Herr Katō spielt Familie von Milena Michiko Flašar

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Herr Katō ist durch sein frisches Rentnerdasein in hohem Maße verunsichert. Bestimmt ist er krank. Er macht sich auf den Weg zum Arzt. Und wenige Tage später erfährt er, dass er kerngesund ist. Nicht eine klitzekleine Herzschwäche oder ein geringer Bluthochdruck ist beim ihm festzustellen. Allenfalls könnte die Diagnose „RHS“ lauten, die Abkürzung für das Retired-Husband-Syndrome. Doch das würde nicht nur ihn, sondern auch seine Frau treffen. Die dies mit ihrem neuen Tanzkurs versucht zu vertreiben.

Aber wie soll Herr Katō aus seiner trüben Stimmung kommen? Da trifft er auf die junge Mie, die ihm von ihrer Agentur „Happy family“ erzählt. Dort melden sich Menschen, denen der Großvater fehlt, die Tochter, die zu jung gestorben ist oder der Ehemann. Mie hält Herrn Katō für ausreichend talentiert, um bei ihr in der Agentur mitzuarbeiten. Und bald schon spielt Herr Katō Familie. Mal ist er Opa oder spielt einen Festredner bei einer Hochzeit. Ein Mangel an Rollen herrscht in der Agentur nicht.

Doch was ist mit seiner eigenen Familie? Erst allmählich lernt Herr Katō, seine neue Rolle in der eigenen Familie zu spielen. Und vieles ändert sich dann auch dort, wovon er bisher nur träumen konnte.

Milena Michiko Flašar erzählt so anschaulich schön und empathisch vom Neuanfang eines Mannes, von seinen Glücksmomenten, Träumen und Traurigkeiten, sodass die Geschichte sich beim Lesenden im Kopf fest einnistet, um so schnell nicht wieder daraus zu verschwinden.

Herr Katō spielt Familie
von Milena Michiko Flašar

Quartbuch. 2018
176 Seiten
ISBN 978-3-8031-3292-5
Wagenbach Verlag