Hannes Wader erhält ECHO für sein Lebenswerk

Berlin, 20. März 2013 – Die Deutsche Phono-Akademie ehrt den legendären Liedermacher für seine nachhaltigen Beiträge zur Entwicklung des deutsch-sprachigen Liedes. Bei der Preisverleihung in Berlin tritt Hannes Wader gemeinsam mit den Toten Hosen auf. Hannes Wader wird in diesem Jahr mit dem Deutschen Musikpreis ECHO für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Deutsche Phono-Akademie, das Kulturinstitut des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), ehrt den Künstler als großen Liedermacher, der die Entwicklung des deutschsprachigen Liedes seit den 60er Jahren nachhaltig und beispielhaft geprägt hat. Hannes Wader wird den ECHO am 21. März im Rahmen der großen Awardshow in der Messe Berlin persönlich entgegennehmen.

Gemeinsam mit der Band Die Toten Hosen wird er auf der ECHO-Bühne seinen Klassiker „Heute hier, morgen dort“ spielen. Die Düsseldorfer Formation hat dieses wohl bekannteste Lied von Hannes Wader im vergangenen Jahr für die Jubiläumsedition ihres Nummer-1-Albums „Ballast der Republik“ aufgenommen. Die von der Kimmig Entertainment GmbH produzierte Verleihung des Deutschen Musikpreises ECHO mit Gastgeberin Helene Fischer strahlt Das Erste am 21. März um 20:15 Uhr live aus.
„Hannes Wader ist ein Künstler mit Ecken und Kanten, der der deutschen Gesellschaft immer wieder den Spiegel vorgehalten hat“, so BVMI-Geschäftsführer Dr. Florian Drücke. „Seit Jahrzehnten spricht er in seinen Liedern Dinge an, die möglicherweise ungesagt geblieben wären: Hannes Wader spricht vielen Menschen aus dem Herzen. Seine enorme musikalische und lyrische Qualität, seine ungeheure Bandbreite im Spannungsfeld von Politik und Poesie, Protestsong und Liebeslied machen Hannes Wader zu einer singulären Persönlichkeit in der deutschen Musiklandschaft – und mittlerweile auch zu einer künstlerischen Inspirationsquelle für jüngere Musikergenerationen.“
Hannes Wader – Mehr als „Heute hier, morgen dort“
Mit seinen Liedern hat Hannes Wader die Zeitläufte auf vielfältige Weise begleitet. So unterschiedliche Wader-Songs wie „Trotz alledem“, „Kokain“, „Der Rattenfänger“, „Dat du min Leefste büst“ oder „Charley“ gehören zum Soundtrack ganzer Generationen. Sein Lied „Heute hier, morgen dort“ avancierte gar zum Volkslied im besten Sinne. Der 1942 in Bielefeld geborene Liedermacher hat im Laufe seiner Karriere immer wieder seine persönliche Sicht vom Lauf der Welt, von politischen und sozialen Verhältnissen, von Krieg und Frieden aber auch von Liebe und Leid zu ebenso aufwühlenden wie einfühlsamen Liedern verdichtet – und das nicht nur in den dezidiert biografischen Titeln. Dabei hat Hannes Wader sein Publikum begeistert oder irritiert, er wurde gefeiert oder geächtet: Kalt gelassen hat er niemanden. Bis heute.
Das aktuelle Album – 2012 veröffentlichte Hannes Wader „Nah dran“, sein erstes Solo-Album seit fünf Jahren. Hier zeigt er sich einmal mehr als Song-Poet, der sowohl in Folksong und Volkslied als auch in Pop, Reggae und Ballade zu Hause ist. Auf der Höhe seiner Kunst artikuliert er sich als Komponist und Texter, Sänger und Gitarrist, Bearbeiter und Interpret. Neben eigenen Titeln sind u.a. Lieder von Pete Seeger, Tom Paxton, Konstantin Wecker und Franz Josef Degenhardt zu hören. Ebenfalls im vergangenen Jahr erschien die Compilation „Heute hier, morgen dort“, auf der so unterschiedliche Künstler wie Philipp Poisel, Anna Depenbusch, Pohlmann oder die Punkband Slime mit Liedern von Hannes Wader zu hören sind. Sie unterstreichen damit eindrucksvoll die Zeitlosigkeit seiner Musik und die Relevanz seiner Texte. Auch hier wird deutlich: Tagespolitik ist seine Sache nicht. Hannes Wader stellt vielmehr persönliche, manchmal auch autobiografische Geschichten in einen zeitgeschichtlichen Kontext. Das war zu Beginn seiner Karriere so, und das ist auch heute nicht anders.
