Group Sounds Four & Five: BLACK & WHITE RAGA

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Manchmal hilft nur das Chaos, um festgefahrene und erstarrte Strukturen aufzubrechen. Wie bei den kreativen Erschütterungen, die den britischen Jazz Mitte der 1960erJahre überrollten und einige großartige Bands hervorbrachten. Wahrscheinlich ist die Band Group Sounds Four & Five hierzulande  auch unter Jazzfreunden nicht sehr bekannt. Sie war ziemlich kurzlebig, hat keine Platten aufgenommen, gehörte aber zu den besten Jazz Acts, die das Land damals zu bieten hatte.

Vielleicht waren die Musiker nicht so revolutionär wie das Spontaneous Music Ensemble, aber dafür imitierten sie auch nicht einfach John Coltrane und Miles Davis trotz aller Bewunderung. Die gesamte Herangehensweise der Band zeichnete sich durch einen erfrischenden Individualismus und durch einen für jene Jahre typischen überbordenden Optimismus aus. Der herausragende Musiker der Band war der 1941 in Leicester geborene Trompeter, Violinist und Pianist Henry Lowther, der heute noch immer als einer der besten britischen Jazzer gilt. Andere, deren Namen vielleicht geläufiger sind, waren der Bassist Jack Bruce (vor seiner Zeit bei Cream) und der Schlagzeuger Jon Hiseman (vor Colosseum).

Group Sounds Four & Five haben leider keine Alben gemacht. Die BBC hat jedoch mit ihnen 1965 und 1966 zwei Sendungen produziert, die jetzt in einer limitierten Auflage bei dem Label Jazz in Britain erschienen sind. Die sieben Tracks zeigen die Band in bester Spiellaune und bestechen durch ihren Einfallsreichtum und ihre große harmonische Geschlossenheit, wie die Stücke „Celebrity Stomp“ von Pianist Ken McCarthy und das ungewöhnlich, halb abstrakte „Snow“ von Jack Bruce zeigen. Unser Anspieltipp „Softly, As In A Morning Sunrise“.    

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