Graphikportal – 300.000 Kunstwerke online

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Graphik war jahrhundertelang das wichtigste visuelle Medium der kulturellen Verständigung, bevor die Fotografie diese Führungsrolle ab Mitte des 19. Jahrhunderts übernahm. Doch was früher eine wesentliche Grundlage für die Herausbildung einer gemeinsamen europäischen Kultur war, ist heute aus der öffentlichen Wahrnehmung nahezu verschwunden. Am 11. November 2017 wurde es im Rahmen des „Wochenendes der Graphik“ in Hamburg das Graphikportal erstmals vorgestellt und macht rund 300.000 Kunstwerke aus insgesamt 24 europäischen Sammlungen online zugänglich.

Die bedeutendsten Museen, Bibliotheken und Forschungseinrichtungen, wie etwa die Kupferstichkabinette der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden oder der Hamburger Kunsthalle haben sich daran beteiligt. Auch die Albertina und die MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung in Wien, die Graphischen Sammlungen der ETH Zürich und der Zentralbibliothek Zürich oder die Bibliotheca Hertziana – Max Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom sind mit dabei.

Nicht zuletzt werden die Bestände des Virtuellen Kupferstichkabinetts, einer Kooperation des Herzog Anton Ulrich-Museums Braunschweig und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, integriert. Alle genannten Institutionen sind Mitglied im internationalen Arbeitskreis „Graphik vernetzt“, der das Ziel hat, gemeinsame Digitalisierungsstandards zu verabreden und Strategien für die weitergehende digitale Vernetzung graphischer Sammlungen zu entwerfen. „Diese Vernetzung bietet einen echten wissenschaftlichen Mehrwert, der im Graphikportal zum ersten Mal in diesem Umfang nutzbar ist“, sagt Dr. Gudrun Knaus, die das Graphikportal mit aufgebaut hat.

Mehrere Millionen Zeichnungen berühmter Meister, Holzschnitte, Kupferstiche oder Radierungen, vom Mittelalter bis zur Moderne, sind in öffentlichen Sammlungen auf der ganzen Welt verstreut – aber für die Öffentlichkeit beinahe unsichtbar. Um die in den Sammlungen lichtgeschützt aufbewahrten Werke kennenzulernen, gibt es neben ihrer Präsentation auf Ausstellungen oft nur Bestandskataloge oder interne Datenbanken. Das neue Graphikportal hebt diesen verborgenen Schatz des europäischen Kulturerbes.

Arbeitskreis Graphik vernetzt
Der Arbeitskreis “Graphik vernetzt“ hat sich im 2011 zusammengeschlossen. Zu seinen Mitgliedern gehören Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus etwa 70 graphischen Sammlungen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich und den Niederlanden (Museen, Bibliotheken, Archive usw.). Der Arbeitskreis dient dem Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Unterstützung bei digitalen Erschließungsvorhaben.

Bildarchiv Foto Marburg
Das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, Philipps-Universität Marburg, sammelt seit mehr als 100 Jahren Fotografien zu erstrangigen Bauwerken und Kunstwerken aller Länder und Zeiten. Es erforscht und dokumentiert die Kulturgüter und stellt wissenschaftliche Informationen sowie digitale Abbildungen öffentlich im Internet bereit. Wissenschaftliche Konzeption und technische Entwicklung des Graphikportals erfolgten am Dokumentationzentrum in Marburg mit einem eigenen Team aus Wissenschaftlern und Technikern und in enger Kooperation mit der internationalen Arbeitsgemeinschaft „Graphik vernetzt“. Die verwendete Software APS stammt von Stegmann Systems GmbH in Rodgau, das Webdesign wurde zusammen mit der Agentur Keller & Kollegen in Nürnberg erarbeitet.

 

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