Die Anfänge – Inspiriert von Georges Brassens und Bob Dylan, begann der gelernte Dekorateur und Grafikstudent, der später zeitweise bei dem Magazin „Pardon“ als Layouter arbeitete, Anfang der 60er Jahre mit dem Schreiben eigener Lieder. Sein Auftritt beim legendären Burg Waldeck Festival 1966 machte ihn über Nacht zu einem bekannten Namen in der jungen deutschen Liedermacherszene. Sein erstes Album erschien 1969 unter dem Titel „Hannes Wader singt“ und verschaffte ihm den künstlerischen Durchbruch. Auf dem Debüt sind Lieder wie „Das Bier in dieser Kneipe“, „Frau Klotzke“ oder das von Reinhard Mey gecoverte und ins Französische übertragene „Begegnung“ zu hören. Sie alle sind heute Klassiker.
Turbulente Zeiten – Sein 1972 veröffentlichtes drittes Album „7 Lieder“ mit Songs wie „Kokain“ und „Heute hier, morgen dort“ war ein großer Erfolg, fiel aber in eine für ihn schwierige Zeit. Unwissentlich hatte er seine Hamburger Wohnung der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin überlassen und war anschließend auf Europareise gegangen. Nach seiner Rückkehr wurde er während eines Konzerts auf der Bühne verhaftet. Ein drohender Medienboykott konnte allerdings durch Freunde wie Reinhard Mey, Ulrich Roski und Insterburg & Co. abgewendet werden. Hannes Wader hat es weder sich noch seinen Fans jemals leicht gemacht. Als er 1977 in die DKP eintrat, wandten sich zwar viele von ihm ab, dennoch gehörte er weiterhin zu den ganz Großen unter den deutschen Liedermachern. Im gleichen Jahr erschien das Album: „Hannes Wader singt Arbeiterlieder“ mit Stücken wie dem Partisanenlied „Bella ciao“, dem Brecht-Eisler-Klassiker „Solidaritätslied“ und „Die Internationale“. Das Titellied seines Albums „Es ist an der Zeit“ (1980) wurde zur Hymne der Friedensbewegung. Darüber hinaus sang er auch immer wieder Lieder, die nicht dezidiert politisch sind, zu hören auf Alben wie „Plattdeutsche Lieder“ (1974), „Hannes Wader singt Shanties“ (1978) oder „Liebeslieder“ (1986).
Von Marx bis Schubert – In der Zeit der Wiedervereinigung trat Hannes Wader aus der DKP aus, ohne seine sozialistischen Grundüberzeugungen aufzugeben. Er nahm das stark biografisch geprägte Album „Nie mehr zurück“ (1991) auf und spielte 1996 gemeinsam mit Reinhard Mey und Klaus Hoffmann unter dem Albumtitel „Liebe, Schnaps, Tod – Wader singt Bellman“ Lieder des schwedischen Rokoko-Komponisten Carl Michael Bellman ein. Im Jahr darauf beschäftigte er sich intensiv mit Franz Schubert. Begleitet von dem Gitarristen Ralf Illenberger und dem Bassisten Eberhard Weber sang er auf dem Album „An dich hab ich gedacht – Wader singt Schubert“ Lieder wie „Der Musensohn“ oder „Die Forelle“ in ungewohnten Versionen.
Kein Ende in Sicht – Die folgenden Jahre waren von ausgiebigen Tourneen geprägt. Immer wieder trat er auch mit seinem Freund und Kollegen Konstantin Wecker auf. Im Wortsinne einmalig ist das gemeinsame Konzert mit Reinhard Mey und Konstantin Wecker anlässlich seines 60. Geburtstags in der Stadthalle Bielefeld im Juni 2002, das auf einer Doppel-CD veröffentlicht und ein Bestseller wurde. 2010 erschien die Live-CD „Wecker & Wader – Kein Ende in Sicht“ und hielt sich ebenfalls wochenlang in den Charts. 2011 kam der Film „Wader Wecker Vater Land“ von Regisseur Rudi Gaul in die Kinos, eine Dokumentation über eine gemeinsame Tournee mit Konstantin Wecker, die beim Münchener Filmfest mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Sein neuestes Album wurde erst vor wenigen Wochen veröffentlicht: „Old Friends in Concert“, ein Live-Mitschnitt von der gemeinsamen Tournee mit dem englischen Singer/Songwriter Allan Taylor. Auch diese CD stieg direkt in die Charts ein.
Foto: Universal Music

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