Gerhard Streminger: Adam Smith – Wohlstand und Moral – Eine Biographie

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Adam Smith gilt als Begründer der klassischen Ökonomie. Neoliberale führen immer wieder seine These des selbst regulierenden Marktes ins Feld. Doch wer war der Mensch Adam Smith eigentlich? Dieser Frage geht der Philosoph Gerhard Streminger in seiner Biographie „Adam Smith – Wohlstand und Moral“ nach.

Adam Smith wird 1723 als Sohn eines Zollkommissars und einer streng religiösen Mutter geboren. Da sein Vater bereits einige Monate vor seiner Geburt stirbt, obliegt der Mutter die alleinige Verantwortung. Not muss die Familie jedoch nicht leiden. Margaret Smith ist die Tochter eines reichen Grundbesitzers. Während die Mutter für ihren Sohn eine klerikale Karriere im Auge hat, strebt der junge Adam nach Wissen. Mit Begeisterung beobachtet er die ein- und auslaufenden Handelsschiffe im Hafen seiner schottischen Heimatstadt Kirkcaldy. Schottland ist zu diesem Zeitpunkt im Wandel begriffen. Seit der Personalunion mit England geht es wirtschaftlich bergauf. Dem ökonomischen Aufschwung folgen ein gesellschaftlicher und ein intellektueller. Schulen und Universitäten prosperieren. Das Zeitalter der Schottischen Aufklärung beginnt. Einer ihrer führenden Köpfe wird Adam Smith.

Nach Studien in Glasgow und Oxford ernennt ihn die Universität Glasgow 1751 zum Professor für Logik. Zu dieser Zeit besucht Smith regelmäßig Herrenclubs, in denen er ausführlich mit den klügsten schottischen Köpfen debattiert, darunter auch sozialen Aufsteigern wie James Watt, dem Erfinder der Dampfmaschine. Inmitten dieser aktiven bürgerlichen Kultur dürfte Smith Vertrauen in das Individuum, sein überwiegend positives Menschenbild entstanden sein. Ein besonders einflussreicher Gesprächspartner wird der schottische Philosoph David Hume. Beide kommen zu dem Schluss, dass grundsätzliche Fragen nur durch die Kenntnis der menschlichen Natur zu beantworten seien. So ist das menschliche Wesen ein wiederkehrendes Element in Smith‘ Vorlesungen und Studien. Auch in seinem großen Werk „Der Wohlstand der Nationen“, das er 1776 nach vielen Jahren Arbeit fertigstellt.

Seine grundlegende These lautet: Wenn jeder Mensch im Rahmen seiner gesellschaftlichen Möglichkeiten versucht, sein persönliches Glück zu erhöhen, wird das allgemeine, gesellschaftliche Glück maximiert. Grundlegend für das Glück ist der durch Handel entstehende Wohlstand, für den vor allem zwei Aspekte von zentraler Bedeutung sind: die Arbeitsteilung und der freie Markt. Letzteres führen Neoliberale immer wieder ins Feld, wenn andere nach mehr Einflussnahme des Staates rufen.

Doch trotz seines positiven Menschenbildes ist Adam Smith keineswegs naiv gewesen. Er plädiert dafür, der „unsichtbaren Hand“ des Marktes unter bestimmten Umständen in den Arm zu fallen. Manchmal führen die egoistischen Absichten der Menschen eben auch zu negativen Folgen. Ein modernes Beispiel ist der Raubbau an unserem Planeten mit all seinen ökologischen Konsequenzen. In diesem Fall solle der Staat eingreifen. Auch sieht Smith durchaus die negativen Folgen der Arbeitsteilung. Aufgrund der Spezialisierung würde das Individuum intellektuell unterfordert. Deshalb fordert Smith eine umfassende, aufgeklärte Allgemeinbildung.

Und wer ist nun der Mensch Adam Smith, der hinter diesen Ansichten steht? Gerhard Streminger weiß zu berichten, dass Smith ganz dem Klischee des zerstreuten Professors entsprach. Schon in jungen Jahren war er in Selbstgespräche vertieft und wirkte auf seine Umwelt stets geistesabwesend. Allerdings attestiert Streminger dem schottischen Philosophischen auch einen liebenswürdigen Charakter.

Letztendlich bleibt jedoch viel über Smith‘ Leben im Dunkeln. Das hat primär einen Grund: Auf seine Anweisung hin wurde der größte Teil seiner Privataufzeichnungen kurz nach seinem Tod vernichtet. Gerhard Streminger nähert sich Smith deshalb vorwiegend über dessen wissenschaftliche Arbeiten und kommt dabei zu einem eindeutigen Urteil: Adam Smith ist ein Menschenfreund, ein Humanist gewesen.  – Stephan Petersen

 

Adam Smith – Wohlstand und Moral – Eine Biographie
Gerhard Streminger

C.H.Beck, München 2017
254 Seiten
ISBN 978-3-406-70659-2
24,95 €

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