Fünf sehenswerte Ausstellungen

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Mit Otto Dix – „Der böse Blick“ präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen die erste monografische Ausstellung über die Zeit zwischen 1922 bis 1925, die der Künstler in Düsseldorf verbracht hat. Es wurden sehr produktive Jahre für Dix, der sich im Rheinland Ausstellungsmöglichkeiten und lukrative Porträtaufträge erhoffte. Tatsächlich enwickelte er großen Ehrgeiz und in den nachfolgenden Jahren eine Wandlung vom expressiv-veristischen Dadaisten zum neusachlichen Porträtisten: Schonungslos fixierte er seine Mitmenschen auf der Leinwand. Als er 1925 – charakterlich und künstlerisch gereift – nach Berlin ging, eilte ihm sein gesellschaftskritischer Ruf voraus.

Dieser künstlerisch wie menschlich prägenden Phase widmet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen die Ausstellung Otto Dix – Der böse Blick. Gezeigt werden etwa 200 Gemälde, Aquarelle und Grafiken aus nationalen und internationalen Sammlungen.

Otto Dix – Der böse Blick

Otto Dix, Selbstbildnis im Malkittel

Otto Dix, Selbstbildnis im Malkittel mit Kristallkugel, Staffelei und Palette, 1931, Mischtechnik auf Sperrholz, Museum Ludwig Köln, Sammlung Haubrich, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

11.02. – 14.05.2017
K20 Grabbeplatz

Düsseldorf

 

Morgen darf nicht gestern sein

Die Ausstellung „Morgen darf nicht gestern sein“ gibt erstmals in Europa einen umfangreichen Einblick in das fotografische OEuvre von Claudia Andujar (*1931 in Neuchâtel,
Schweiz). Die Künstlerin und Aktivistin lebt seit 1955 in São Paulo in Brasilien. 1971 führte sie eine ihrer Reisen in das Amazonasgebiet zu dem indigenen Volk der
Yanomami. Seither engagiert sich Andujar für den Schutz dieses durch die Invasion ihres Lebensraumes bedrohten Volkes. Im Rahmen ihres aktivistischen Engagements entstand in den
frühen 1980er-Jahren ihre bis heute wichtigste Serie „Marcados“ (dt. Markiert). „Andujars Bildserien sind das Ergebnis ihrer Reisen zwischen der südlichen Metropole São Paulo und dem
nördlich gelegenen Amazonasgebiet. Andujar selbst lebte über mehrere Jahre mit den Yanomami und fotografierte sie. Da die Yanomami traditionell keine Namen verwenden – sie sprechen sich mittels Familienrelationen an –, wurden ihnen zur
Identifizierung für einen Impfausweis Nummern um den Hals gehängt.

Andujar Marcados

Claudia Andujar, from the series Marcados, 1981–1983
Courtesy Claudia Andujar and Galeria Vermelho, São Paulo, Brazil

Die Bilder von mit Nummern markierten Personen wecken historische Erinnerungen, die aufs engste mit Andujars eigener Biografie verknüpft sind. Während sie selbst
und ihre Mutter dem Holocaust entfliehen konnten, wurde ihre gesamte jüdische Familie väterlicherseits im Konzentrationslager ermordet.
Im Titel der Ausstellung „Morgen darf nicht gestern sein“ spiegelt sich angesichts wiederkehrender politischer Ereignisse und gesellschaftlicher Entwicklungen in Brasilien die
Botschaft der Künstlerin an die Gegenwart wider.

Claudia Andujar
Morgen darf nicht gestern sein

17. Februar – 25. Juni 2017

im MMK 1 Frankfurt

John Bock
Im Moloch der Wesenspräsenz

Unter dem Titel Im Moloch der Wesenspräsenz entwickelt der Berliner Künstler John Bock (* 1965) eigens für die Berlinische Galerie eine aus mehreren Einzelarbeiten und Filmprojektionen bestehende Installation. Es handelt sich um die erste große Museumsausstellung des international agierenden Künstlers in Berlin, der 2010 mit seiner Ausstellung FischGrätenMelkStandin der Temporären Kunsthalle Berlin große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.

Der magische Krug, 2013, Video, 15:50 Min., (Part of the installation Der magische Krug, 2013), © John Bock

Der magische Krug, 2013, Video, 15:50 Min., (Part of the installation Der magische Krug, 2013),
© John Bock, Courtesy Sprüth Magers, Foto: Martin Schlecht

Die Ausstellung Im Moloch der Wesenspräsenz gibt Einblicke in sein aktuelles Schaffen. In seinen Werken agiert John Bock als Bildhauer, Zeichner, Autor, Aktionskünstler und Filmemacher. Die opulente Schau in der Berlinischen Galerie ist Freakshow, Bühne, Versuchs labor und Kino zugleich und überwältigt durch eine barocke Fülle an Bedeutungen. Objekte, Requisiten und Kostüme, die in den Filmen und Live-Aktionen zur Ausstellung zum Einsatz kommen, mutieren in seinem Kosmos zu unberechenbaren Wesen. Sie wuchern, stülpen sich aus oder bilden Tentakel und versuchen, Kontakt zum Besucher aufzunehmen. Jede Station erzählt eine eigene Geschichte. Zusammen bilden sie ein lockeres Gefüge, das wie ein Parcours funktioniert. Der Besucher bewegt sich mit Entdeckerlust hindurch und bringt zugleich sich selbst zur Aufführung.
Wie in seinen Einzelwerken verbinden sich in der gesamten Schau unterschiedliche Medien, Objekte und Installationen zu einem bizarren Mikrokosmos. Er steht für die Welt und kreist letztlich um den Künstler selbst. Es ist seine Sicht auf die Absurdität der Dinge, die John Bock hier lustvoll zelebriert und als grotesk-böses Spektakel vor Augen führt. Am Abend der Eröffnung und am Gallery Weekend wird die Ausstellung zum Schauplatz für Live-Aktionen. Der Künstler tritt zusammen mit Schauspielern auf und verwandelt die Ausstellung in ein großes Spektakel. Mit dabei sind Lars Eidinger, Lisa Müller-Trede, Laurenz Leky, Kris Limbach.

