George Clooney – Suburbicon – Filmtipp

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Inspiriert wurde George Clooney für seinen Film „Suburbicon“ durch eine wahre Begebenheit in den 1950er Jahren. Damals sorgte ein US-amerikanisches Bundesgesetz für die Wiedereingliederung der Weltkriegsveteranen, sie sollten die Möglichkeit erhalten, ein schönes Haus mit Garage und Vorgarten zu kaufen. Eine dieser Siedlungen war Levittown in Pennsylvania. Die Dokumentation aus dem Jahr 1957 mit dem Titel ‚Crisis in Levittown’ berichtete von einem Ehepaar, William und Daisy Meyers, die sich als erstes afroamerikanisches Paar in dem Vorort niederließen.

Die Meyers sind nach Suburbicon gezogen und werden sofort gemobbt.

Auch der Film spielt in den 1950er Jahren und beginnt damit, die Vorzüge einer solchen Siedlung zu preisen – wunderschön ruhig und modern. Bis es zu einem „Störfall“ kommt, den als erstes der nette Briefträger bemerkt. Es sind Afroamerikaner in die Nachbarschaft gezogen. Der Postbote posaunt die Neuigkeit auch sogleich überall herum. Unmittelbar neben den neuen Nachbarn lebt Nicky Lodge (NOAH JUPE) mit seinem Vater Gardner (MATT DAMON), seiner Mutter Rose und deren Zwillingsschwester Margaret (JULIANNE MOORE in einer Doppelrolle). Nicky freundet sich schnell mit Andy (TONY ESPINOSA) an.

Nicky freundet sich dagegen schnell mit den Nachbarsjungen an.

Suburbicon – die schöne weiße Fassade bröckelt

Am Abend kommt es jedoch zu ersten unmissverständlichen Reaktionen der weißen Bewohner gegen ihre neuen schwarzen Nachbarn – ihr seid unerwünscht.
Und zwei Einbrecher, Ira (GLENN FLESHLER) und Louis (ALEX HASSELL) haben Gradner und seine  Familie in ihre Gewalt gebracht. Während sie die nach einem Autounfall an den Rollstuhl gefesselte Mutter Rose und ihre Zwillingsschwester Margaret  im Wohnzimmer festhalten, holt Gardner Nicky aus seinem Kinderzimmer nach unten. Die Einbrecher genießen es, die Familie und besonders Gardner zu demütigen und schließlich werden alle Beteiligten mit Chloroform betäubt. Als Nicky im Krankenhaus aufwacht, ist seine Mutter bereits gestorben – sie hat zu viele Chloroform abbekommen.

Matt Damon spielt die Rolle einfach perfekt – verbissener Biedermann und Verbrecher.

Aber ist das wirklich der Fall? Schon bald erkennt der kleine Nicky, dass der Vater nicht die Wahrheit gesagt hat. Er erwischt ihn mit seiner Tante im Ehebett und so langsam lichtet sich der Schleier über der Geschichte und die Wahrheit tritt zutage, allerdings mit vielen tödlichen Folgen, die auch Nick bedrohen..

Julianne Moore kann alle Rollen spielen, auch die der perfekten Hausfrau mit krimineller Energie.

Als George Clooney anlässlich der Berlinale-Pressekonferenz zu seinem Film Heil Cäsar 2016 von einem Journalisten gefragt wurde, wie er die Flüchtlingssituation in Deutschland einschätze und ob er nicht irgendetwas tun könne, war seine Antwort eher verhalten. Der Film „Suburbicon“ könnte eine Antwort enthalten. Das gemeinsam mit den Coen-Brüdern geschriebene Drehbuch macht deutlich, Rassenhass und Diskriminierungen sind in den USA damals wie heute allgegenwärtig und treten seit Trump einmal mehr wieder deutlich hervor.

Clooneys superbe Kriminalkomödie lässt den Zuschauer oft schmunzeln, aber auch manchmal schaudern: Wenn seine Kamera die Sicht des kleinen Nickys einnimmt oder wenn sie den Blick genau auf das verbissene Gesicht Gardners lenkt. Matt Damon, der für die Rolle ein paar Kilo Gewicht zugelegt hat, spielt den Gutbürger mit krimineller Energie grandios, und Julianne Moore ist einfach überzeugend und komisch als perfekte Hausfrau, die nicht viel weniger von dieser Energie besitzt.

Der Film ist eine faszinierende Mischung aus schwarzem Humor und spannender Handlung. Und George Clooney hat einmal mehr bewiesen, dass er auch den Platz hinter der Kamera sehr gut besetzt.

 

Kinostart: 09. November 2017 im Concorde Filmverleih

Alle Fotos: Concorde

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