Das Greg Gorman Interview

Zwei Sachen sollte man über Greg Gorman wissen: Erstens gibt es kaum ein relevantes Magazin für das er nicht bereits gearbeitet hat, sei es Esquire, GQ, Interview, Life, Vogue, Newsweek, Rolling Stone, Time, oder Vanity Fair. Und zweitens hat er das Priveleg gehabt, jegliche Megastars vor seiner Linse zu haben. Zum Teil erinnern die Schattierungen und scharfen Kontraste an Robert Mapplethorpe oder Herb Ritts, aber dies ist nur eine oberflächliche Assoziation. Wir hatten die Ehre, ihn auf der Photo14 in Zürich zu treffen und zu interviewen.

Ich würde gern mit einem Zitat anfangen, nämlich Robert Capas: „Wenn Dein Bild nicht gut genug ist, dann warst Du nicht nah genug dran“.

Sehr guter Einstieg, denn das trifft absolut auf meine Arbeit zu. Ich gehe immer nah dran und auch meine Portraits zeigen zumeist nur einen Ausschnitt.

Denken Sie nicht, dass Sie manchmal die Intimsphäre durchdringen?

Nein, denn am Anfang muss ich diese Intimität durchdringen, um eine Beziehung zu dem  Menschen zu etablieren, bevor ich mich mit der Kamera von ihr wegbewege. Ich muss nah genug gehen, um die Eigenschaften des Gesichts, die Augen und den ganzen Charakter zu verstehen.

Denken Sie, dass dadurch Ihre Menschenkenntnis gestiegen ist? Das Sie quasi von den Gesichtszügen den Charakter ableiten können?

Ich denke schon. Aber wissen Sie, wenn man in Hollywood lebt neigt man immer stärker dazu, die Menschen nach ihrer äusserlichen Erscheinung zu vorurteilen. In North Carolina wo ich auch lebe, habe ich lange Zeit keine Lust gehabt, mit meinen Nachbarn zu reden, da ich ihr Erscheinungsbild nicht mochte. Tatsächlich stellte sich natürlich raus, dass es coole Menschen sind. Aber abgesehen davon entwickelt man einfach einen anderen Blick, wenn man so lange die Welt aus der Linse beobachtet.

Welches Merkmal sehen Sie zu allererst?

Auf jeden Fall die Augen. Denn ich stimme dem zu, dass die Augen ein Spiegel der Seele sind. Und dann gehe ich die Gesichtszüge durch und entscheide, welche davon ich hervorheben will und welche nicht.

Ich habe mich gefragt, was die grösste Challenge ist, wenn man so grosse Stars vor der Kamera hat. Zum Beispiel Robert De Niro. Kann man überhaupt ein schlechtes Photo von Ihm machen?

Menschen wie De Niro oder Al Pacino können einschüchternd wirken, denn man möchte kein redundantes Foto machen, sondern Eines, dass Gewicht hat. Das ist die grösste Herausforderung.

Macht es die Arbeit einfacher, wenn man auf so einem Level fotografiert?

Wissen Sie, wenn man es erst einmal geschafft hat, einige solcher Referenzen zu haben, dann bekommst Du natürlich viel mehr Anfragen. Aber der Weg bis dahin ist natürlich ein ganz Langer.

 Schiessen Sie Privat noch Fotos?

Nein gar nicht. Ich fotografiere eher dokumentarisch auf meinem Iphone, wenn ich etwas auf meinem Blog oder Facebook poste.

Kommen wir zum Thema „Digitaliserung der Photografie“. Wie Sie auch hier auf der Photo14 gesehen haben, ist die digitale Nachbearbeitung ein fester Bestandteil der Arbeit geworden. Verliert dadurch das Fotografieren als Handwerk an Bedeutung oder ist ein Teil des Handwerks auch beispielsweise Photoshop zu beherrschen?

Wenn Du mit grossen Celebrities arbeitest, dann möchten diese immer so gut wie möglich aussehen, so dass wir schon damals viel in der Dunkelkammer nachbearbeiten mussten. Aber wenn ich mir hier die Arbeiten anschaue stelle ich fest, dass einige Fotografen es mit Photoshop übertrieben haben. Die Bilder sehen eher aus wie Illustrationen. Besonders bei den Farbfotos.  Aber wenn man es moderat anwendet ist es eine gute Sache.

Sind die Menschen eitler geworden, weil sie sich noch schöner machen lassen können durch Photoshop?

You know why photoshop is so great?

Nein, warum?

Because Reality sucks!

Danke für das Interview!

 

 

Photos: Mit freundlicher Genehmigung von Greg Gorman

Portrait Greg Gormann: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e8/Greg_Gorman.jpg

www.gormanphotography.com

 

 

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