zyk­lus haben die Köl­n­er Samm­ler Her­bert Mey­er-Ellinger und Chris­toph Vow­inck­el dem Mu­se­um 2016 geschenkt. Jet­zt ist er zum er­sten Mal aus­gestellt, zusam­men mit dem Samm­lungsbe­s­tand an Pa­pierar­beit­en von Hock­ney und Hamil­ton, ergänzt um Lei­h­gaben aus Pri­vatbe­sitz.

© David Hockney
Reproduktion: David Hockney, Inc.

Die Il­lus­tra­tions for Four­teen Po­ems by C.P. Ca­va­fy stam­men aus ein­er frühen, für seine En­twick­lung zen­tralen Schaf­fen­sphase von David Hock­ney (*1937 in Brad­ford, Großbri­tan­nien). Das Map­pen­w­erk führt drei Mo­tive von Hock­neys Kunst zusam­men: das In­teresse für die Aus­drucks­möglichkeit­en der Druck­gra­fik, die Frage nach dem Ver­hält­nis von Lit­er­a­tur und bil­den­der Kunst und die be­tont selb­stver­ständliche Darstel­lung von Ho­mo­sex­u­al­ität in ein­er hetero­sex­uell do­minierten Ge­sellschaft. Ger­ade diese Selb­stver­ständlichkeit wird in Scotts Kurz­film Love‘s Pre­sen­ta­tion (1966), der die Ent­ste­hung des Zyk­lus be­gleit­et, noch un­ter­strichen. Der Film zeigt den Kün­stler als Hand­w­erk­er und ge­ht auf die ho­moero­tischen Su­jets, die er im Bild aus­führ­lich doku­men­tiert, mit keinem Wort ein: nicht, weil er sie tabuisiert, son­dern weil er – wie Hock­neys Werk selbst – ei­nen Zu­s­tand vor­weg­n­immt, in dem die Un­ter­drück­ung über­wun­den und das Tabu längst vergessen ist.

Richard Hamilton My Marilyn (paste-up), 1964, Öl auf Fotografien Museum Ludwig, Köln, Schenkung Sammlung Ludwig 1976
© R. Hamilton, all rights reserved/VG Bild-Kunst, Bonn, 2019
Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln/ Britta Schlier

Richard Hamil­ton (1922–2011) war ein­er der früh­esten Vertreter der bri­tischen Pop Art. Hock­ney hat ihn porträtiert, 1971 protestierten beide Kün­stler ge­gen Ein­tritt­spreise für die bri­tischen Museen. Hamil­tons Druck­gra­fiken be­treiben Sub­ver­sion durch Af­fir­ma­tion, sie verdicht­en ba­nale Ver­satzstücke der Pop­ulärkul­tur (Starkult, Wer­bung, Postkarten), um die Leere hin­ter der Fülle, das Grauen hin­ter dem Kitsch her­vortreten zu lassen.

Scotts Film Richard Hamil­ton (1969) ist auch ein­er von Richard Hamil­ton. Er bringt die Kon­sumtem­pel, die Pop­s­tars, die durchgestrich­e­nen Mar­i­lyns zurück in den Fluss, löst sie auf in dem me­dialen Rauschen, dem Hamil­ton sie ent­nom­men hat. Film als ex­pand­ed graph­ics: nicht nur Ver­mittlung, son­dern auch Er­weiterung und Ver­flüs­si­gung von Kunst.

Ku­ra­torin: Ju­lia Frie­drich
19.Jan­uar – 14. April 2019

Neuer­wer­bun­gen und Ar­beit­en aus der Samm­lung, mit zwei Fil­men von James Scott
Museum Ludwig

Titelbild: Installationsansicht „Hockney/Hamilton. Expanded Graphics“, 2019, Museum Ludwig, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Jonas Klein

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