Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore

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Nach der Trennung von seiner Frau ist der junge Maler, der gleichzeitig der Ich-Erzähler des Romans „Die Ermordung des Commendatore“ ist, sehr irritiert. Damit hatte er nicht gerechnet: Zwar war seine Frau oft wegen Überstunden abends nicht zuhause,und deshalb hatte es auch seltener sexuelle Begegnungen zwischen ihnen gegeben. Seine Naivität ärgert ihn, er hatte nicht bemerkt, dass seine Frau längst schon einen anderen Mann liebte. Er kündigt seinem Manager an, in nächster Zeit keine Auftragsmalereien mehr anzunehmen, und reist erst einmal ziellos in Japan umher. Eine Weile reichen seine finanziellen Rücklagen aus.

Auch künstlerisch will er nun einen Neuanfang wagen. Die Porträtmalerei hatte er nur betrieben, um eine finanzielle Grundlage zu besitzen. War es das, was ein kreatives Vakuum hatte entstehen lassen? War seine Frau deswegen von ihm enttäuscht und hat sich anderweitig umgesehen? Fragen, die ihn während seiner Reise umtreiben.

Schließlich will der Maler jedoch wieder zur Ruhe kommen und erhält von einem Studienfreund die Möglichkeit, im Haus seines Vaters zu wohnen. Dieser ist ein berühmter japanischer Maler, der jedoch an Demenz erkrankt ist und nun in einem Seniorenheim lebt. Der junge Maler richtet sich dort ein, und die Atmosphäre und der eigentümliche Charakter des Hauses, das scheinbar immer noch die Präsenz des Künstlers atmet, beeindrucken ihn sehr. Vom Dachboden des kleinen Anwesens hört er des nachts Geräusche. Als er ihnen nachgeht, findet er eine Eule, die sich dort niedergelassen hat. Und ein geheimnisvolles Paket. Er nimmt es und trägt es nach unten. Zuerst zögert er noch, doch dann öffnet er es. Es enthält ein Gemälde mit dem Titel „Die Ermordung des Commendatore“, das eine dramatische Szene zeigt und wohl vom ehemaligen Hausherrn stammt. Das Gemälde beeindruckt den jungen Maler sehr, doch schließlich stellt er es eingepackt wieder fort. In dem Bewusstsein, dass der Künstler es wohl nicht öffentlich machen wollte.

Wenige Tage später erhält der junge Maler einen Anruf von seinem Manager, der ihm ein äußerst lukratives Angebot unterbreitet. Er soll das Porträt eines in seiner Nachbarschaft wohnenden sehr reichen Mannes anfertigen. Nach einigem Zögern nimmt der Maler an, obwohl ihm die Bedingungen eigentlich nicht zusagen. Der Kunde, Wataru Menshiki, will ihm Modell sitzen. Zuvor hatte der Künstler Modellsitzungen stets vermieden, nur ein intensives Gespräch mit dem Kunden geführt.

Der Maler ist beeindruckt von Menshiki, doch kann er die Persönlichkleit des Mannes zunächst nur schwer erfassen, deswegen bleibt die Leinwand auch leer. Bis es zu einem merkwürdigen nächtlichen Ereignis kommt, bei dem er die Hilfe seines Nachbarn Menshiki benötigt und eine unglaubliche Entdeckung macht.

Ist seine Zeit jetzt gekommen? Befreit sich sein Unterbewusstsein, nachdem das nächtliche Rätsel teilweise gelöst ist, und hilft seinen schöpferischen Fähigkeiten wieder an die Oberfläche? Wollte er vielleicht zu viel wissen? Und wenn ja, muss er dafür einen Preis bezahlen, der zu hoch ist?

Die magische Anziehungskraft der Werke von Haruki Murakami ist auch in diesem Roman wieder unverkennbar spürbar. Die Brillanz seiner Erzählweise ergibt zusammen mit den mysteriösen Vorgängen, die der mystischen Tradition der japanischen Kultur verhaftetet sind, wieder eine fantastische Melange und fesseln bis zur letzten Seite. Wobei die Tatsache, dass es bald einen zweiten Band der Geschichte geben wird, die Spannung beträchtlich erhöht.

Haruki Murakami

Die Ermordung des Commendatore Band 1

Eine Idee erscheint. Roman

Übersetzung: Ursula Gräfe

480 Seiten, Gebunden mit Folienumschlag und Lesebändchen, die erste Auflage hat einen Farbschnitt, Originalverlag: Shinchōsha, Tokio, Originaltitel: Kishidanchō goroshi

Verlag: Dumont

ISBN 978-3-8321-9891-6

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