John Bock
Im Moloch der Wesenspräsenz

24.02 – 21.08.2017

Eröffnung: 23.02., 19 Uhr
Berlinische Galerie

 

Warten

Trotz unserer schnelllebigen Zeit, wo es um unmittelbare Bedürfnisbefriedigung geht, warten wir immer wieder. Es ist eine alltägliche und grundlegende Erfahrung. Und so lässt sich im Warten vor allem die gesellschaftliche Stellung und der Status eines Menschen ablesen: Menschen mit Macht warten nicht, sie lassen warten. Geflüchtete warten oft jahrelang auf die Entscheidung ihres Asylantrags ohne Möglichkeit, diese zu beschleunigen. Kürzere Wartezeiten am Flughafen oder beim Arzt lassen sich durch Fast-Check-in oder Privatversicherung erkaufen. Aber Warten kann mehr sein als nur ungenutzte oder sogar verlorene Zeit. Begreift man Warten als geschenkte Zeit, kann es zu einem Raum ungeahnter Möglichkeiten werden, einem Freiraum für Reflexion, Kreativität oder Entschleunigung.

Txema Salvans (*1971)The Waiting Game, 2014Fotografie, 50 x 70 cm Courtesy of the artist © Txema Salvans

Txema Salvans (*1971)The Waiting Game, 2014Fotografie, 50 x 70 cm
Courtesy of the artist © Txema Salvans

Die groß angelegten Ausstellung WARTEN nähert sich mit den Arbeiten von 23 Gegenwartskünstler_innen erstmalig und sehr eindrücklich diesem vielschichtigen Phänomen.

Begleitend zu WARTEN. ist eine eigene Webseite unter warten-kunsthalle.de geschaltet.

Warten

17.2. bis 18.6.2017

Hamburger Kunsthalle

SIGMAR POLKE
ALCHEMIE UND ARABESKE

Sigmar Polke, Dürer Hase, 1968. Museum Frieder Burda, Baden-Baden © The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst Bonn, 2017bilder

Sigmar Polke, Dürer Hase, 1968. Museum Frieder Burda, Baden-Baden © The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst Bonn, 2017bilder

Sigmar Polke (1941 – 2010) gehört zu den größten Bild-Erfindern und bedeutendsten Malern Deutschlands. Seine Werke leben von gesteuerten Zufällen und bergen geheimnisvolle Überraschungen. Sie werden von einem besonderen Wort- und Bildwitz begleitet, der alles kategorisch Strenge durchbricht.
Die Ausstellung im Museum Frieder Burda konzentriert sich auf zwei wesentliche Merkmale in Polkes Arbeiten. Sie rückt unter dem Aspekt Alchemie die zufällig bis chaotisch erscheinenden Bildgründe seiner Malerei in den Fokus, die durch ungewöhnliche Substanzen entstehen, was zu eigenwilligen Farbverläufen führt. In anderen Werken reagieren mineralische Zusätze auf klimatische Veränderungen. Der Alchemie steht der Aspekt Arabeske gegenüber – ornamentale Liniengebilde, die Polke etwa Holzschnitten Dürers und Altdorfers entnahm. Er malte aber auch seine eigenen Handlinien oder generierte Zufallslinien.
Sigmar Polke ist diesen wie zufällig erscheinenden, selbst gewählten Ordnungen auch in anderen Materialien und Medien nachgegangen, so goss er Asphaltritzen mit geschmolzenem Gold aus, fotografierte das schnörkelige Wachstum von Weinranken oder radioaktives Urangestein. Er filmte chemische Farbexperimente und sammelte fluoreszierendes Uranglas, interessierte sich für Zerrspiegel. Die Ausstellung präsentiert neben hochkarätigen Gemälden und Papierarbeiten die 1991 in den USA entstandenen »Goldstücke« sowie eine große Anzahl an Fotoarbeiten, zwei Filme, Urangestein-Fotografien und Polkes eigene Sammlung an Uranglas-Objekten.
Ausstellungskurator: Helmut Friedel. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Helmut Friedel und Barbara Vinken sowie einem Interview von Bice Curiger mit Sigmar Polke im Schirmer/Mosel Verlag

SIGMAR POLKE
ALCHEMIE UND ARABESKE

11. Februar – 21. Mai 2017

Museum Frieder Burda

Titelbild:Tobias Zielony (*1973)Lee + Chunk, 2000Aus der Serie Car Park
Fotografie, C-Print, 41,6 x 62,4 cm
Courtesy of KOW, Berlin
© Tobias Zielony

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